Nicknames in Südkorea verboten

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Anfang Oktober beging die südkoreanische Schauspielerin Choi Jin-sil Suizid, weil sie sich verfolgt sah durch anonyme Internet-Postings. Dem will die Regierung nun einen Riegel vorschieben.

Die 40-jährige Schauspielerein sah keinen Ausweg mehr dem Rufmord im Internet zu entgehen und erhängte sich auf. Das koreanische Parlament reagierte sehr schnell und veranlasste nun in den letzten Tagen ein Gesetz, dass anonymes Schreiben mit einem Nickname im Internet verbietet.

Werthers Leiden in Korea:

Die Regierungspartei, die Große National Partei, wollte sogar das Gesetz nach ihrem Namen benennen. Übrig bleibt nun das Gesetz gegen Online-Postings beziehungsweise das Gesetz gegen anonymes Schreiben im Internet. Dazu sollte man wissen, dass in Korea immer wieder Menschen Suizid begehen, im internationalen Vergleich sogar überdurchschnittlich viele – Koreaner schreiben selber von einem »Werther-Effekt« in ihrer Gesellschaft. Die koreanische Internetpolizei kann nun mit dem neuen Gesetz gegen alle Koreaner mit einem Internet-Namen vorgehen, die im koreanischen Cyberspace gegen Mitbürger Rufmord begehen. Erst jetzt?

Kritik:

Kritiker fragen sich, ob denn dieses Cybermobbing/Cyber-Bulling Gesetz notwendig sei. Beleidigung, Stalking, Rufmord sind in vielen Ländern heute schon Tatbestände, die verfolgt und bestraft werden können. Und auch mit der Anonymität im Internet und in Foren ist es in der Praxis deutlich schlechter bestellt. Jede Datenverbindung ist IP-basiert, so dass in einem bestimmten Zeitrahmen auf Einzelpersonen zurückgeschlossen werden kann. Viele Foren setzten darüber hinaus eine Registrierung voraus, damit deren Nutzer im Forum etwas verfassen können. Die Opposition in Korea vermutet hinter diesem Gesetz daher eher die Absicht, Regierungskritiker zu kontrollieren.

Deutschland:

Hierzulande ist Anonymität ein Teil der Demokratischen Sphäre. Das erklärt den öffentlichen Aufschrei, als der Datenschlendrian bei der Deutschen Telekom, Bundesbehörden und Privat-Firmen entdeckt wurde. Was Beleidigungen und andere Straftaten angeht, so kennt der Deutsche Gesetzgeber die sogenannte »Störer-Mithaftung«. Verlage, Verbände – eigentlich jeder Webseiteneigner – ist verpflichtet, potenzielle Beleidigungen und Produktpiraterie zügig zu beseitigen. Und auch hierzulande ist der Zugang zu Foren sehr häufig mit einer Registrierung verbunden – »anonym« unter einem Nickname zu schreiben ist auch in Deutschland nur relativ. (Martin Bobowsky)