OpenOffice.org 3.0 gegen MS Office 2007

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Fast so gut wie Microsofts Office 2007 und dabei kostenlos: die neue Version 3.0 von OpenOffice.org. Das Büroprogramm der freien Entwicklergemeinde ist inzwischen eine echte Alternative. Doch ist der Umstieg auf OpenOffice auch für Unternehmen wirklich problemlos?

Die Entwickler von OpenOffice wissen offenbar, was viele Profis vom Umstieg auf die kostenlose Office-Suite abgehalten hat: mögliche Kompatibilitätsprobleme mit dem Dateiformat von Microsofts Office-Suite. Darum haben sie sich bemüht, diese weitgehend zu beheben. Die neue Version 3.0 kann nun sogar Dateien von Office 2007 lesen, allerdings nicht selbst erzeugen. Dies, die neuen Features und die optischen Verbesserungen haben jetzt wohl viele Anwender überzeugt. Jedenfalls gab es nach der Freigabe der Version 3.0 einen Riesenansturm auf die Download-Server von OpenOffice.org, der die Server zeitweise zum Erliegen brachte.

Auch wenn der gewünschte Marktanteil hierzulande von 40 Prozent noch lange nicht erreicht sind, fest steht, dass Open Office immer mehr Interesse bei den Nutzern weckt. Allein in der ersten Woche haben über drei Millionen User die Software heruntergeladen.

Kostenlos auch für Unternehmen
Muss man für die tägliche Büroarbeit weiterhin auf Microsofts Office setzen oder reicht auch Open Office? Diese Frage stellen sich nicht nur Privatanwender, sondern jetzt auch immer mehr CIOs und IT-Verantwortliche in den Unternehmen. Denn im Gegensatz zu Microsofts Office-Suite ist OpenOffice kostenlos, und zwar selbst dann, wenn es in einem Unternehmensnetzwerk auf 500 Rechnern betrieben wird.

MS Excel ist besser als Calc
Beide Software-Produkte stellen Anwender ähnliche Funktionalität zur Verfügung. Was auf MS-Seite Word, Excel, PowerPoint heißt, heißt auf der OOo-Seite Writer, Calc und Impress. Microsoft Office 2007 ist optisch betrachtet das schönere Produkt der beiden.

Office 2007: Nach wie vor die Referenz , wenn es um eine leistungsfähige und dabei benutzerfreundliche Büro-Software geht. (Bild: Microsoft)

Writer kann Word mittlerweile mehr als nur »das Wasser reichen«. In Sachen Tabellenkalkulation hat Microsoft jedoch die Nase vorne. Für Firmen, die eine sehr umfangreiche Buchhaltung haben, bietet Excel einfach mehr Optionen als sein OpenOffice Pendant Calc. Ob man nun mit Hilfe von Powerpoint oder Impress seine Bilder präsentiert, ist dagegen reine Geschmackssache.

Für Unternehmen ein wichtiges Argument ist die Exchange-Unterstützung in der E-Mail- und Kalender-Software Entourage. Und in der Special Media Edition ist noch eine Medienverwaltung für Fotos, Videos, Schriften und andere Dateitypen dabei.

Da die OpenOffice-Suite kein E-Mail-Programm mitbringt, empfiehlt sich als Alternative zu Outlook beispielsweise der E-Mail-Client Thunderbird.

Performance und Bedienung
Was die Performance angeht, braucht OpenOffice.org  länger um Dokumente zu öffnen und belegt auch mehr Speicher als Microsofts Büroprogramm. Nichtsdestotrotz nehmen Nutzer die Verzögerung und das kleine Performance-Manko mit den heutigen schnellen Rechnern nicht unbedingt wahr.


Die Startseite von OpenOffice.org erlaubt den direkten Zugriff auf die einzelnen Büroprogramme wie Writer oder Calc.

Bei der Bedienung unterscheiden sich beide Produkte in einem Punkt deutlich. Ein integrierter Ansatz ermöglicht es den Usern von OpenOffice, alle Anwendungen über das Menü zu öffnen (siehe screenshot). Im Gegensatz dazu verfolgt Microsoft das Prinzip der Einzelprogramme, die aus jedem Programm über den Projektkatalog angesteuert werden können.
Ein Pluspunkt für Open Office ist die Unterstützung für eigentlich alle Betriebssysteme, inklusive jetzt neu für Mac OS X.

 
Support aus dem Web

Ein entscheidender Punkt ist das Thema Support. Kostenlose Unterstützung bekommt man bei OpenOffice durch Foren im Internet. Die sind zwar optisch nicht so schön gestaltet wie die entsprechenden Microsoft-Seiten, liefern aber eine Fülle von Informationen zu allen Themen rund ums Büroprogramm. Zudem finden die Anwender in der deutschsprachigen Newsgroup de.comp.office-pakete.staroffice schnelle Hilfe. Hier lesen und schreiben zahlreiche User mit, die selbst seit Jahren bei der Entwicklung von OpenOffice mitgewirkt haben.

Optisch nicht so schön wie bei Microsoft, trotzdem hilfreich: die Supportseiten von OpenOffice.org.

Wer online keine Lösung seiner Probleme findet, kann zum Telefonhörer greifen. Auf den Support-Seiten gibt es nach Postleitzahlen geordnet eine Liste von Firmen die weitere Unterstützung für das Office-Paket anbieten. Diese ist natürlich kostenpflichtig.

Speziell für kleine Unternehmen: der kostenfreie Business-Support von Microsoft.

Auch Microsoft lässt sich beim Support nicht lumpen. Die Homepage bietet Office-Nutzern zahlreiche Anleitungen, Video-Tutorials, Tipps & Tricks sowie Vorlagen zum Download. Zudem gibt es den Service »Small Business +«, der speziell für Unternehmen kostenfreie technische Unterstützung bietet. Kostenpflichtigen Telefonsupport gibt es bei Microsoft natürlich auch.


Ein bis zwei Tage Schulungsaufwand

Wenn bereits das MS-Office-Paket genutzt wird, muss eine Umstellung auf OpenOffice sorgfältig geplant sein. Zwar sind beide Produkte in vielen Teilen kompatibel, aber eben nicht hundertprozentig. Ältere Dokumente müssen manchmal sogar per Hand angepasst werden, etwa bei Makrotabellen.

Wenn alle technische Schwierigkeiten gelöst sind, sollte man an die Schulung der Mitarbeiter denken. Die Angst vor dem Neuem und das Fehlen der täglichen Routine beim neuen System können anfangs die Produktivität mindern. Diese Faktoren treten übrigens abgeschwächt auch dann auf, wenn ein gewohntes Programm ein Update erfährt.

Wenn man vorhat, in nächster Zeit upzudaten, dann könnte es eine Überlegung wert sein auch gleich umzustellen. Ein Einführungsseminar für die Mitarbeiter von ein bis zwei Tagen wird von Experten beispielsweise empfohlen, um das neue Programm noch ohne Leistungsdruck ausprobieren zu können.

Fazit
Wer auf sein Budget achten muss und nicht auf Microsofts Tabellenkalkulation Excel angewiesen ist, der ist bei OO 3.0 gut aufgehoben. Für alle, die ihre Dokumente nicht unbedingt in einem Microsoft-Format bereitstellen müssen, und kleine Umständlichkeiten in Kauf nehmen können, kann sich der Umstieg auf OpenOffice lohnen.
(Carolina Kleinken-Palma/mt)

Weblinks
OpenOffice Homepage
OpenOffice Support
Microsoft Office
Microsoft Office-Support
Microsoft Software-Lizenzen