Der geheime Leitfaden: Wie Yahoo! Mitarbeiter! feuert!

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Mindestens 1500 gehen über die Planke, es könnten auch 2000 werden. Die Entlassungszeremonien haben bereits begonnen.

CEO Jerry Yang hält es gerne noch eine Weile aus, weil es doch gar nicht so einfach ist, einen Ersatzmann für ihn zu finden. Von Massenentlassungen darf natürlich auch nicht die Rede sein, die Sprachregelung läuft vielmehr darauf hinaus, Yahoo müsse sich “fit machen”. Es muss hochbezahlte Berater geben, die sich solche beschönigenden Umschreibungen ausdenken.

Obwohl Yang Entlassungen bereits im Oktober ankündigte, weiß keiner, ob es ihn oder seinen Nachbarn trifft. Selbst ganze Projekte sind in Gefahr, eliminiert zu werden. Alles läuft nach einem genauen Fahrplan ab, wie in großen US-Firmen durchaus üblich. Selbst die genauen Gesprächsszenarios sind vorgegeben, wie aus Dokumenten hervorgeht, die Valleywag zugespielt wurden – der Klatschpostille des Silicon Valley, deren Belegschaft selbst eben erst auf fast Null heruntergefahren wurde. Sie sind mit einem seitlichen Aufdruck versehen: “Yahoo! Confidential / Do Not Forward”. Sie geben insbesondere vor, was die feuernden Vorgesetzten keinesfalls dürfen:

– sich in Small Talk über persönliche Angelegenheiten ziehen lassen
– auf die Frage “Warum ich?” eingehen
– sich die Gefühle des Angestellten zu eigen machen
– über andere Mitarbeiter sprechen oder Vergleiche ziehen
– erklären, dass sie mit der Entscheidung nicht übereinstimmen

Die Rausschmeißer bekommen sogar die Sätze in den Mund gelegt, mit denen sie die schlechte Nachricht zu übermitteln haben. Läuft es über den Schreibtisch hinweg, beginnt es so: “Vielen Dank, Aaron, dass Sie gekommen sind. Ich habe eine Information hinsichtlich unserer Organisation, die ich Ihnen persönlich mitteilen möchte.” Ein wenig anders darf es sich am Telefon anhören: “Hallo, Aaron. Ich muss mit Ihnen über etwas sehr Wichtiges reden, sind Sie gerade verfügbar? Ich habe eine Information über die Organisation, die ich Ihnen übermitteln möchte.”

Nach diesem Vorgeplänkel geht es zur Sache mit:

“Wie Sie wissen, hatte Yahoo! ein schwieriges Jahr und konzentriert sich darauf, die Kosten zu verringern. Wir haben einige harte Entscheidungen treffen müssen, was das Streichen von Stellen angeht. Ihre Stelle ist eine von denen, die gestrichen werden.”

(Wenn erforderlich) “Das war eine sehr schwierige geschäftliche Entscheidung, die von unseren Vorgesetzten getragen wird.”

(Wenn erforderlich) “Diese Entscheidung ist endgültig.”

“Ich schätze sehr, was Sie für Yahoo! geleistet haben. Wichtig ist jetzt, dass wir uns auf das konzentrieren, was für Sie als Nächstes kommt.”

Der Gefeuerte wird dem Szenario zufolge noch kurz einem Karriereberater vorgestellt, dann kommt die klare Ansage:

“Wenn Sie hier fertig sind, dann gehen Sie bitte zu Ihrem Schreibtisch und packen Sie Ihre persönlichen Sachen zusammen. Lassen Sie mich bitte wissen, wenn Sie irgendwelche Hilfe brauchen, da ich die von der Firma überlassenen Gegenstände innerhalb der nächsten beiden Stunden einziehen muss.”

Bei all dem sollen aber auch noch “Respekt gezeigt und die Würde des betroffenen Mitarbeiters beachtet” werden. Weitere detaillierte Vorgaben zum Yahoo! Feuern! finden sich hier.

(nik)

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