Trotz Finanzkrise: Karrierechance für IT-Fachkräfte

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Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland steht im Zeichen der internationalen Finanzkrise und der abkühlenden Konjunktur. Doch der Fachkräftemangel beschert IT-Ingenieuren weiterhin glänzende Karriereaussichten. Jedenfalls noch in 2008.

Rund 700 Milliarden Dollar werden auf Geheiß von US-Präsident George W. Bush dafür eingesetzt, den Banken faule Immobilien-Kredite abzukaufen, die sich durch den Handel mit Hypotheken mit geringer Bonität (Subprime) ins Bodenlose katapultierten. Mit den 500 Milliarden Euro, die Kanzlerin Angela Merkel bewilligt hat verhält es sich ähnlich: Der geplante Rettungsfonds soll den Geldfluss wieder in Gang bringen und nicht nur die Stabilität des Finanzwesens stärken.

Rettungspakete geben positive Signale
Ganz einfach. Leiden die Banken, spüren das die Unternehmen. Kreditlinien werden gekürzt, neue Kredite nicht bewilligt, und die Börse, Beschaffungsmarkt für frisches Kapital, schlägt Kapriolen. Hatten die Moskauer Börse zum Beispiel noch vergangene Woche und die brasilianische Börse in Sao Paulo vor zwei Wochen den Handel ausgesetzt, so sorgte jetzt das Rettungspaket der Bundesregierung wenigstens zeitweilig für ein Kursfeuerwerk von Frankfurt bis nach Asien.

Die IT-Branche zeigt sich robust
Die weltweiten Hightech-Märkte werden trotz der Verwerfungen auf den Finanzmärkten im laufenden Jahr auf Wachstumskurs bleiben. Davon geht der Branchenverband Bitkom aus.

Bitkom-Präsident Prof. August-Wilhelm Scheer: „Die Finanzkrise hatte bis dato offenbar kaum Einfluss auf den Arbeitsmarkt für IT-Experten. Die Zahl der offenen Stellen liegt sogar leicht über Vorjahresniveau.“

„Die Finanzkrise hatte bis dato offenbar kaum Einfluss auf den Arbeitsmarkt für IT-Experten. “ Bitkom-Präsident Scheer.

„Die Hightech-Industrie zeigt sich widerstandsfähig gegen die internationale Finanzkrise“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder im Vorfeld der Technologiemesse Systems in München. „Wir haben berechtigte Hoffnungen, dass die ITK-Branche vergleichsweise stabil durch die konjunkturellen Turbulenzen kommt.“

Der Bitkom begründet seine Einschätzung mit dem Telefonie- und Internetverhalten, das Privatkunden „nicht wesentlich“ ändern werden. Auch die langfristig planende öffentliche Hand werde stabil in ITK investieren. „Dagegen können in bestimmten Geschäftskundenbereichen Auswirkungen spürbar werden, wenn Unternehmen IT-Projekte wegen der abflauenden Konjunktur auf Eis legen“, sagte Rohleder. „Aber auch hier gilt: Ein erheblicher Teil der Umsätze wird auf Basis dauerhafter Lizenzvereinbarungen und Serviceverträge erzielt.“

Der Fachkräftemangel hält an
Für hiesige IT-Ingenieure bleibt das Hin und Her auf den Weltmärkten noch ohne Folgen: „Die konjunkturellen Turbulenzen sind auf dem deutschen Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte bislang nicht zu spüren“, meint Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. Weite Teile der Branche litten sogar weiterhin unter einem Mangel gut ausgebildeter Experten.

In der deutschen Wirtschaft gibt es derzeit rund 45 000 offene Stellen für IT-Experten. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die Bitkom kürzlich in Berlin vorgestellt hat. Die bundesweite Befragung, an der mehr als 1500 Unternehmen teilgenommen haben, wurde im September 2008 durchgeführt. Danach entfallen 19 000 offene IT-Stellen auf die ITK-Industrie und 26 000 IT-Jobs auf die Anwenderbranchen.

