Unternehmen sparen bei der Hardware

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Die Krise am internationalen Finanzmarkt macht auch vor den IT-Abteilungen in Unternehmen nicht Halt. So mancher IT-Verantwortliche wird im nächsten Jahr mit weniger Geld auskommen müssen.

Sparkurs bei der IT-Hardware – das ist bei vielen Unternehmen jetzt angesagt. Denn den Kauf neuer Computer, Notebooks, Server oder Netzwerkkomponenten aufzuschieben, verschafft am schnellsten Luft im knappen Budget. Nicht immer ist das jedoch die beste Lösung.

So erklärt SIM-Präsident Bob Keefe (Society for Information Management), dass IT heute wesentlich mehr ins Tagesgeschäft eines Unternehmen eingebunden ist als früher. Auf neue Rechner oder Notebooks zu verzichten, ist deshalb nicht immer leicht. „Natürlich spart man sich einen Betrag X, wenn man den Rechnerpool nicht erneuert“, sagt er. Oft steigen dann aber auch die Kosten für Wartung und Instandhaltung, die die Einsparungen dann wieder auffressen.

Gebremstes Wachstum
Dass Unternehmen mit ihren Budgets vorsichtiger umgehen, ist bereits spürbar. 2007 stiegen die Ausgaben für Soft- und Hardware noch um 8 Prozent. In diesem Jahr rechnet das Marktforschungsunternehmen IDC nur mit einem Wachstum von 4 Prozent. Besonders gravierend: Auf den Finanzsektor entfallen fast 20 Prozent aller IT-Ausgaben in den USA. Durch die aktuelle Krise werden Finanzdienstleister und Banken vermutlich weniger Geld für Server und PCs ausgeben. In anderen Branchen, zum Beispiel im Gesundheits- oder Medienbereich, wird aber nach wie vor ordentlich investiert. Langfristig wird die Finanzkrise aber in vielen Unternehmen ihre Spuren hinterlassen, so dass selbst bei bereits bewilligten Budgets mit Sparmaßnahmen zu rechnen ist. 

Neuer Rechner-Pool erst später 
Roger Kay, Analyst bei Endpoint Technologies Associates, kennt die Tendenz in Unternehmen, zuerst an der IT-Ausstattung zu sparen. „Der Kauf neuer Hardware lässt sich fast immer hinausschieben. Dann wird einfach mit der bestehenden Lösung weitergearbeitet.“ So kann ein Unternehmen zum Beispiel auf das Upgrade von Windows XP zu Vista verzichten und spart sich so den Kauf neuer, leistungsstärkerer Rechner, die für das neue Betriebssystem notwendig sind. Das Aufrüsten des Rechnerpools lässt sich so um bis zu einem halben Jahr und mehr aufschieben.

Auswirkungen der Finanzkrise nicht berechenbar 
Wie genau sich die aktuelle Finanzkrise auf die IT auswirkt, lässt sich seiner Einschätzung noch nicht vorhersagen. Einige Versicherungen haben zum Beispiel von der Beinahe-Pleite des Versicherungskonzerns AIG profitiert und wollen für das neu hinzugewonnene Geschäft ihre IT aufrüsten. Andere Unternehmen planen, für eine Serverkonsolidierung und den effizienteren Betrieb ihrer Rechenzentren in neue Technologien wie Virtualisierung zu investieren. Gleichzeitig gib es Firmen, die Flaschenhälse in der Datenverarbeitung hinnehmen und erst einmal bei ihren alten Netzwerkkomponenten und Servern bleiben.

Dieses heterogene Bild bestätigt auch Pam Taylor, Präsidentin der IBM-Benutzervereinigung SHARE, die über 2000 Unternehmen vertritt. Die Wall-Street-Krise beschäftige die Firmen durchaus. Die Investitionspolitik ist recht unterschiedlich. Manche kehren zu alten Gewohnheiten zurück und nutzen ihre alte Hardware so lange wie möglich.

Green IT könnte profitieren
Es gibt aber auch Sparmaßnahmen, die nun schneller durchgesetzt werden und die sich nicht nur in barer Münze bemerkbar machen. „Viele Unternehmen denken mittlerweile über Green IT nach“, erklärt Taylor. Man prüfe genauer, wie viel Energie im Unternehmen verbraucht wird und in welchem Zusammenhang diese Kosten mit der IT stehen. Und das könnte so manchem Green-IT-Projekt zu einer schnelleren Umsetzung verhelfen. 
Übersetzung: Tanja Palesch/mt