Spracherkennung von Amts wegen

Allgemein

Nuance-Geschäftsführer Michael-Maria Bommer beschreibt den Einsatz von Spracherkennung in Behörden. Eine Fallstudie aus Neukölln.

Das Bezirksamt Neukölln ist bundesweit die erste Stadtbehörde, die eine Spracherkennungssoftware zur Unterstützung der täglichen Arbeit von über 150 Mitarbeitern einsetzt.

Die Softwarelösung hilft beispielsweise Sozialarbeitern, die nach ihren Hausbesuchen ihre Berichte in ein Diktiergerät sprechen. Per Knopfdruck erhalten sie durch Dragon Naturally Speaking 9 die fertigen Berichte auf dem PC. Der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky sieht die Lösung als bürgerfreundliche Investition, da der Verwaltung die Arbeit erleichtert werde, aber auch als Entlastung des Haushalts: »Dass wir bemüht sind, die Optimierungspotenziale zu nutzen, wird den Finanzsenator freuen.«

Das Diktieren
Das Beispiel von Neukölln zeigt: Das Diktieren in Dragon muss nicht unbedingt direkt am PC erfolgen, sondern ist auch mit einem digitalen Diktiergerät möglich. Dieses kann unterwegs besprochen und anschließend per Schnittstelle mit dem PC verbunden werden.

Die Audio-Datei mit dem Diktat wird von der Spracherkennung in einen Text umgesetzt. Eventuelle Erkennungsfehler kann der Nutzer dann in der Textverarbeitung korrigieren und als Word-Dokument abspeichern.

Für das Diktieren und die Eingabe von Sprachbefehlen sind sowohl das analoge, das USB-Headset als auch ein drahtloses Bluethooth-Headset geeignet.

Bis zu 160 Wörter pro Minute
Die Softwarelösung arbeitet mit einer Geschwindigkeit von bis zu 160 Wörtern pro Minute. Die Spracheingabe ist also bis zu dreimal schneller als das Tippen. Dabei unterlaufen der Software keine Rechtschreibfehler und sie lernt durch jede weitere Verwendung dazu. Spracherkennung erreicht im Idealfall eine Erkennungsgenauigkeit von 99 Prozent. Neue Vokabeln oder unbekannte Eigennamen muss der Anwender natürlich trainieren und dem Wortschatz hinzufügen.

»Dreimal schneller als Tippen« Nuance-Geschäftsführer Michael-Maria Bommer

Außerdem ist die Bearbeitung aller Windows-Anwendungen durch Sprachbefehle, wie beispielsweise Microsoft Word, Outlook Express, Internet Explorer und Excel möglich. Das fertige Dokument kann auch per Sprache formatiert, einzelne Textpassagen können gelöscht oder kopiert werden. Auch die Internetrecherche im Internet Explorer oder Mozilla Firefox per Sprachbefehl ist möglich.

Sprachbefehle zur Windows-Steuerung
Die intuitiven Sprachbefehle fassen Routineabläufe in simplen Sprachbefehlen zusammen. Anwender können mit wenigen Worten, zum Beispiel. »Sende E-Mail an Jens Baumann und Heidi Frank« Mails versenden. NaturallySpeaking öffnet dazu das E-Mail-Programm, erstellt eine neue E-Mail und trägt die Namen der Adressaten in das betreffende Feld ein. Mit dem Befehl »Suche Wikipedia nach Batman« wird die Suchanfrage direkt bei Wikipedia von Dragon NaturallySpeaking eingegeben und die entsprechenden Treffer angezeigt.

Mitarbeiter des Bezirksamts Neukölln. Die erste Stadtbehörde, die eine Spracherkennungssoftware einsetzt.

Die Spracherkennungslösung von Nuance liegt derzeit in der Version 10 vor. Je nach Anspruch gibt es Dragon Naturally Speaking in den Ausführungen Standard, Preferred und Professional. Um auch spezialisierten Berufsgruppen den Einsatz von Dragon zu ermöglichen, arbeitet Nuance mit vielen Partnern zusammen und bietet spezielle Versionen, etwa für den medizinischen und juristischen Bereich.
(Michael-Maria Bommer/mt)
Der Autor Michael-Maria Bommer ist Geschäftsführer des Spracherkennungsspezialisten Nuance (General Manager DACH).

Weblinks
Nuance
Interview mit Michael-Maria Bommer