Yahoo-Chef Jerry Yang gibt auf

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Sobald ein Nachfolger gefunden ist, will Yang seinen Posten räumen. Experten spekulieren, dass nun die Chancen für eine Übernahme durch Microsoft wieder steigen.

Er zählt zu den legendären Internet-Pionieren, dessen Internetsuchmaschine für Millionen User das Portal ins Internet war. Doch der Aufstieg von Google markierte auch den langsamen Abstieg des Unternehmens, das Yang im April 1995 gemeinsam mit David Filo gegründet hatte. Jetzt hat ihn das Glück endgültig verlassen.

Jerry Yang will seinen Posten verlassen, sobald das Board of Directors einen Nachfolger gefunden hat. Dies gab der 40-jährige Mitgründer des Suchportals Yahoo in einem Memorandum den Mitarbeitern des in Sunnyvale ansässigen Silicon Valley Unternehmens bekannt.

Nach Jerry Yangs Abgang ist David Filo (links) das einzige verbliebene Gründungsmitglied im Yahoo-Management. (Bild: Yahoo)

Mit diesem Schritt zieht Yang die Konsequenzen aus einem missglückten Profilierungsversuch für die Nummer zwei bei den Suchdiensten. Erst vor eineinhalb Jahren war Yang auf dem Posten des Chief Executive Officers zurückgekehrt, nachdem es dem ehemaligen Hollywood Studio Boss Terry Semel nicht gelungen war, Yahoo gegen Google als den Marktführer der Branche zu etablieren.

Sinkende Umsätze
Ins Rampenlicht der Weltpresse geriet der ehemalige Stanford-Student, als er im Frühjahr dieses Jahres ein Übernahmeangebot von Microsoft-Chef Steve Ballmer zurückwies. Es ist bis heute nicht klar, ob Yang nur um mehr Geld pokern wollte oder ob er glaubte, das einst glänzende Startup-Unternehmen ohne Microsoft zu neuen ruhmreichen Ufern führen zu können.

Die Yahoo-Zentrale im kalifornischen Sunnyvale. (Bild Yahoo)

Beides ist gründlich misslungen. Seit drei Quartalen muss Yahoo sinkende Umsätze hinnehmen und im Oktober Pläne bekanntgeben, zehn Prozent der etwa 1500 Mitarbeiter starken Belegschaft entlassen zu müssen. Auch die Chance der Investoren und Mitarbeiter, durch einen Verkauf an Microsoft in nun kritischer Zeit gutes Geld zu verdienen, ist vertan. Am Montag dieser Woche lag der Kurs der Yahoo-Aktie bei 10,63 Dollar. Ballmer hatte im Frühjahr 33 Dollar pro Aktie geboten.

Microsoft in Lauerstellung
Nach Ansicht von Analysten wird der Nachfolger für Yang von außen kommen. Dabei ist vom ehemaligen AOL-Chef Jon Miller die Rede. Die Nummer zwei bei Yahoo, President Susan Decker, scheint keine Chancen zu haben. Microsoft kann jedenfalls in Ruhe die weitere Entwicklung in Sunnyvale abwarten.

Dass trotz aller derzeitigen offiziellen Ablehnung Ballmer aus MSN und Yahoo einen aussichtsreichen Google-Herausforderer schmieden will und muss, liegt auf der Hand. Nur wird es nun keine 44 Milliarden Dollar kosten wie ursprünglich im Frühjahr veranschlagt, sondern wesentlich günstiger.
(Rudi Kulzer/mt)

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