Windows 7 – Ein erster Test
Angetestet: Wie schlägt sich Windows 7 in der Praxis

BetriebssystemSoftwareWorkspace

Windows 7 ist Vistas Nachfolger und enthält einige nützliche Verbesserungen. Wir haben einen ersten Blick auf das neue Betriebssystem geworfen und es den ersten Leistungstests unterzogen.

Vista Reloaded oder MinWin?

Bei keinem anderen Betriebssystem wurde im Vorfeld soviel spekuliert wie bei Windows 7. Frühen Gerüchten zufolge sollte »7« von Grund auf neu geschrieben werden. Insider sprachen sogar von MinWin, um zu verdeutlichen wie frisch und schlank das neue Betriebssystem werden sollte. Im derzeitigen Stadium (Pre-Beta Build 6801 M3) ist von dem neuen schlanken Windows noch nichts zu sehen. Stattdessen setzt 7 auf Vista auf und bessert lediglich einige Fehler aus. Das Ganze hat natürlich auch seine Vorteile: Im Test unterstützt das neue OS fast die gleiche Software wie Vista. Selbst die Treiber lassen sich ohne weiteres installieren.

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Gearbeitet wurde aber nicht nur unter der Haube: Auch optisch hat sich einiges getan. Das offensichtlichste zuerst: Die in Vista eingeführte Sidebar für Widgets, also kleine Mini-Programme, ist weg. Stattdessen können und müssen die Miniatur-Anwendungen frei auf dem Desktop platziert werden. Neu ist das nicht, da die Widgets schon unter Vista frei auf dem Desktop abgelegt werden konnten. Interessant ist allerdings, dass der Sidebar-Task nachwievor im Taskmanager aufgelistet wird – wahrscheinlich noch ein Überbleibsel von Vista.

Ebenfalls überarbeitet wurde die Startleiste, die sich jetzt »Superbar« nennt. Diese ist nun komplett durchsichtig. Programme lassen sich in der Superbar festpinnen. Eine laufende Anwendung kann in der Leiste gespeichert werden und steht so sofort zum Abruf bereit. Auch haben sämtliche ausgeführten Applikationen ein Kontextmenü. Mit einem Klick auf den kleinen Pfeil neben dem Icon lässt sich dieses Aktivieren und bietet Zugriff auf häufig benötigte Programmbestandteile, wie Speichern, Öffnen, zuletzt genutzte Dateien und so weiter. Wenn die Maus über das Icon selbst gleitet, sieht der Anwender eine Vorschau der Anwendung. Werden beispielsweise der Internet Explorer, Word oder Excel ausgeführt, so sind auch alle geöffneten Tabs und einzelnen Explorer-Fenster zu sehen. Das Ganze funktioniert derzeit allerdings nur mit Microsoft-Software. Der Firefox verweigert in unserem Test die neuen Funktionen.

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Auch am Tray hat Microsoft gearbeitet. Der Bereich neben der Uhr wirkt viel aufgeräumter. Eingeblendet werden automatisch nur noch die wirklich wichtigen Tray-Icons. In einem Übersichtsprogramm können Anwender auch manuell auswählen welche Programme ein- und ausgeblendet sowie welche Meldungen angezeigt werden. Ein nettes, aber wenig sinnvolles Feature ist Gestensteuerung für Fenster: Wird ein Fenster mit Schwung an den Bildrand gezogen, wird es automatisch auf die halbe Bildschirmgröße begrenzt. Wird das Fenster nach oben gezogen, wird es maximiert. Das ist praktisch, wenn man mehrere Dokumente nebeneinander anordnen möchte.


MediaPlayer 12, Internet-Explorer 8 und Daten-Bibliothek

Microsoft liefert 7 mit der typischen Windows-Software-Palette in der neuesten Version aus: Darin enthalten sind der Internet Explorer 8, Windows Mediaplayer 12 sowie DirectX11. In unserer frühen Test-Version ist allerdings noch nichts von DirectX 11 zu sehen. Zum Einsatz kommt weiterhin DirectX 10. Der Mediaplayer hingegen besticht durch wenige, dafür aber nützliche, Änderungen. Microsoft gibt sich minimalistisch: Während die »Aktuelle Wiedergabe« früher in der normalen Ansicht eingereiht war, gibt es nun dafür eine gesonderte platzsparende Version, »Now Playing«-Modus genannt, indem weitgehend auf Bedienelemente verzichtet wurde. Erst wenn die Maus über dem Fenster platziert wird erscheinen Steuerungs-Buttons wie Wiedergabe, Zurück, Playlist und Co. Wer mehr Informationen braucht kann in die gewöhnliche Ansicht wechseln. Auch diese wurde aufgepeppt. Wird der Mauszeiger über einem Lied in der Mediendatenbank positioniert, spielt der Player automatisch die ersten 15 Sekunden ab. Damit lässt sich schnell erkennen, ob es bei dem ausgewählten Lied um das gesuchte Stück handelt.

