Fakes, Fakes, Fakes – und wie sie entstehen

Allgemein

Wie entstand die Abbildung, die seit Anfang 2007 zahllose Gerüchtemeldungen über das kommende Google Phone begleitete? Wie kam der McCain-Berater Martin Eisenstadt in die Nachrichten, obwohl es ihn gar nicht gibt? Warum verkündete die New York Times bereits das Ende des Irak-Kriegs? Und wie kommt Winfuture darauf, die US-Musikindustrie fordere nach der Finanzkrise ein 25 Milliarden $ schweres Rettungspaket?

Das mit dem Gphone klärten jetzt drei dänische Schüler auf. Sie hatten es sich für ein Schulprojekt ausgedacht, bestens gelaunt nach ein paar Drinks in der sommerlichen Sonne. Sie überlegten sich (ja, im Jahr 2006), wie ein wirklich revolutionäres Smartphone aussehen müsse. Einen Touchscreen müsse es haben, aber ohne diese umständliche Stiftbedienung, ganz einfach mit den Fingern zu bedienen. Mit einer 3D-Software bastelten sie ein Mockup, das sie Switch nannten. Aber welche Firma könnte so etwas entwickeln – Apple? Google? Microsoft?

Das war 6 Monate, bevor Steve Jobs bei seiner Keynote im Januar 2007 das Iphone aus der Tasche zog. Zugleich kamen Gerüchte auf, auch Google plane ein ähnliches Smartphone, was sich erst viel später in dem von Google geförderten Android-OS bestätigen sollte. Die Schüler nutzten die Gunst der Stunde, um ihre Fake-Abbildung als “Google Switch” in Umlauf zu bringen, und noch heute ist das Web voll von Veröffentlichungen mit und über diesen Fake. Alle großen Gadget-Blogs waren dabei. Auch der Inquirer berichtete damals über das umlaufende Gerücht – aber eben (erleichtertes Ausatmen!) mit aller angeratenen Skepsis. Die drei Schüler sind inzwischen mächtig stolz auf ihren cleveren Fake und enthüllen selbst ausführlichst (PDF), wie es dazu kam.

Von ganz anderem Kaliber ist Martin Eisenstadt. Er gab sich als Vordenker eines neokonservativen Think-Tanks in den USA aus und verteilte bereitwillig Kommentare in seiner Eigenschaft als Berater des Präsidentschaftskandidaten John McCain, schaffte es so bis in eine Nachrichtensendung des Senders MSNBC. Die New York Times fand inzwischen allerdings heraus, dass zwei Filmemacher Eisenstadt getürkt hatten, um eine TV-Serie mit ihm als Hauptfigur zu entwickeln. Dargestellt wurde er durch den Schauspieler Eitan Gorlin, der dafür sogar ein eigenes Blog veröffentlichte und in YouTube-Videos als Eisenstadt auftrat. Gorlin alias Eisenstadt konterte auf die Enthüllung durch die New York Times mit der schlichten Gegenfrage: Wie können wir sicher sein, dass das die echte New York Times ist?

Gar keine dumme Frage, denn inzwischen haben hintersinnige Aktionskünstler, die sich “The Yes Men” nennen, tatsächlich eine komplett gefälschte New York Times durch Tausende Freiwillige in New York verteilen lassen. Die 16-seitige Sonderausgabe verkündete nach der Wahl Obamas nicht nur das Ende des Irak-Kriegs, sondern berichtete auch, gegen den Alt-Präsidenten George W. Bush sei Anklage wegen Hochverrats erhoben worden. Selbst die echte (?) New York Times sah sich genötigt, am nächsten Tag über die gefälschte (?) Ausgabe zu berichten.

Manchmal entstehen Fakes allerdings ganz unfreiwillig durch eine gewisse Begriffsstutzigkeit. Es soll sogar Leute geben, die einer Satire auf den Leim gehen und sie ganz ernsthaft als Nachricht weiterverbreiten. Ein schönes Beispiel entfaltete sich bei einem “Windows Online Magazin”: Wie eine Satire zur Nachricht wird.

Und das Beste zum Schluss – die haben es bis heute nicht gemerkt!

(nik)