Praxistest: Palm Treo 800w

Allgemein

Palms erster Treo mit WiFi-Anbindung ist attraktiv für Firmen, die ihre Infrastruktur auf Microsoft-Software aufbauen.

Obwohl der Treo 800w wahrscheinlich das beste Smartphone ist, das Palm je geliefert hat, ist es für den Endverbraucher nur ein Gerät unter vielen. Denn was beim Treo neu ist, ist bei Konkurrenzgeräten oft schon Standard. Aber für Unternehmen, die standardmäßig ein Mobilgerät mit schneller Netzwerkverbindung einführen wollen, das mit allen Microsoft-Backend-Geräten einsetzbar ist, sollten sich den Treo näher anschauen. Das Gerät gibt es vorerst nur in den USA. Ob und wann der 800w mit in Deutschland auf den Markt kommt, ist im Moment noch nicht klar. Auch in Deutschland gibt es aktuell den Palm Treo Pro mit Wi-Fi-Anbindung. Der Treo Pro ist ohne Vertrag für 500 Euro erhältlich.


Endlich hat Palm Treo 800w mit WiFi-Anbindung ausgestattet: Der neue 800w arbeitet mit dem 802.11b/g-Standard und verfügt über einen GPS-Empfänger. Zudem haben die Entwickler auch die Software-Funktionen für Windows Mobile verbessert.
So können Benutzer beispielsweise die WiFi-Funktion  über einen Button am oberen Rand des Geräts an- und ausschalten. Ähnlich bequem geht es mit einem kurzen Drücken auf denselben Button direkt auf die WiFi-Konfigurationsseite, wenn man sich einen Überblick über die in der Nähe befindlichen Netzwerke verschaffen will. 

Wie bei den meisten Next-Generation-Mobilgeräten mit Windows Mobile 6 Service Pack 1 üblich, unterstützt Treo 800w sowohl zertifikatbasierte als auch Pre-Shared-Key-Verschlüsselung für den Zugriff auf Wireless LANs.
Im WAN-Bereich ist Treo 800w eines der ersten Geräte, die in der Lage sind, Sprints EvDO (Evolution Data Optimized) Rev A-Datennetzwerk zu nutzen (zusammen mit HTC Nomad und Samsung Instinct). Dazu dient der Qualcomm MSM6800A-Chipsatz mit Dualband-Unterstützung für 800-MHz- und 1900-MHz Verbindungen. Ein DSL-Reports-Geschwindigkeitstest der EvDO-Datenleitung ergab eine Downloadgeschwindigkeit zwischen 350 Mbps und 650 Mbps von verschiedenen Standorten innerhalb und außerhalb der Büroräume von eWEEK in San Francisco.
Speicher, Akku und Audio
Die Rechenleistung des Treo 800w ist nicht allzu üppig bemessen. Der Texas-Instruments-Prozessor OMAP 2431 ist mit 333 Mhz getaktet, der Programmspeicher beträgt 128 MByte. Allerdings lässt sich über den Micro-SD-Kartenschlitz Zusatzspeicher bis zu 8 GB nachrüsten. Bei den Tests zeigte sich in den meisten Fällen eine flotte Reaktionsgeschwindigkeit. Am deutlichsten wich das Browsen im Netz von diesem Standard ab.
Mit einer Größe von 112 x 58 x 18,5 Millimetern und einem Gewicht von 156 Gramm kommt der graublaue Treo 800w sehr schlank und leicht daher. Treo 800w nutzt dieselbe 1150-mAh-Batterie (1150 Milliamperestunden) wie Palms Consumer-Smartphone Centro. Die Sprechzeit liegt laut Hersteller bei 4,5 Stunden oder 200 Stunden Stand-by recht gut.
Im eWeek-Test konnte das Testgerät diese Angaben aber nicht ganz einhalten. Nach knapp vier Stunden war der Akku erschöpft. Hier bleibt Palms neues Flaggschiff deutlich hinter den Konkurrenzprodukten iPhone 3G und Nokioa e71 zurück, die ebenfalls vor Kurzen von eWEEK Labs getestet wurden. 

Bei den Anschlusstypen hat sich Palm dem allgemeinen Standard angeschlossen: Stromkabel, Synchronisationskabel und Kopfhörer nutzen alle einen Micro-USB-Anschluss. Das führt mich zum größten Kritikpunkt. Es lässt sich jeweils nur ein einziges Zubehörteil anschließen. Man kann das Gerät nicht aufladen, wenn der Kopfhörer angeschlossen ist.
Erfolgreich waren Palms Bemühungen, Bluetooth-Benutzern eine stark verbesserte Hörqualität zu liefern, das Smartphone beherrscht Bluetooth 2.0 mit A2DP – und das heißt Stereo – für Stereo-Headsets mit Bluetooth.

Kompatibel zu Microsoft Exchange
Da Treo 800w mit Windows Mobile Professional 6.1 als Betriebssystem geliefert wird, lässt es sich ohne weitere Anpassungen mit Microsoft Exchange-Mailsystemen nutzen, die mit Drahtlos-Synchronisation von Mail, Kontakten und Kalendern arbeiten. Ebenso wird Drahtlos-Management und -Konfiguration über Exchange ActiveSync unterstützt. Daneben kann der Anwender den Treo mit Microsoft System Center Mobile Device Manager 2008 verknüpfen, um Active Directory zu integrieren.
Beim Browsen im Netz arbeitet der Treo 800w etwas schwerfällig. Im Test dauert es gelegentlich bis zu 30 Sekunden, um Seiten auf den integrierten mobilen Internet Explorer zu laden. Währenddessen konnte ich so lange nichts anderes mit dem Gerät tun, bis die Seite vollständig geladen war. Bei manchen Seiten hat sich der Browser sogar ganz aufgehängt und  entsprechende Skript-Fehlermeldungen angezeigt.

Praktische Zusatzfeatures
Im Übrigen überrascht Palm mit ein paar netten Zusatzfeatures auf dem vertrauten Bildschirm von Windows Mobile Today. Statt Nummern von Hand einzutippen, steuert der Benutzer Kontakte über eine Schnellwahl-Funktion an. Dazu klickt er auf dem Startbildschirm einfach das entsprechende Foto an. Er hat außerdem Zugriff auf den eingebauten Instant Messaging-Client (AIM, MSN und Yahoo unterstützt). Der Today-Bildschirm zeigt, ob es ungelesene SMS-Nachrichten gibt. Auch Standorte von Unternehmen lassen sich auf dem Startbildschirm rasch finden und auf einer Karte anzeigen. Der Suchbefehl startet automatisch eine eingebaute Landkarten-Anwendung, die ihre Suchergebnisse aus dem integrierten GPS-Empfänger erhält.
Anders als das iPhone bietet der Treo 800w mit den in Office Mobile integrierten Anwendungen Excel, Word, PowerPoint und OneNote volle Funktionalität zum Lesen und Schreiben von Dokumenten. Im Test konnte ich Word-Dateien lesen und schreiben, und zwar sowohl im .doc als auch .docx-Format. Die Konvertierung von einem Format in das andere funktionierte allerdings nicht. Der PDF-Reader überzeugt nur teilweise, das Ein- und Ausblenden sowie das Blättern zwischen den Seiten ist wenig benutzerfreundlich.

Andrew Garcia, Senior Technical Analyst von eWEEK Labs, erreichen Sie unter agarcia@eweek.com.