Telekom: Den Balz zum Gärtner gemacht

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Dr. Manfred Balz ist seit wenigen Tagen oberster Datenschützer der Telekom. Als “Vorstand für Datenschutz, Recht, Datensicherheit und Compliance”. Beste Voraussetzung für den Job war offenbar, dass dieser Apparatschik selber schon vor elf Jahren in die illegalen Abhörpraktiken der Telekom verwickelt war.

Der für sein Balzverhalten bekannte Jurist war 1997 frisch von der Treuhandanstalt zur Telekom umgesiedelt und hatte dort gleich mit der Vertuschung illegaler Abhöraktionen zu tun. Seine Name taucht auch in den Unterlagen über eine weitere Telekomaffäre auf, bei der illegal die Verbindungsdaten von Journalisten und Aufsichtsräten des eigenen Unternehmens ausgewertet wurden. Öffentlich wurde es erst im Mai 2008, Balz wusste es nachweislich viel früher.

Wenig überraschend daher, dass Informanten bereits die Zusammenarbeit mit der Telekom ablehnten – wegen Balz. Telekom-Obermann, der ihn Vorstand beförderte, muss auch gewusst haben, wen er da zum obersten “Datenschützer” macht.

Den Big Brother Award 2008 in der Kategorie “Arbeitswelt und Kommunikation” durfte der Konzern dank dieses Praktiken soeben in Empfang nehmen. Zur Annahme des Preises schickten sie aber nicht Balz, sondern einen weniger belasteten Datenschützer namens Claus Ulmer. Der versprach mal wieder, all die Spitzeleien würden lückenlos aufgeklärt.

Da hätten sie, meinten sie das ernst, aber richtig gut zu tun, denn die nächste magentafarbene Datenaffäre rollt bereits an. Heute wurde bekannt, was ein interner Untersuchungsbericht ergeben hat: Datenschnüffler von T-Mobile haben die Verbindungsprotokolle von eigenen Mitarbeitern ausgewertet. Solche illegal erfassten Daten wurden auf der Festplatte eines T-Mobile-Angestellten gefunden. Es sieht danach aus, dass solche Praktiken bei internen Untersuchungen der Telekom gang und gäbe waren.

Wie es heißt, soll es bei der Deutschen Telekom in den nächsten Tagen personelle Konsequenzen aus der fortlaufenden Serie von Datenskandalen geben. Und selbst Spitzenmanager stünden zur Disposition. Dazu könnten uns ein paar Namen einfallen – sie wurden bereits weiter oben erwähnt.

(rrr)

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taz

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