Nvidia, Apple und wieder Ärger mit Macbook Pro

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Charlie Demerjian, investigativer Spürhund des britischen Inquirer, hat es schon wieder getan. Er führte den augenscheinlichen Beweis, dass auch die aktuellen Modelle von Apples Macbook Pro durch Nvidias schlechte Materialverbindungen gefährdet sind. Unter dem Elektronenmikroskop.

Es geht um die problembehaftete Materialverbindung des solder bumping, das mit winzigen Lötpunkten den Chip mit der Platine verbindet. Sie hatte schon das vorhergehende Macbook Pro – ebenso wie Notebooks weiterer Hersteller – mit massenhaften Grafikausfällen belastet. Erst zwei Monate nach unserem ersten Bericht war auch Apple seinerzeit bereit, diese Probleme zu bestätigen und die Kunden mit längeren Garantieleistungen zu besänftigen.

Zahlreiche Berichte aus Apple-Foren über den “Schwarzen Bildschirm des Todes” beim derzeitigen Macbook Pro mit 15-Zoll-Display lassen nun vermuten, dass das Problem noch immer nicht aus der Welt ist. Apple sagt wie immer nichts, Nvidia mauert.

Noch kurz vor Veröffentlichung dieses Beitrags versicherte Mike Hara, Nvidias Vizepräsident für Investor Relations und daher eigentlich zu größerer Ehrlichkeit verpflichtet als die gewöhnlichen PR-Flaks: “Die GPU Geforce 9600 im Macbook Pro hat keine schlechten Bumps. Die eingesetzte Materialverbindung (Kombination von Underfill und Bump) ist ähnlich dem Material, das die weltgrößte Halbleiterfirma in Hunderten von Millionen Chipsets ausgeliefert hat.”

Unser Autor hatte bereits am 15. Oktober bei Nvidia angefragt: “Die offensichtliche Frage des Tages ist die, welche Materialverbindungen werden eingesetzt für die 9300 / 9400 und die eigenständige 9600-GPU, die in den Macbooks verbaut wird?” Hara hatte noch am gleichen Tag per E-Mail versichert:

“Charlie,

die 9300 / 9400 sowie die eigenständige 9600 setzen alle die neue Materialverbindung ein.”

Kaufte ihm Charlie natürlich nicht einfach ab. Doch wie das Gegenteil beweisen? Ganz einfach: Ein Macbook Pro frisch aus dem Regal kaufen, er zerlegen, die Chips ablöten, in zwei Hälften sägen und durch ein aufwendiges Mikroanalyse-System schicken wie dieses. Gesagt, getan. Mit dem Ergebnis, dass uns Nvidia offensichtlich nicht die Wahrheit gesagt hat. Sollten wir jetzt so tun, als wären wir überrascht?


Ein Bild aus dem Elektronenmikroskop mit Analyse (Bump / Nvidia 9600M GT aus Macbook Pro)

Klares Ergebnis: Es handelt sich nach wie vor um Bumps mit der anfälligen älteren Materialverbindung, die ihres hohen Bleianteils (95 Prozent) wegen als high-lead bumps bezeichnet werden. Die neue Zusammensetzung hingegen wird als eutektisch bezeichnet und enthält einen größeren Anteil Zinn (knapp zwei Drittel) und nur ein Drittel Blei. Weitere technische Details und Abbildungen sind bei Inquirer UK zu finden.

Wohlgemerkt, für die Analyse wurde ein gekauftes Macbook Pro (15 Zoll) aus dem Ladenregal verwendet. Es war kein Pressemuster, kein Vorserienmodell. Charlies Fazit: Diese potenziell problematischen Notebooks besser nicht kaufen, solange nicht gesichert ist, dass die alte Materialverbindung wirklich ausgemustert wurde.

(von Charlie Demerjian/nik)

Inquirer UK