Melinda Gates: Mein Leben mit Bill

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Wie eine Homestory aus der Bunten lesen sich die beiden Geschichten, die die Londoner Times nach einer Begegnung mit Ms. Gates veröffentlichen durfte. Über eine gut geplante Familie mit schriftlichen Berichten an den frühpensionierten Hausherrn. Und einen höchst sensiblen Bill Gates, dem das Leid der Welt Tränen in die Augen treibt.

Das ist gekonnt gemacht, als hätten hochbezahlte PR-Koryphäen mitgewirkt. Melinda Gates ist so schlicht und gutherzig, dass sie sich bei Cocktail-Partys weniger wohl fühlt als in den Slums der Welt: “Aber ich liebe es, in den Slums zu sein. Das ist ein Teil dessen, was ich bin.” Nicht weniger von seiner Mitmenschlichkeit bewegt ist Bill Gates, der bislang offenbar ganz zu Unrecht als eiskalter und berechnender Geschäftsmann gesehen wurde, der es liebte, Konkurrenten zu vernichten. Ganz falsch, wie Parminder Bahra berichtet, Times-Korrespondent für Armut und Entwicklung. Tatsächlich weine Melindas Mann oft über die Leidensgeschichten, denen er durch seine philanthropische Arbeit in der Bill & Melinda Gates Foundation ausgesetzt ist.

Kleine menschliche Schwächen gibt Melinda auch gerne zum Besten: “Bill ist eine Nachteule. Er kann nachts am besten denken. Er liest sich tief in die Themen der Stiftung ein und lässt sich von einem Buch fesseln, das geht dann, bis es durch ist, selbst wenn es 2 Uhr morgens wird.”

Bills Erfahrungen als Microsoft-CEO helfen zugleich, die Familie bestens zu organisieren: “Sie und Bill halten sechsmonatliche Strategiesitzungen ab, um über die Ziele zu entscheiden, Familienreisen zu planen und eine Liste der Dinge zu erstellen, die ihre Kinder lernen sollen. Sie erstellt sogar einen schriftlichen Bericht.” Hat sie im Übrigen bei Microsoft gelernt, da leitete die ehrgeizige Melinda (damals noch nicht Gates) nämlich bereits eine Abteilung, die für Geschäfte über mehr als 200 Millionen $ zuständig war.

Für präzise Familienplanung spricht auch das Alter der Kinder: Jennifer, 12, Rory, 9, Phoebe, 6. Die dürfen, so erfuhr Janice Turner von der Lifestyle- und Frauenseite der Times, öffentliche Parks in Seattle benutzen und in lokalen Burger-Bratstuben essen. Dennoch versuchten die Gates’ den staunenden Blicken der Öffentlichkeit zu entgehen: “Wir haben zuhause den Raum dafür. Wir könnten dort das ganze Wochenende verbringen, wenn wir wollten, und nicht hinausgehen und uns stören lassen. Wenn wir an einem regnerischen Sonnabend in Seattle schwimmen wollen, sind wir glücklich genug, einen Pool im Haus zu haben.” Da kann es die Times nicht lassen, doch ein wenig neidisch anzumerken: Ein Pool mit Unterwasser-Soundsystem. Und fügt sogar noch ein wenig schnippisch hinzu, das 113-Millionen-$-Heim von Melinda und Bill Gates sehe Fotos zufolge aus wie das Firmengelände eines Softwarekonzerns.

Ob sie sich trotz ihrer offensichtlichen Abneigung gegen Glanz und Glitter keinerlei persönliche Extravaganzen gönne, will die Berichterstatterin der Times nun doch gerne wissen. Melinda Gates habe sich daraufhin gewunden und schließlich gesagt: “Wir haben ein sehr nettes Haus.”

(nik)