MySpace-Selbstmord: Lori Drew ist schuldig

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Mangels passender Gesetze kann die 49-jährige nicht dafür bestraft werden, dass sie ein Mädchen aus ihrer Nachbarschaft in den Tod trieb. Aber für ein paar Jahre Knast reicht es vielleicht doch, nachdem eine Jury sie wegen illegaler Computernutzung schuldig sprach.

Lori Drew, Inhaberin einer Werbeagentur und selbst Mutter einer Tochter im Alter von dreizehn Jahren, hatte das Mädchen aus der Nachbarschaft per Internet gemobbt. Zusammen mit einer Mitarbeiterin spielte sie ihr einen gutaussehenden Jungen bei MySpace vor, der sich für sie interessierte, dann aber die imaginäre Beziehung abbrach mit den Worten: “Die Welt wäre besser dran ohne dich.” Noch am gleichen Tag erhängte sich die 13-jährige Megan Meier.

Trotz großer öffentlicher Empörung wollte ein Gericht in Missouri keine Anklage erheben, fehlender Paragraphen wegen. Bundesanwalt Thomas O’Brien suchte weiter nach geeigneten Paragraphen und brachte die Intrigantin wegen Verschwörung und anderen Anklagepunkten vor Gericht. Bei den Anklagen wegen Verbrechen, die bis zu 20 Jahre hinter Gittern hätten bringen können, vermochte sich die Jury allerdings nicht zu einigen, daher kam es nur zu einem Schuldspruch wegen Vergehen wie illegaler Computernutzung. Damit drohen Lori Drew bis zu drei Jahre Haft, sie könnte jedoch auch mit einer Bewährungsstrafe davonkommen. Das Strafmaß wird im Dezember verkündet.

Die frühere Bundesanwältin und Rechtswissenschaftlerin Rebecca Lonergan nennt das Urteil ein “Kompromissurteil”: “Sie wollten die Angeklagte nicht einfach so laufen lassen, weil es bestenfalls widerlich war, was sie getan hat.”

Social Networking Sites wie MySpace und Facebook hätten vermutlich ein härteres Urteil wegen einer schweren Straftat begrüßt, das die Schuld klar einem einzelnen Übeltäter zuweist. Sie befürchten jetzt für sich weitergehende Verpflichtungen, von ihnen selbst postulierte Vorgaben durchzusetzen, um ähnliche Vorfälle zu vermeiden.

(nik)

Los Angeles Times