Internet-Pionier will Webzugang für Entwicklungsländer

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 Das Internet wird bisher hauptsächlich in Industrieländern genutzt. Eine neue Stiftung will nun auch Menschen in Entwicklungsländern den Eintritt ins Word Wide Web verschaffen. Initiator der Stiftung ist WWW-Legende Tim Berners-Lee.

Der Internet-Pionier Tim Berners-Lee will eine Stiftung gründen, die das Web auch jenen zugänglich machen soll, die bislang nicht von ihm profitiert haben. Berners-Lee kündigte die World Wide Web Foundation bei einer Feierlichkeit in Washington an. Ziel der neuen Web Foundation ist nicht nur, die digitale Kluft durch verbesserten Zugang zum Web zu überwinden, sondern auch, den Usern Zugang zu Mobiltechnologien und anderen Innovationen zu geben. Die Stiftung will dabei auf den Standardisierungs-Arbeit des World Wide Web Consortium (W3C) aufbauen.
Konkret hat sich die Organisation drei Ziele gesetzt: Förderung eines freien und offenen Webs; Verbesserung der Funktionen und der Stabilität; Webzugang für alle Menschen. 

 

Gegenüber eWeek erklärte Berners-Lee: „Das Web ist eine tolle Plattform für Innovationen, aber wir stehen vor einer Reihe von Herausforderungen, vor allem, wenn es um Menschen in unterversorgten Gebieten geht.“ Berners-Lee ist Direktor des World Wide Web Consortium (W3C) und Mit-Direktor der Web Science Research Initiative. „Mit dieser neuen Initiative wolllen wir ein internationales Ökosystem entwickeln, das zur Gestaltung des zukünftigen Webs beitragen wird. Ein umfassenderes Web wird uns allen nutzen.“
Damit sollen alle Menschen in die Lage versetzt werden, ihr Wissen zu teilen, digitale Dienste zu nutzen, Handel zu treiben, Einfluss auf Regierungen zu nehmen und miteinander zu kommunizieren.

Fünf Millionen Dollar Startgeld
An das für dieses ehrgeizige Unterfangen nötige Geld will die Stiftung mit einer differenzierten Strategie kommen. Am Anfang steht eine Gründungszuwendung in Höhe von fünf Millionen Dollar für fünf Jahre von der John S. and James L. Knight Foundation.
Die World Wide Web Foundation ist derzeit in der Planungsphase und soll 2009 offiziell die Arbeit aufnehmen.
„Ich möchte alle einladen, die diese Vision des Webs teilen, Gründungsstifter zu werden“, sagte Steve Bratt, CEO der World Wide Web Foundation, „Mit ihrer Unterstützung wollen wir die Stiftung Anfang 2009 mit einer Ankündigung der ersten konkreten Schritte zur Erreichung ihrer Ziele ins Leben rufen“. 

Web als Forschungsprojekt
In der  Rede, mit der er die Stiftung vorstellte, erläuterte Berners-Lee einige grundlegende Ideen:
„Uns ist klar geworden, dass trotz aller Studien, die rund um das Web herum betrieben werden, die Analyse und Steuerung des Webs selbst – und damit der mit einander verbundenen Menschen – nicht als Forschungsobjekt gesehen wurde. Ein paar von uns am MIT und an der Southampton University in Großbritannien haben erkannt, dass wir ein neues Feld namens Web-Wissenschaft definieren und ins Leben rufen müssen.

“Weiter meint der inzwischen zum Sir ernannte Berners-Lee: „Das Internet wurde im Wesentlichen in Industrieländern entwickelt. Aber es muss viel umfassender sein, damit alle etwas davon haben. Zum Glück gehen wir in diese Richtung. Die Web-Wissenschaft will erreichen, dass das Web der Menschheit dient. Die Standards des W3C sind so definiert, dass Internet-Seiten auch für Menschen mit Behinderungen zugänglich sind. Das Internet hat keine Vorurteile gegenüber einer bestimmten Sprachen oder Kulturen.
Um zu erreichen, dass das Web die Bedürfnisse von mehr Menschen berücksichtigt, hat das W3C kürzlich neue Aktivitäten gestartet, und zwar hinsichtlich E-Government und der Rolle von Mobiltechnologien in Entwicklungsländern“. Berners-Lee ist der Überzeugung, dass die Rolle der Mobiltechnologien in den ärmsten Regionen der Welt besonders wichtig ist..

Internet für unterversorgte Gebiete
Sprecher der Stiftung erklärten, dass die Bemühungen um die soziale Entwicklung sich zunächst auf unterversorgte Populationen konzentrieren werde. Die Stiftung will darüber hinaus auch Dienste für eine bessere Gesundheitsversorgung, Ernährung und Bildung entwickeln.
„Der freie Informationsfluss ist von gewaltiger Bedeutung für Communities in einer Demokratie, und das World Wide Web als offenes Medium zu erhalten, ist von hoher Bedeutung für diesen Fluss“, meint auch Alberto Ibarguen, Präsident und CEO der Knight Foundation. „Die Interessen der Knight Foundation und die der World Wide Web Foundation überschneiden sich perfekt. Wir sind erfreut, der Gründungsspender zu sein“. 

Schließlich meinte Tim Berners-Lee, dass der Dreiklang von technologischer Innovation, Web-Wissenschaft und Förderung unterversorgter Gemeinschaften, eine nächste Phase in der Entwicklung des Internet einleiten werden. Damit könne man auch die ursprüngliche Vision realisieren, die hinter dem Web stehe: Dass die Technologie hilft, die Menschen mit einander zu verbinden.
Übersetzung: Dieter Jirmann/mt