VDE-Kongress: IT-Experten gesucht

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Der Mangel an qualifiziertem Nachwuchs bereitet der deutschen Elektronikundustrie Sorgen. Dies war deshalb eines der Hauptthemen auf dem VDE-Kongress in München.

Die deutsche Elektro- und Elektronikindustrie gilt als einer der Wachstumsmotoren der deutschen Wirtschaft. Von ihr hängen 50 Prozent der gesamten Industrieproduktion und über 80 Prozent der Exporte ab. Die Umsätze werden in diesem Jahr um vier Prozent auf rund 190 Milliarden Euro steigen. So kam dem VDE-Kongress 2008 in München auch besondere Bedeutung zu. Die dreitägige Veranstaltung stand unter dem Motto »Zukunftstechnologie – Innovationen, Märkte, Nachwuchs«

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (Mitte) mit den Preisträgern von »Invent a Chip 2008«.

Annette Schavan prämiert kreative Ideen
Ein erster Höhepunkt war die Prämierung der Sieger von »Invent a Chip 2008«. Bei dem Nachwuchswettbewerb geht es um kreative Ideen zum Thema Elektronische Mikrochips. Schirmherrin und Bundesforschungsministerin Annette Schavan ist von dem Projekt, bei dem dieses Jahr rund 1700 Schüler der Klassenstufen 9 bis 13 teilgenommen haben, begeistert: »Wir wollen Jugendlichen den Einstieg in die Zukunftstechnologien frühzeitig ermöglichen und ihnen Lust auf die Faszination der Mikro- und Nanotechnologie machen.«

Innovation bei Energie, Automation und Medizin
Die deutsche Elektro- und Elektronikindustrie will sich der aktuell schwieriger werdenden Wirtschaftslage durch Innovationskraft bei Energie-, Automations- und Medizintechnik entgegenstellen. Wie der frisch gewählte VDE-Präsident Joachim Schneider, erklärte, komme es jetzt darauf an, »die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für Investitionen zu schaffen, um neue Wachstumsmärkte zu besetzen.« Die größten Marktpotenziale sieht er in der Energieeffizienz, E-Mobility, Automobilelektronik und Medizintechnik.


Alf Henryk Wulf, VDE-Präsidiumsmitglied und Vorstandsvorsitzender von Alcatel-Lucent Deutschland, attestiert der deutschen Forschung und Industrie bei der Entwicklung von Fest- und Mobilfunknetzen »international eine führende Innovationsposition«. So seien auch die wichtigsten Bereiche der Wertschöpfungskette und des Know-how im IKT-Markt in Deutschland angesiedelt.

»Jugendlichen den Einstieg in die Zukunftstechnologien ermöglichen«  Bundesforschungsministerin Annette Schavan und die Preisträger des Ideenwettbewerbs.

Wettlauf um die besten Experten
Die deutsche Elektro- und Elektronikindustrie gilt mit einem jährlichen Aufwand von rund elf Milliarden Euro und nahezu 80000 Beschäftigten in Forschung und Entwicklung als eine der weltweit innovativsten Branchen. Defizite sieht der VDE allerdings in der Ausbildung von Ingenieuren und dem daraus resultierendem Mangel an Nachwuchs.

So verwundert es auch nicht, dass über 80 Prozent der Unternehmen im VDE glauben, dass »der Wettlauf um die besten Experten internationaler und härter wird«. 60 Prozent der befragten Unternehmen wollen künftig mehr Elektroingenieure einstellen und 57 Prozent gehen davon aus, ihren Bedarf in den kommenden Jahren nicht decken zu können. Im Mittelstand erwarten sogar 70 Prozent, dass ihnen demnächst Nachwuchs fehlen werde.

Stefan Zoller, Vorsitzender der EADS Deutschland, der neue bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil, Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung und Josef Nossek, VDE-Präsident bei der Eröffnung des VDE-Technologiegipfels am 3. November in München.

45 000 IT-Experten gesucht
Ähnlich hatten sich auch schon andere Branchenverbände geäußert. Wie der BITKOM vor kurzem meldete, sind in deutschen Unternehmen derzeit 45 000 Stellen für IT-Experten unbesetzt. Erstaunlich auch, dass sich der Fachkräftemangel in der IT-Branche wie auch in der Elektronikindustrie von der wirtschaftlichen Abschwächung kaum beeindruckt zeigt. Die Forderungen an die deutsche Politik sind eindeutig: Reformierung des Bildungswesens und praktikable Regelungen für qualifizierte Zuwanderer. Ein anderer, bisher kaum verfolgter Lösungsansatz, den Fachkräftemangel zu bekämpfen: derzeit arbeitslose, ältere Ingenieure wiedereinstellen.
Stefan Girschner/mt

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