Lycos: Ein Internet-Pionier verschwindet

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Wieder ein Verlierer im Kampf der Suchmaschinen und Web-Portale. Nun macht Lycos Europe dicht, denn im Wettbewerb der Internet-Marken ist nur Platz für wenige.

Milliardärssohn Christoph Mohn hatte einen schweren Gang zu gehen, hatten doch Vorstand und Aufsichtsrat der Lycos Europe N.V. mit Sitz im niederländischem Haarlem, beschlossen, »das Domaingeschäft, das Shoppinggeschäft sowie das dänische Portal zu veräußern – sofern ein angemessener Preis erzielbar sei«.

Das ist das Kerngeschäft des zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Unternehmens, in dem etwa zwei Drittel des gesamten Umsatzes erwirtschaftet werden. Das unprofitable Webhosting- und Portalgeschäft soll geordnet abgewickelt werden, hieß es. Das steht für sang- und klanglos liquidiert. Damit ist die ehemals bekannte Marke mit dem schwarzen Labrador-Hund als Symbol für die Suche im Internet tot.

»Schwerer Gang« Christoph Mohn, Chief Executive Officer von Lycos Europe

Hauptversammlung im Dezember
Die entsprechenden Beschlüsse müssen noch voraussichtlich am 12. Dezember in einer außerordentlichen Hauptversammlung in Amsterdam genehmigt werden. Obwohl Lycos Europe – gemessen an der Reichweite – zwischenzeitlich größtes europäisches Internet-Portal war, sei es nicht gelungen, aus den Geschäftsmodellen den entsprechenden Umsatz zu generieren, sagte Christoph Mohn.

Marke aus der Boomzeit verschwindet
Mit dem Desaster habe der Sohn des legendären Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn seinen unternehmerischen Kredit verspielt, schreibt das Handelsblatt. Seit dem Börsengang im Frühjahr 2000 hat er über 600 Millionen Euro verbrannt, in elf Jahren kein tragfähiges Geschäftsmodell für seine Firma gefunden. Das werde Folgen für den Generationswechsel bei Bertelsmann haben.

Auf dem Internet-Markt half auch die Spürnase des Labradors nichts mehr. Jetzt hat er endgültig die Witterung verloren. (Bild:  Lycos Europe)

Mit Lycos Europe verschwindet wieder eine Marke aus der Boomzeit der Internetblase. Damals waren Altavista und Lycos die Suchmaschinen im Web. Das zum südkoreanischen Daum Communications Konzern gehörende Portal Lycos in den USA existiert noch, hat aber keine nennenswerten Marktanteile.

Heute beherrscht Google das Feld dank eines ausgefeilten Geschäftsmodells fast wie ein Monopolist gegen den es sogar Microsoft mit Windows Live und MSN schwer hat. Branchenexperten vermuten, dass Lycos nicht der letzte Internet-Pionier sein dürfte, dem die Luft ausgeht und munkeln, dass Yahoo der nächste Kandidat sein könnte.
(Rudi Kulzer/mt)

Weblinks
Lycos Deutschland
Lycos USA