Folgen PC-Hersteller den Autofirmen in den Abgrund?

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Gut möglich, dass es Ende nächsten Jahres keine US-Autoindustrie mehr gibt. Weil sie blind war gegenüber den Wünschen ihrer Käufer. Der PC-Branche könnte es ähnlich ergehen, warnt Analyst Rob Enderle.

Rob Enderle berät führende IT-Firmen, hat sich aber den Mut zur eigenen Meinung bewahrt und sagt sie auch laut. In einem Analystenkommentar stellt er die Frage:

Warum gibt es eigentlich kein Produkt in der Art von Macbook Air für 800 Dollar?

Die Autohersteller steuerten ihrem Untergang hingegen, indem sie den Trend zu weniger spritfressenden Fahrzeugen ignorierten und erst aufwachten, als die Finanzkrise ihre Situation verschärfte. Der PC-Markt heute verlangt nach einem Produkt ähnlich dem Macbook Air zu einem erschwinglichen Preis unterhalb 800 $. Der PC-Anbieter, der mit einem solchen Produkt auf den Markt käme, könnte die Nachfrage wahrscheinlich kaum bedienen. Warum gibt es nicht ein einziges davon auf dem Markt, obwohl es machbar wäre?

Weil es drei marktdominierende Firmen nicht wollen, lautet Enderles Antwort. Intel. Microsoft. Apple.

Intels 10-Zoll-Regel. Intel möchte die eigenen höherpreisigen Prozessoren nicht kannibalisieren und hat deshalb abschreckende finanzielle Barrikaden aufgebaut, um die OEM-Hersteller vom Einsatz des preisgünstigeren Atom Dual-Core in Geräten einzusetzen, deren Bildschirmdiagonale größer als 10 Zoll ist. Intel setzt diese Regel über Marketing-Dollars durch, auf die alle PC-Hersteller aufgrund ihrer knappen Margen angewiesen sind.

Microsofts 12-Zoll-Regel. Microsoft wollte das ressourcenfressende Vista – obwohl für Netbooks und energieeffiziente Notebooks völlig ungeeignet – auf breiter Front durchsetzen und verfügte deshalb harte Einschränkungen für weitere XP-Installationen durch die Hersteller, darunter die Begrenzung der Diagonale auf bis zu 10 Zoll, die erst kürzlich auf 12 Zoll angehoben wurde. Wenn Windows 7 mit den versprochenen Eigenschaften kommt, könnte es die Situation entspannen. Wenn.

Apple will schon gar nicht. Die satten Gewinnspannen gehen vor. Apple könnte wohl ein neues Produkt unter 1000 $ bringen, da nicht von Microsoft abhängig und auch nicht direkt von Intels Marketing-Zuschüssen abhängig. Tatsächlich soll Apple aufgrund eines Deals von vornherein günstigere Prozessoren bekommen, statt auf einen indirekten Nachlass durch die Marketing-Dollars angewiesen zu sein. Nur will Apple eben die Preise hochhalten und schon gar nicht auf den besonders hohen Aufpreis des Macbook Air verzichten.

Enderle nennt dieses Dilemma das Hybrid-Problem des Tech-Marktes, das sich gar nicht so sehr von den Entscheidungen zu Hybrid, Preis und Wirtschaftlichkeit der Autoindustrie unterscheide. Der Markt wolle jetzt großartige Produkte zu einem Preis unter 800 $, und er bekomme sie nicht. Die Herausforderung bestehe darin, die Hindernisse Intel und Microsoft aus dem Weg zu räumen, um die Hersteller das bauen zu lassen, wonach der Markt verlangt. Wie Enderle von OEM-Herstellern gehört haben will, könnten VIA und AMD die Nutznießer einer solchen Entwicklung sein.

(nik)

TG Daily

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