Die Nachfrage kann kaum gedeckt werden
„Kamen im Januar 2007 noch 0,78 Jobsuchende auf eine Stelle bzw. im Januar 2008 vor der Finanzkrise noch 1,81 Jobsuchende auf eine Stelle, so sind es jetzt im September 2008 schon 2,34 Jobsuchende“, berichtet Christian Göttsch, Geschäftsführer von Experteer. Das Münchner Unternehmen gehört mit 40 000 Stellenangeboten über 60 000 Euro Jahresgehalt und 3300 geprüften Personalberatern zu den führenden Karrierediensten für Spitzenkräfte in Deutschland und Europa. „Es handelt sich um einen Nachfrageüberschuss“, analysiert Göttsch. Personalmanager müssen sich also schon allerhand einfallen lassen, wenn sie um IT-Ingenieure werben.

Auch Aussteller stellen ein
Das ist Wind in den Segeln der Messe München, die in wenigen Tagen die Pforten der Systems öffnet. „Die IT-Branche sucht dringend Fachkräfte – die Systems 2008 geht diese Herausforderung aktiv an“, verspricht Messe-Chef Klaus Dittrich. „Größer als 2007 präsentiert sich die JobTown in Halle B2“, so Dittrich – was hoffentlich nicht an der Zunahme von Freiflächen im Zuge der Stornierungen liegt, die Dittrich mit der Finanzkrise begründet.

Mit JobTown versucht die Systems 2008 eine Plattform für IT-Fachkräfte zu schaffen.

Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Ausstellerzahlen um 4 Prozent auf 1061 Aussteller zurück. Die JobTown ist eine Ausstellungs- und Informationsplattform für hochqualifizierte IT-Fachkräfte. Berufsein- und -umsteiger sollten sich außerdem den Job-Tag am 24. Oktober merken. Da präsentieren Personalverantwortliche ihr Unternehmen in Diskussionsrunden oder Informationsvorträgen.

Keine Garantie bei anhaltender Finanzkrise
„Die Hightech-Industrie wird zwar im laufenden Jahr trotz abflauender Konjunktur in Deutschland zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Doch ob der Arbeitsplatzaufbau in 2009 fortgesetzt werden kann, ist fraglich“, mutmaßt Bitkom-Präsident Prof. August-Wilhelm Scheer „Neue Jobs schaffen wir nur, wenn die Finanzmarktkrise schnell bewältigt und das Bildungssystem auf Vordermann gebracht wird.

Hightech schafft Arbeitsplätze. Trotz abflauender Konjunktur entstehen in diesem Jahr 3000 neue Arbeitsplätze in IT-Firmen.

“Hightech schafft Arbeitsplätze. Trotz abflauender Konjunktur entstehen in diesem Jahr 3000 neue Arbeitsplätze in Unternehmen in der Informationstechnik und Telekommunikation (ITK). Maurice Shahd, Sprecher Wirtschaftspolitik und Konjunktur im Bitkom, ergänzt: „Für das Jahr 2009 besteht Unsicherheit insbesondere bei den Unternehmen, die besonders stark betroffene Branchen beliefern: Banken, Versicherungen und wohl auch die Automobilbranche.“ Zudem würden einige Unternehmen „ohnehin fällige Umstrukturierungen energischer angehen oder vorziehen“, so Shahd.

Wie dem auch sei. Da der Arbeitsmarkt mit einer Verzögerung von circa sechs Monaten auf einen Abschwung der Konjunktur reagiert, sind derzeitige Prognosen unsicher. Nur Bares ist Wahres, und nur Bestandsaufnahmen des Status Quo haben Gültigkeit. Und die sehen für IT-Ingenieure in Deutschland sehr gut aus.
(Gudrun Kosche/mt)

Weblinks
Systems 2008
Experteer
Bitkom

Foto klein: Deutsche Bank, Frankfurt Raimond Spekking Originalfoto (GFDL)