Interview: Sage zielt auf internationalen Mittelstand

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Im Gespräch mit eWeek-Reporterin Carolina Kleinken-Palma diskutiert Franz Bruckmaier, Geschäftsführer bei Bäurer und Leiter des Bereichs Midmarket bei Sage, warum der gehobene Mittelstand sich für Sage entscheiden sollte.

Bis dato waren Sage-Kunden vorwiegend KMU (Kleine mittelständische Unternehmen). Das soll sich wenn es nach dem Software-Hersteller mit Hauptsitz in England geht, ab sofort ändern. Denn Sage will mit ihrer neuen ERP X3 in einer ganz anderen Liga mitspielen, und den gehobenen Mittelstand mit globalen Ambitionen für sich gewinnen.

eWeek: Seit dem 07. Oktober ist ERP X3 in Deutschland auf dem Markt. Die Grundlage dafür haben Sie vom französischen Anbieter Adonix übernommen, der das Produkt bereits seit 2002 vertreibt …
Bruckmaier: Das ursprüngliche Produkt ist zum ersten Mal im Jahr 2002 gelauncht worden. Es ist ein sehr modernes Produkt, das eine Web-Architektur als Grundlage hat, und somit einfach zu bedienen ist. Es beinhaltet zum Beispiel rollenbasierte Geschäftsprozesse und CRM Funktionalität ist im Produkt ebenfalls integriert.

Franz Bruckmaier, Geschäftsführer bei Sage Bäurer und eWeek-Reporterin Carolina Kleinken-Palma beim Interviewtermin auf der Systems 2008.

eWeek: Was ist aber wirklich neu an X3?
Bruckmaier: Wir haben dieses Produkt besonders für den deutschen Markt weiterentwickelt. Das heißt, wir haben nicht nur die Software übersetzt, sondern wir haben sie unter Berücksichtigung der hiesigen Steuergesetzgebung angepasst. Die Anforderungen des deutschen Marktes lassen sich mit unserer ERP-Software erfolgreich abbilden.
In Deutschland ist X3 außerdem bereits zertifiziert worden. Wir können jetzt damit auch Kunden adressieren, die international tätig sind und an mehreren Standorten produzieren, da sich dieses Produkt in verschiedenen Ländern ausrollen lässt.

»Wir wissen wie die Kunden ticken«
eWeek: Warum soll sich ein potenzieller Kunde für Sie und nicht beispielsweise für traditionelle Player wie SAP oder Oracle entscheiden?
Bruckmaier: Wir sind eine echte Alternative für viele Kunden. Und dafür gibt es einen guten Grund. Sage kann mit den Bäurer-Produkten mehr als 25 Jahre Erfahrung und Know-how im gehobenen Mittelstand vorweisen. Wir wissen ganz genau wie die Kunden in diesem Segment ticken. An dieser Stelle muss ich betonen, dass die ERP X3-Lösung von der Bäurer-Sparte mitbetreut wird.

eWeek: SAP kann mehr Erfahrung mit gehobener Klientel vorweisen kann als Sage.
Bruckmaier: Es kann sein, dass SAP mehr Erfahrung hat, aber nicht was den gehobenen Mittelstand betrifft, sondern mit Konzernen. Im Mittelstand sind wir erfahrener.

eWeek: Sie haben zwei Produkte, die den gehobenen Mittelstand adressieren, da sind Überschneidungen quasi vorprogrammiert.
Bruckmaier: Wenn Sie zwei Produkte für ein bestimmtes Segment haben, haben Sie automatisch gewisse Überschneidungen. Aber ERP X3 und die Sage Bäurer-Produkte lassen sich problemlos voneinander abgrenzen.

Sage ERP X3: Unternehmenszahlen können je nach Standort in lokaler Währung angezeigt werden. Bild: Sage

Mit X3 adressieren wir gehobene Mittelständler, die international tätig sind und komplexe Unternehmensstrukturen abbilden müssen und vielleicht weniger Produktionsfunktionalität benötigen. Mit der Bäurer-Produktserie adressieren wir typisch deutsche Ingenieursbetriebe, die viel Wert auf die Nutzung der Produktionsfunktionalität legen, aber eine relativ einfache Unternehmensstruktur haben.

eWeek: Werden Sie die Sage Bäurer Produktfamilie auch längerfristig weiterentwickeln?
Bruckmaier: Ja, das kann ich hundertprozentig mit ja beantworten. Wir werden auch im nächsten Jahr kräftig darin investieren.

eWeek: Werden Bestandskunden der Bäurer-Produktserie künftig zu einem Umstieg auf ERP X3 bewegt?
Bruckmaier: Nein, auf keinen Fall. Wir haben nicht vor, das eine durch das andere Produkt zu ersetzen.

eWeek: Ein großer Mitbewerber von Ihnen gab neulich eine Gewinnwarnung für das laufende Quartal bekannt. Wie steht es mit den Unternehmenszahlen bei Sage?
Bruckmaier: Wir haben keinen Grund zur Sorge in dieser Hinsicht. Wir haben schließlich mit einer Klientel zu tun, die Eigenkapital zur Verfügung hat, und insofern sind wir zuversichtlich was unsere zukünftigen Unternehmenszahlen betrifft.
Das Gespräch führte Carolina Kleinken-Palma.
Weblinks
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