Green IT: Fünf PC-Mythen zum Vergessen

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Desktop-Heerscharen, die sich in vielen Büroecken herumdrücken, verbraten in der Summe dreimal mehr Energie als moderne Data Center. Zu verdanken haben wir das unter anderem ein paar gewachsenen Vorurteilen.

Bei Stromverbrauch und CO-2-Fußabdruck macht eine überwältigende Mehrheit der Desktop-Rechner eine ziemlich miese Figur, kritisiert die Denkfabrik »The Climate Group«. Vor allem die ungenutzten Leerlaufzeiten kosten einer Firma zwischen 20 und fast 70 Euro pro Jahr und System, rechnete schon die Organisation Energy Star vor. Zum Teil seien daran die Hersteller Schuld, zum Teil die Unternehmen, die keine ordentlichen internen Vorgaben machen und zum Teil die Belegschaft, die anhand von Gewohnheiten, Faulheit und eingefahrenen Vorurteilen (aka Urban Myths) unnötig Energie verschwendet. Letzteres wäre leicht zu beheben, wenn sich nicht die Fehleinschätzungen so hartnäckig in der IT-Welt halten würden.
Mythos 1: Das Einschalten und Booten eines Rechners verbraucht so viel Energie, dass sich das Ausschalten in vielen Fällen nicht lohnt. Unsinn, rechnet Forrester vor: Statistisch verbrauche ein Desktop im Durchschnitt 89 Watt. Zwischen Feierabend und Dienstbeginn liegen in der Regel 16 Stunden. Das sind dann mal locker 1,42 kWh. Dagegen ist der Einschaltstrom ein laues Lüftchen.
Mythos 2: Der Screensaver spart Energie. Natürlich reiner Blödsinn. Grafisch aufwändig animierte Pausenbilder fordern sogar die Grafikkarte stärker und verbrennen damit noch mehr Strom.
Mythos 3: Den Rechner oft ein- und ausschalten schadet den Chips und verkürzt seine Lebensdauer. Das mag ja vor vielen Jahren einmal ansatzweise gestimmt haben. Aber die moderne Hardware packt das natürlich locker, 40.000 Schaltvorgänge seien normal, bevor Fehler auftauchen würden, fand das Rocky Mountain Institute in praktischen Tests heraus. Um zum Beispiel die Festplatte zu schädigen, müsse man jahrelang alle fünf Minuten auf den Stromschalter hauen. Die Forscher von Forrester gehen sogar davon aus, dass ein Abschalten der Rechner ihre Lebensdauer verlängern könne, da der Lüfter weniger Staub ins System sauge.
Mythos 4: Im Firmennetz sollen die Rechner durchlaufen, damit Updates und Patches möglich sind. Dank der heutigen Management-Software lässt sich der Schreibtisch-PC vom Support aus der Ferne starten oder spätestens mit dem nächsten Boot versorgen (Wake on LAN, Intel vPro).
Mythos 5: PC-Nutzer haben keine Geduld. Sie akzeptieren im LAN keine Downtime und keine Verzögerungen durch Power-Management, haben die Marktbeobachter von Forrester festgestellt. Hier wäre es am Unternehmen, die Belegschaft in die Pflicht zu nehmen und über die Energiekosten aufzuklären. Je besser Supportabteilung und LAN-Management, desto weniger spüren die Mitarbeiter. (rm)

Forrester Research

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