»Cloud Computing senkt die Kosten«

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Microsoft-Manager Said Zahedani im eWEEK-Interview über Windows Azure, neue Abrechnungsmodelle bei Cloud Computing und warum Desktop-Software nicht aussterben wird.

Cloud Computing ist eines der Schlagwörter des Jahres. Mit Spannung wurde deshalb erwartet, wie Desktop-Riese Microsoft darauf reagieren würde. Jetzt ist es klar: Microsoft steigt mit dem nächstem Betriebssystem Windows Azure selbst ins Geschäft mit dem Megatrend ein.

Kann der Desktop-Riese mit IBM, Google und Co mithalten? Welche Strategie steckt hinter Windows Azure? Über diese und andere Fragen sprach eWEEK mit Said Zahedani, bei Microsoft verantwortlich für Softwareplattformen und -entwicklung (Senior Director Developer Platform and Strategy Group). Der 48-jährige Zahedani ist Mitglied der Geschäftsführung und pflegt darüberhinaus Kontakte zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Das Interview wurde via E-Mail geführt.

eWEEK: Wann rechnen Sie mit dem Durchbruch für Cloud Computing (CC)?
Zahedani: Bei unseren Partnern und Kunden steigt die Nachfrage nach IT-Funktionen als Service. Dieser Trend ist nicht Microsoft-spezifisch. Das zeigen unabhängige Studien von IDC, Gartner oder TechConsult. Die Akzeptanz für Cloud Computing ist also bereits vorhanden. Allerdings gibt es in der Nutzung deutliche Unterschiede.

»Erfahrung im Bereich hoch skalierender, hoch verfügbarer Infrastrukturen« Microsoft-Manager Said Zahedani. (Bild: Microsoft)

Einige Services, insbesondere im Consumer-Bereich werden schon seit vielen Jahren genutzt. Die Services für große Unternehmen sind aber relativ neu und daher noch nicht so verbreitet.

Wann kommt Windows Azure?
Das werden wir zu gegebener Zeit bekannt geben, allerdings steht Azure schon jetzt einer begrenzten Zahl an Entwicklern im Rahmen einer so genannten »Community Technology Preview« (CTP) zu Testzwecken zur Verfügung. Anfang 2009 werden wir eine detaillierte Roadmap mit Verfügbarkeitsterminen bekanntgeben, sobald die Rückmeldungen der Testentwickler ausgewertet wurden.

Für welche Unternehmen oder für welchen Typ Anwendungen ist Cloud Computing geeignet?
Cloud Computing auf Basis von Azure eignet sich für alle, die eine hoch skalierbare, hoch verfügbare Anwendungsplattform brauchen.
Bitte etwas konkreter …
Ok, wir sehen hier drei Kategorien:
Erstens: Große Firmen und Softwareunternehmen (ISVs), die bestehende Anwendungen um Funktionen erweitern wollen, die aus der Cloud kommen.
Zweitens: Web 2.0 Entwickler und kleine Softwarefirmen, die eine flexible, skalierbare Basis für Ihre Web-Anwendungen benötigen.
Drittens: Privatanwender und Studenten, die unkompliziert Web-Anwendungen entwickeln wollen.

Für Windows Azure präsentiert Microsoft bereits ein reichhaltiges Informationsangebot im Internet.

Wird Cloud Computing für die Firmen nicht teurer? In Zukunft müssen sie Desktop-Kapazitäten vorhalten und zusätzlich Web-Services mieten.
Ganz im Gegenteil. Der Kostenaspekt ist ein wesentlicher Motor bei der Entwicklung von Cloud Computing. Windows Azure ist für Firmen eine zusätzliche Alternative. Bisher hatten sie die klassischen Optionen »Betrieb vor Ort« oder »Betrieb bei einem Hoster«. Jetzt wird es als dritte Möglichkeit »Betrieb auf Azure« geben. Die bisherigen Varianten existieren weiter, so dass sich am Kostenmodell nichts ändern muss.
Aber ändern kann …
Grundsätzlich ist damit zu rechnen, dass die Kosten eher sinken. Und zwar wegen der Verlagerung des IT-Betriebs zu einem spezialisierten Dienstleister auf Grund von Skaleneffekten. Der Dienstleister kann z.B. Infrastrukturkosten auf verschiedene Kunden aufteilen.

Wie könnten die Abrechnungsmodelle konkret aussehen?
Es gibt mehrere Abrechnungs- und Kostenmodelle. Von der werbefinanzierten Abrechnung bis hin zu Mietmodellen und der klassischen Lizenzierung. Dabei besteht die Möglichkeit einer nachfragebezogenen Abrechnung, d.h. der Kunde zahlt nur für die IT-Leistung, die er wirklich nutzt. Die Fixkosten für eine eigene Ausstattung entfallen.

Gibt es für Cloud Computing schon genug Bandbreite?
Natürlich steigt der Traffic im Internet, wenn IT-Funktionen übers Web laufen. Deshalb empfiehlt es sich, den Datentransfer auf die Nutzdaten zu beschränken und nicht ganze Anwendungsoberflächen mit Darstellungsinformationen zu übertragen.
Dieses Entwurfsmuster liegt übrigens Microsofts Software-plus-Services Strategie zugrunde.

Heißt das, die Anwendungen laufen auf dem Desktop?

Genau, das Programm nutzt die Rechenleistung der lokalen Hardware und über die Cloud laufen nur die Nutzdaten. Außerdem investieren zurzeit viele Anbieter von Kommunikationsinfrastruktur auch in den Ausbau der Übertragungskapazitäten,

»Detaillierte Roadmap für Cloud Computing« Hier, auf dem berühmten Microsoft-Campus in Redmond wird die Strategie für Windows Azure geplant. (Bild: Microsoft)

Und wie steht´s mit der Zuverlässigkeit? Wenn es Probleme im Rechenzentrum von Windows Azure oder beim Internetprovider gibt, dann steht die ganze Firma still.
Keine Sorge, wir haben Erfahrung im Bereich hoch skalierender, hoch verfügbarer Infrastrukturen. Unsere Websites wie www.microsoft.com, msdn, msn, live.com, Hotmail und andere gehören seit Jahren zu den größten Web-Angeboten weltweit. Das kommt uns bei Azure zugute. Und damit auch den Entwicklern.

Aber nicht die ganze Infrastrukturkette vom Rechenzentrum bis zum PC auf dem Schreibtisch des Anwenders liegt im Einflussbereich von Microsoft.
Das ist richtig. Netzausfälle beim Provider können wir auch nicht verhindern. In so einem Fall kann der Anwender aber einfach mit der Desktop-Software offline weiterarbeiten.
(Mehmet Toprak)

Den zweiten Teil des Gesprächs lesen Sie am Montag, 29.12.

Weblinks

Windows Azure
Microsoft Deutschland

Teil II des Interviews