Akihabara lebt

Allgemein

Nebojsa Novakovic vom britischen Inquirer hat Akihabara in den letzten 10 Jahren über 20 Mal besucht. Er lebt und arbeitet in Singapur. Seine aktuellen Impressionen von Tokios Elektronikmeile in Wort und Bild:

Groß-Tokio allein schlägt das Bruttosozialprodukt Großbritanniens, entsprechend hoch ist auch die Kaufkraft einzuschätzen, die ins Mekka aller digitalen Dinge fließt. Zumal Akihabara 6,6 Prozent aller Japanbesucher anzieht.

Von daher ist gesichert, dass in Akihabara neue Prozessoren, Mainboards, Konsolen und so ziemlich alles andere zuerst auftaucht. Dennoch sind hier nicht mehr die Menschenmassen von einst unterwegs. Es gibt inzwischen digitale Einkaufsviertel in Seoul, Taipeh, Singapur, Hong Kong sowie Shanghai, und auch japanische Geeks haben das Online-Shopping für sich entdeckt.

Bleibt dieser einzigartige Teil Tokios als ein Bahnhof mit ein paar hohen Bürotürmen zurück? Ist Akihabara noch immer lebendig mit neuen Trends und Geräten, was erwartet den Neugierigen? Ich habe mich vor ein paar Tagen umgesehen, um das zu klären.

Gleichheit ist das charakteristische Wort für Japan. Es gibt weit geringere Gehaltsunterschiede als in westlichen Ländern oder beispielsweise auch in Singapur. Ähnlich verhält es sich mit den Computermarken und ihrem Platz in den Ladenregalen. Intel und AMD erhalten in den großen Läden ihre Regalfläche zu gleichen Teilen, wenn es um Mainboards geht, ähnlich verhält es sich mit Nvidia und ATI (ja, ist auch AMD) an der Grafikfront.

Tatsächlich sympathisierte Japan offenbar immer mit dem Underdog, nicht nur auf dem Desktop. AMD steckte auch in den größten Supercomputing-Clusters des Landes, wie die 7.700 CPUs im TiTech Tsubame.

Die in solchen Dingen nicht unbedingt auskunftsfreudigen Ladeninhaber verrieten mir, dass sich die ATI-Umsätze im Vergleich zu 2007 ein wenig verbesserten, während die Verkäufe der AMD-Prozessoren noch immer schlapp sind, da AMD-Fans in Japan auf die Deneb-Palette in 45 nm warten. Auf die Frage nach einer ehrlichen Einschätzung stellten sie aber klar, dass Intel (und in geringerem Ausmaß) Nvidia marktbestimmender sind – trotz der heftigen Preise für diese GTX280-Karten.

Man findet hier auch neue PC-Marken, von denen man nie zuvor gehört hat. Wie hört sich “Mouse Computer” an? Ja, fast so seltsam an wie Miss Piano Lin oder Casing Chen aus dem benachbarten Taiwan. Andere Länder, andere Markenfantasien.

Da wir gerade von Mouse Computer reden: Die auffallende Werbung darüber stellt ganz groß heraus, dass die Box noch immer mit Windows XP statt Vista ausgeliefert wird. Was einiges über Vista aussagt, für das sich auch hier keine Begeisterung zu entflammen vermochte …

Alles in allem war es ein interessanter Rundgang. Akihabara ist noch immer lebendig, auch wenn sich weniger große Massen wälzen. Die PC-Komponenten mögen teilweise den regenbogenfarbigen Mobiltelefonen gewichen sein und diesen komischen Robotern. Aber es ist noch immer etwas da von der Faszination, die in jedem Fall ausreicht, sich durch Tokios überfüllte Bahnen zu drängen, um dieses Ziel zu erreichen.

Ein Vorteil ist inzwischen, dass man sich hier tatsächlich bewegen kann. Dazu gibt es ein paar gehobenere Läden in den neuen Bürotürmen für die besonders verwöhnten Besucher.

(von Nebojsa Novakovic/rrr)

Inquirer UK