MP3-Erfinder beklagt fehlendes deutsches Wagniskapital

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Der deutsche Professor Karlheinz Brandenburg der Fraunhofer-Gesellschaft spricht über die Zukunft von Spracherkennungssystemen und kritisiert die mangelhafte Investment-Kultur in Deutschland.

In einem Interview verweist der MP3-Erfinder darauf, dass in den USA zehnmal mehr Risikokapital bereitsteht, um neuen Produkten und Firmen eine Chance zu geben. Seiner Meinung nach hat sich das Investment-Klima gegenüber den achtziger Jahren etwas gebessert. Dennoch ist eine neue Produktidee immer noch mit hohen persönlichen Risiken verbunden.

Zur Zeit beschäftigt sich Professor Brandenburg beim Fraunhofer IIS in Imenau mit Spracherkennungssystemen und bescheinigt diesen Sprach-Interfaces hohes Makt-Potenzial für Zukunfts-Investitionen. Den Entwicklern von Sprachschnittstellen wünscht er  Beharrlichkeit, Risikobereitschaft auch Sackgassen zu gehen, eine Vision und Geschäftsmodelle wie Spracherkennung in der Praxis zu vermarkten ist.

Seine Erfindung MP3 ist von der Musikindustrie nach Kräften behindert worden: Schon 1996/1997 konnte der Konsument über 128 KBit ISDN-Leitungen Musik herunterladen. Die Preise und Vermarktungsmodelle damals waren jedoch kaum geeignet, um damit kommerziell erfolgreich neben der CD zu bestehen.

Die Musikindustrie versäumte in der Secure Digital Music Initiative damals einen allgemeinen Internet-Musikstandard zu entwickeln, der wie MP3 verschieden stark komprimiert und dazu noch ein allgemeines Rechtemanagement integriert. Statt dessen behinderten sich die Publisher mit der Entwicklung von Firmenstandards. Die Lücke im Internet-Musikgeschäft füllte dann Apple aus. Mit ihrer Vision des Online-Vertriebs von Musik nutzten sie schon bestehende Musik-Technologie und kombinierten diese mit der Markt- und Marketing-Macht eines IT-Giganten. (Martin Bobowsky)