Britischer Weißkittel: Atomare Flugzeuge sind die Zukunft

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Was für eine strahlende Idee: Statt die Umwelt weiterhin mit einer globalen Kerosinwolke zu vernebeln, werden wir zur Idee des nuklearen Flugzeugs zurückkehren.

Ein Atom-Flieger, der nicht Bomben abwirft, sondern selber zur fliegenden Bombe wird? Das gab es schon mal. Tatsächlich. Mitten im Kalten Krieg schraubten die Amerikaner an ihrem B-36-Bomber herum (Bild), der einen Reaktor an Bord hatte. Das waghalsige Konzept wärmen Wissenschaftler nun wieder auf bei ihrer Suche nach einer Alternative nach dem teuren und schmutzigen Kerosin. Der Vorteil, auf dem sich spaltenden Atom durch die Lüfte zu reiten: Das Nachtanken entfällt, es ginge nonstop rund um die Welt. Ohne CO2-Ausstoß. Ohne Öl-Reserven zu verbraten oder zur globalen Erwärmung beizutragen. Zumindest so lange nichts passiert…
Prominenter Fürsprecher der Idee ist Ian Poll, Aerospace-Professor an der englischen Cranfield-Universität. Im lukrativen Nebenjob ist der Technologiechef des staatlich geförderten Omega-Projekts, das nach umweltfreundlichen Alternativen für die Luftfahrtindustrie sucht. Als solcher holte er nun die alte atomare Idee aus der 50er-Jahre-Schublade.
Natürlich wäre das alte Konzept einer fetten Reaktorkammer und mit Bleiplatten verkleidete Cockpits heute nicht mehr tragfähig. Professor Poll stellt sich im Interview mit der Times eher vor, Flugzeugtriebwerke mit embedded Mini-Kraftwerk zu entwickeln. Man könne heute auf die lange Erfahrung mit Atom-U-Booten zurückgreifen und mit neuen Materialien und verfeinerten Konzepten an die Entwicklungsarbeit gehen. Daher sei er zuversichtlich, dass es uns möglich wäre, in den nächsten 30 Jahren kleine und sichere Bonsai-Atomtriebwerke zu bauen, die weder Strahlung nach Außen abgeben, noch bei einem Flugzeugabsturz eine nukleare Katastrophe verursachen. Spätestens dann wäre das Kerosin-Konzept ohnehin am Ende. Professor Poll hat auch noch eine deutlich problemlosere Variante seiner Atomidee in petto: Moderne Atomkraftwerke am Boden erzeugen Wasserstoff, der im Flieger in Brennstoffzellen für Vortrieb sorge – so wie in den modernsten heutigen U-Booten. Da müsse man nur noch die Probleme Schubkraft und Reichweite lösen.
Rob Coppinger, Experte für Flugzeugtechnik und Autor bei einem Fliegermagazin, glaubt eher, dass der atomare Antrieb durchaus bald fliegend zum Einsatz komme – in unbemannten Fernaufklärern zum Beispiel, die besonders lange in der Luft bleiben müssen. (rm)

Times Online