Finanzkrise als Chance für Open Source

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Knappe Budgets zwingen Unternehmen dazu bei IT-Investments neue Lösungen zu suchen. Ist Linux die Antwort auf die Finanzkrise?

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Krise auf dem internationalen Finanzmarkt auf die Industrie auswirkt und Unternehmen dazu zwingt, an der Kostenschraube zu drehen. Kein Wunder also, dass sich Jim Zemlin, Geschäftsführer der Linux-Foundation, Chancen auf eine höhere Nachfrage nach Open-Source-Produkte ausrechnet. Denn gerade in finanziell angespannten Zeiten können diese ihren Preisvorteil ausspielen.

In einem Interview mit eWeek erklärte er, die Nachfrage nach Open Source und Linux, System-Management-Tools und Virtualisierungslösungen dürfte sich positiv entwickeln, da Unternehmen damit ihre Infrastruktur effizienter und kostensparender nutzen könnten. Linux unterstütze nahezu jede Systemarchitektur und sei ein ideales Werkzeug zur Plattformkonsolidierung. „Ich gehe davon aus, dass Unternehmen an Konsolidierungsprojekten zur Optimierung der bestehenden Infrastrukturen und IT festhalten, die Anschaffung von neuer Software aber erst einmal aufschieben“, so Zemlin.

Linux-Event auf der Wall Street
Nicht ohne Grund begibt sich die Linux Foundation, der unter anderem Firmen wie IBM, Red Hat, Novell, Google, Oracle angehören, also mitten ins Zentrum der aktuellen Finanzkrise. In zwei Wochen findet auf der Wall Street ein Linux-Event des Konsortiums statt, das laut Zemlin bereits ausgebucht ist. „IT-Verantwortliche wissen, dass Open Source ihnen dabei hilft, ihre Ressourcen für wichtige Bereiche zu bündeln, bei denen man nicht einfach Kosten senken kann.“ So käme man beispielsweise auch in Zeiten von knappen Budgets nicht umhin, in effektive Sicherheitslösungen investieren.

Zemlin ist optimistisch, dass sich der IT-Markt trotz der finanziell angespannten Situation wie nach dem Dotcom-Crash schnell erholt. Damals habe es zwar Verwerfungen im Markt gegeben, weil viele Solaris/SPARC-Nutzer aus Kostengründen auf Linux umgestiegen seien. Sun werde aber nicht mehr den Fehler begehen, die Schere zwischen Preis und Leistung zu groß werden zu lassen.

Linux-Entwicklung in Indien und China
Der Trend zum Offshore-Outsourcing könnte angesichts der angeschlagenen Wirtschaft sogar noch wachsen, glaubt Zemlin. Auch die Linux Foundation entwickle viel im Ausland, etwa in Indien, China, Europa und Russland. Ein ressourcenstarker Markt sei Vietnam, mit dem sich die steigenden Kosten auffangen lassen, die in anderen Ländern durch Inflation oder die Entwertung des Dollars anfallen. „Zufrieden sind wir mit allen unseren Entwicklungsteams“, so Zemlin. „Aber wir haben gerne ein ausgewogenes Portfolio.“
Übersetzung: Tanja Palesch/mt