Zahedani: »Wir sind nicht zu spät dran«

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Microsoft-Manager Said Zahedani spricht im eWEEK-Interview über Microsofts Pläne mit Windows Azure. Diese sind teilweise schon verblüffend konkret.

Im ersten Teil des Interviews mit Microsoft-Manager Said Zahedani ging es um Microsofts Einstieg in das Geschäft mit Cloud Computing. Im zweiten Teil verrrät Zahedani, auf welche Abrechnungsmodelle sich IT-Manager einstellen müssen und welche Dienste bei Windows Azure angeboten werden sollen.

Der Topmanager ist bei Microsoft verantwortlich für Softwareplattformen und -entwicklung (Senior Director Developer Platform and Strategy Group). Das Interview wurde per E-Mail geführt.

eWEEK: Wie sieht in Zukunft die Geschäftsbeziehung zwischen Microsoft und den Unternehmen aus? Ein Mix aus Windows- und Office auf den Arbeitsplatzrechnern und zusätzlich Windows-Azure-Dienste?
Zahedani: Windows Azure stellt eine zusätzliche Möglichkeit für den Softwarebetrieb dar. Bisherige Betriebsmodelle bleiben aber weiterhin bestehen. Es hängt also allein von den Unternehmen ab, ob sie Azure Cloud Services nutzen oder nicht. Unsere Kunden können aber davon ausgehen, dass die Lizenzmodelle klassischer Vor-Ort-Software und Cloud Services derart aufeinander abgestimmt werden, dass sie die größtmögliche Flexibilität haben.

Ray Ozzie, Microsofts Software-Chef (chief software architect) hat Windows Azure auf eine Entwicklerkonferenz im Oktober 2008 vorgestellt. (Bild: Microsoft)

Wie muss man sich die Bedienoberfläche von Windows Azure vorstellen?
Die Bedienoberfläche ist eine Administrationskonsole für Installation, Konfiguration und den Betrieb eigener Anwendungen. Die Software selbst, die auf Azure betrieben wird, sieht für den Nutzer genau so aus wie Programme, die beispielsweise bei einem klassischen Web Hoster laufen.

Service-Plattform für alle Endgeräte vom Desktop-PC bis zum Smartphone: Windows Azure. (Bild: Microsoft)

Welche Beziehung haben die bei der Azure-Plattform verwendeten Software-Codes zu Open Source?
Die Azure-Plattform ist weitestgehend unabhängig vom Lizenzmodell der Software, die von einem Unternehmen auf Azure installiert und betrieben wird. Ob der Entwickler auf Azure Teile oder ganze Applikationen aus dem Open Source-Pool verwendet, ist ihm überlassen.

Wir legen aber Wert auf größtmögliche Interoperabilität. Azure Services sind über Standardtechnologien wie SOAP, REST, XML zugänglich. Das macht Azure auch für Entwickler interessant, die Open Source im Rahmen ihrer Projekte verwenden.

Und was soll das kosten?
Details zu den Kosten für die Nutzung von Azure Services werden wir im Laufe des nächsten Jahres bekanntgegeben.

»Zugriff auf Windows Azure auch in Zukunft über die gewohnten Endgeräte« Said Zahedani, verantwortlich für Softwareplattformen und -entwicklung bei Microsoft. (Bild: Microsoft)

Kritiker behaupten, dass Microsoft wie bei jedem großen Technologie-Trend wieder mal zu spät dran ist.
Das stimmt bei Cloud Computing bestimmt nicht. Wir bieten schon seit Langem Onlinedienste an. Neu ist nur, dass mit Azure Microsofts Expertise auch Entwicklern zur Verfügung gestellt wird. Wir legen allerdings großen Wert darauf, Kunden und Partnern auch weiterhin ein breites Spektrum an Alternativen für den Softwarebetrieb zur Verfügung zu stellen.

Auch in Zukunft sollen Firmen die Möglichkeit haben, IT-Funktionen vor Ort im eigenen Rechenzentrum zu betreiben, oder von Partnern beziehungsweise von Microsoft zu beziehen.

Intel galt bisher immer als Hauptpartner Microsofts. Ist Windows Azure das Ende dieser engen Partnerschaft?
Nein, unsere enge Kooperation mit Hardware-Herstellern, und dazu gehören auch AMD und viele andere Unternehmen, ist in keinster Weise betroffen. Denn der Zugriff auf Windows Azure erfolgt auch in Zukunft über die gewohnten Endgeräte wie PC, Smartphones oder Laptops erfolgt. Wir brauchen also die Hardware-Partner.
Herr Zahedani, wir danken für das Gespräch.

Microsofts Azure-Dienste

Das sind die Services die Microsoft im Zusammenhang mit Cloud Computing anbieten will:

– Finished Services: Fertige Cloud-Programme, die vom Endanwendern direkt genutzt werden können. Beispiele sind hier die Live Services für Privatkunden wie Windows Live, Office Live oder Live Search

Cloud Computing à la Microsoft: Dabei spielen natürlich auch .NET oder Visual Studio eine prominente Rolle. (Bild: Microsoft)

Online Services: (Exchange Online, SharePoint Online, OCS Online u.v.m.). Letztere enthalten auch die so genannte Business Productivity Online Suite, bei der verschiedene Services als Paket angeboten werden.

– Attached Services: Ergänzungsdienste, die andere Anwendungen um Zusatzfunktionen erweitern. Beispiele sind hier Xbox Live, das Xbox-Funktionen um Community-Funktionen erweitert oder Exchange Hosted Services, um bestehende Exchange Installationen um Virenscanning, E-Mail-Filterung zu erweitern.

– Building Block Services: Dienste für Entwickler, die in eigenen Anwendungen verwendet werden können. Hierzu gehören alle Azure Services:
Live Services – für Personal und Social Computing

– .NET-Services – für Services-Integration in der Cloud

– SQL-Services – für Datenbankfunktionen in der Cloud
SharePoint Services und Dynamics CRM Services werden laut Microsoft demnächst hinzukommen, um Funktionen für Zusammenarbeit (Collaboration) bzw. Geschäftsanwendungen in der Cloud bereitzustellen.
(Mehmet Toprak)

Weblinks
Teil I des Interviews
Video: Ray Ozzie stellt Windows Azure vor
Windows Azure
Microsoft Deutschland
Professional Developers Conference