Ein Wunder: RIAA begräbt zum Fest das Kriegsbeil

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Es klingt wie ein Weihnachtsmärchen: Der sonst so blutrünstige US-Verband der Musikverleger stoppe seinen Feldzug gegen einzelne Bürger. Das teilte der RIAA wenigstens dem Wall Street Journal  mit.

Ist denn schon Bescherung? Die Recording Industry Association of America will den Musikliebhabern offenbar das Fest versüßen, denn sie pfiffen angeblich ihre Legionen von Rechtsverdrehern zurück. Natürlich nicht, um den Individuen den Weg frei zu machen, sich wieder nach Herzenslust mit digitalen Songs zu versorgen. Hinter dem Ablassen von ihren zahllosen Einzelopfern steckt schlicht ein Strategiewechsel: Statt Millionen von Filesharern atemlos hinterherzujagen, versucht es die RIAA nun damit, den Internet Service Providern (ISPs) den Schwarzen Peter zuzuschieben.
Jene sollen den Kunden die Droh-Mails der RIAA weiterleiten, um ihnen direkt auf die Finger zu klopfen, sobald sie verdächtigen Dateitausch betreiben. Wer nicht folgsam sei, erhalte noch mehr Warn-E-Mails. Helfe auch das nicht, werde der Online-Zugang reduziert oder abgeklemmt – finale Gerichtsverfahren nicht ausgeschlossen. Sofern die Provider da mitziehen…
Dieser Schwenk war wohl nötig geworden, da sich die RIAA in den letzten Monaten vor den US-Gerichten nicht gerade mit Ruhm bekleckert hatte. Nun will der Verband über die ISPs den Druck aufbauen. Verklagt werden laut den US-Berichten künftig wohl hauptsächlich nur die heftigen Copyright-Verletzer, die monatlich ein paar tausend Songs laden und verteilen.
Die Masse der Empfänger von Droh-E-Mails werden dem Verband gar nicht mehr namentlich bekannt sein, da ja Service Provider die Verteilung übernehmen. Mit dieser neuen Strategie vertraue die RIAA auf einen abschreckenden Effekt, wenn die einzelnen User ein solches (weitergeleitetes) E-Mail erhalten. Das gebe ihnen das Gefühl, nicht mehr anonym bei ihren Aktivitäten zu sein. Ob es funktionieren wird? Egal, Hauptsache keine Wahnsinns-1,5-Millionen-Forderungen mehr an kleine Mädchen oder verwirrte Großmütter. (rm)

Reuters

MacWorld

Wall Street Journal