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Beim Thema Suche h
at sich in 7 allgemein viel getan: Um die Übersicht im Datendschungel zu vereinfachen, hat Microsoft eine Bibliothek eingeführt. Die ist allgegenwärtig und sowohl im Explorer, Netzwerk als auch Mediaplayer und Mediacenter zu sehen. Das Betriebssystem ordnet dabei automatisch alle Dateien des gleichen Typs in eine Kategorie. Bei der Sortierung handelt es sich lediglich um einen Filter. Das Betriebssystem ordnet die Dateien nicht neu, sondern fasst sie gesondert in einem Archiv zusammen. So erhalten Nutzer schnell einen Überblick über alle Kontakte, Bilder, Videos, Musik und ihre Downloads. Auch die Daten aller anderen Homegroup-Nutzer sind in der Bibliothek aufgeführt. Die Homegroup ist eine Netzwerktechnologie, die die Kommunikation mit anderen Windows-7-Rechnern vereinfachen soll: Mit der neuen Funktion können mehrere Rechner in einem Heimnetzwerk schnell und einfach miteinander verbunden werden. Falls es sich um ein Funknetzwerk handelt, reicht es aus, in Reichweite des WLANs zu kommen, um sich einzuwählen. Ist der Rechner ersteinmal Teil der Homegroup, kann er die gemeinsamen Ressourcen nutzen. Dazu gehören zum Beispiel die Medienbibliothek, Drucker und USB-Geräte. Alle angeschlossenen Geräte werden über Microsofts »Device Stage« kontrolliert. Die Peripherieverwaltung erspart den Anwendern das Setup von Steuerungsprogrammen für Geräte wie zum Beispiel MP3-Player, Handys und Spezial-Tastaturen. Angeschlossene Gerätschaften werden automatisch erkannt und von einer bereits vorinstallierten Microsoft-Software betreut.


Leistungsoptimierung in der Praxis

Microsoft verspricht, dass Windows 7 deutlicher schneller ist als Vista. Überarbeitet wurde das Speichermanagement und Dienste werden nur noch geladen, wenn sie wirklich gebraucht werden. Vista hat sämtliche Dienste bereits auf Vorrat gestartet. Das hat zu längeren Startzeiten geführt und mehr Speicher in Anspruch genommen. Zusätzlich hat Microsoft ein wenig getrickst: Der Desktop wird jetzt beim Booten schneller angezeigt, was zu einem subjektiv kürzeren Systemstart führt. Auch Treiber werden parallel geladen. Dadurch verhindert Microsoft, dass ein hängender Treiber beim Booten das ganze System bremst. Wir haben uns einen ersten Eindruck davon verschafft, wie groß der Performance-Unterschied in der Praxis ist und einen Rechner auf dem sowohl 7 als auch Vista installiert ist durch den PC Mark 2005 gejagt. Das Leistungsmessungsprogramm soll den Unterschied zwischen den beiden Betriebssystemen deutlich machen. Durchgeführt wurden die Benchmarks auf einem gewöhnlichen Arbeitsplatzsystem mit einem P4-3GHz-Prozessor, 2 GByte DDR-RAM und 120 GByte Festplatte. Während der Prozessor unter dem neuen Betriebssystem in unserem Test nur knapp 3% schneller ist, werkelt der Speicher etwa 13 Prozent schneller. Der Leistungszuwachs erklärt sich dadurch, dass Hardware-Ressourcen durch den Betriebssystemwechsel frei werden. Vor allem da der Arbeitsspeicher weniger in Anspruch genommen wird, steht jetzt mehr RAM für andere Anwendungen bereit.

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Schnellere Eingaben ermöglicht auch die neue Powershell V.2. Die Eingabeaufforderung, welche den meisten aus früheren Windows-Versionen als schwarze CMD-Box bekannt ist, glänzt durch ein aufpoliertes Äußeres und spielt auch komplexe Funktionen ab. Microsoft bietet mit der neuen Eingabeaufforderung endlich ein vernünftiges Gegenstück zum Linux-Terminal. Wer möchte, kann das ganze Betriebssystem nur per Konsole bedienen.


Fazit

Windows 7 befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium, ein Urteil lässt sich deswegen nur sehr schwer fällen. Vom derzeitigen Standpunkt betrachtet, gibt es nur wenig wirklich innovative Funktionen zu sehen. Bis zur Veröffentlichung des Betriebssystems im Juni nächsten Jahres kann aber noch viel passieren. Windows 7 wirkt stabil und hübsch, aber abgesehen von der Optik nicht großartig anders als Vista. Homegroup, Device Stage, Touchscreen-Funktionalität und Co. sind zwar nette Features, wirklich gut wäre aber ein neues Dateisystem wie Win-FS gewesen. Vielleicht reicht Microsoft dieses ja noch nach.

Windows 7
Hersteller: Microsoft
Internet: www.microsoft.com
Preis: unbekannt

Ersteindruck: gut – befriedigend


Das ist neu:

– PowerShell V2
– Homegroup
– Device Stage
– Superbar

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