Analyse: Was bringt Obama der IT-Branche?

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Was bedeutet BlackBerry-Besitzer Barack Obama im Oval Office für die IT-Industrie?

Schon im Wahlkampf war die Hightech-Affinität des nun gewählten US-Präsidenten klar zutage getreten. Nun stempeln ihn die ersten Marktanalysten bereits als Technologie-Präsidenten ab. Doch hilft es der Branche, wenn ihm E-Mail, SMS, Social Networking, Blogs und YouTube keine Fremdworte sind? Immerhin waren es wohl eher die Mitglieder seines Wahlkampfteams, die seine Internet-Auftritte füllten und seine Accounts bei MySpace, Facebook und Twitter anlegten.

Doch es war das Technologie-Faible von Obama, welches für die Online-Kampagne ebenso wie für modernste Vorhersage- und Analyse-Software sorgte. Auch für seine Regierung stelle er sich vor, Cutting-Edge-Lösungen einsetzen zu wollen, damit das Management leichter und effizienter von der Hand gehe. Schließlich half ihm das, zwei anstrengende und sehr intensive Wahlkampfjahre durchzuhalten.

Ein konkreter Obama-Plan für den IT-Regierungsstil: Jeder reguläre Gesetzentwurf werde vor seiner offiziellen Unterschrift mindestens fünf Tage lang auf der Website des Weißen Hauses online stehen. Zweck: Die Kommentare (und damit ein Meinungsbild) der Bevölkerung zu sammeln. Der nächste Plan: Eine Spezialsuchmaschine, Spitzname “Google for Government”, soll die Amerikaner darüber informieren, wie die Regierung ihre Steuergelder verwendet. Auch Staatsaufträge und -kredite seien darüber abfragbar.

Die Unternehmen aus dem Silicon Valley stehen voll hinter Obama, den sie eigenen Angaben zufolge zu 91 Prozent gewählt hätten. Ausländische Firmen und Offshore-Provider machen sich da schon mehr Gedanken, kündigte der designierte Präsident doch an, nur noch inländische fördern zu wollen, um die Jobs im Lande zu halten. Wer mächtig outsourct, dürfte mit höheren Kosten und Hürden belastet werden. Was die indische Firma Infosys und ihren Vorstandsvorsitzenden Narayana Murthy nicht daran hinderte, sich trotzdem über Obamas Sieg zu freuen: “Er ist ein pragmatischer Führer, der versteht, dass die US-Industrie wettbewerbsfähig sein muss, auch außerhalb Amerikas.”

Und wofür steht Obama politisch ein? Für die Netzwerk-Neutralität zum Beispiel. Er möchte technologische Start-Ups und Innovationen fördern, saubere Technologien vorantreiben (mit 150 Milliarden Dollar in den nächsten zehn Jahren) sowie den Zugang der gesamten Bevölkerung zu den Breitbandnetzen gewährleisten. Ob damit auch der Ausbau von Glasfaser-Netzen gemeint ist, wird sich erst noch zeigen. Übrigens soll es in seinem Regierungsteam erstmals die Position eines Chief Technology Officer (CTO) geben. Er soll sich um Netzwerke, Sicherheit und digitale Patientenakten kümmern. (Ralf Müller)

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