Nokia-Siemens: Tod eines Inders

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Global tätige Firmen versuchen ihre weltweiten Mitarbeiter mit allen Mitteln auf westliche Kultur zu trimmen. Ein 22-jähriger indischer Techniker bezahlte es mit seinem Leben.

Nicht nur die Callcenter in Bengaluru, sondern auch die indischen Niederlassungen von Technologiefirmen sind aufs Äußerste bemüht, die einheimischen Mitarbeiter ihrer angestammten Kultur zu entwöhnen und ihnen die Werte westlicher Länder zu vermitteln. Für den Umgang mit Kunden am anderen Ende der Welt müssen sie mit amerikanischem Akzent sprechen, sich englischsprachige TV-Soaps reinziehen, die Namen von Football- und Baseball-Teams in den USA kennen und mit Slang umgehen können.

Eine ganz besondere Lektion in westlicher Kultur bekamen die Mitarbeiter von Siemens-Nokia in der firmeneigenen Bürokantine in einem Vorort von Neu-Delhi verpasst. Die Manager ließen sie zu einem Gebäck-Fresswettbewerb antreten, um sie mit amerikanischer Kultur und Wettbewerbsgeist vertraut zu machen. Mit hinter dem Rücken verschränkten Händen hatten sie sich über einen Tisch zu beugen und möglichst schnell möglichst viel Backwerk zu mampfen bis zum Geht-nicht-mehr.

Beim 22-jährigen Saurab Sabharwal ging es schließlich nicht mehr. Er würgte schwer und rannte in die Toilette. Niemand kümmerte sich weiter um ihm, keiner folgte ihm. Später fand ihn ein Kollege bewusstlos auf dem Boden der Toilette. Er starb auf dem Weg ins Krankenhaus, am zu schnell verschlungenen Backwerk erstickt, das seine Luftröhre verschloss.

Sein Vater wirft den Firmenvertretern tödliche Fahrlässigkeit vor: “Warum mussten sie einen solchen Wettbewerb organisieren?” Die Polizei wartet das Ergebnis der Obduktion ab, bevor weiter ermittelt wird. Die bei dem tödlichen Vorfall anwesenden Nokia-Siemens-Manager verweigerten jeden Kommentar.

(nik)

Valleywag

Hindustan Times