Britischer Beamter lebt Sexfantasien bei Wikipedia aus

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Der gelangweilte Beamte und mutmaßliche Transvestit ging bei der Online-Enzyklopädie seinen Neigungen nach. Er eröffnete eine Vielzahl von Accounts mit weiblichen Namen, um über seine bevorzugten Sexfantasien zu schreiben – und präsentierte sich dabei selbst mit den Fotos junger Frauen, die keine blasse Ahnung davon hatten.

Nicht weniger als 15 verschiedene Wikipedia-Accounts türkte der 52-jährige Michael Baxter auf diese Weise. Um sich zu tarnen, benutzte er dabei stets unterschiedliche IP-Adressen. In seinem vermutlich weniger aufregenden Alltag ist er als Arzneimittel-Statistiker beim britischen Gesundheitsministerium beschäftigt.

Seine Maskerade fiel lange nicht auf, und die Regularien von Wikipedia verhinderten sogar die Aufdeckung. Der Londoner Chris Selwood erfuhr im Frühjahr 2006 von Fotos seiner Freundin, die es in der freien Web-Enzyklopädie geben solle. Die Bilder erschienen auf der “Benutzerseite” einer regulären Wikipedia-Autorin namens Taxwoman, die bevorzugt über Fesselungsspiele debattierte und schrieb.

Chris Selwood und seine Freundin hatten zuvor nicht einmal gewusst, was Wikipedia überhaupt ist. Er richtete daraufhin einen eigenen Account bei Wikipedia ein und beschwerte sich beim Helpdesk der Site. Als das nichts brachte, entfernte er die Fotos schließlich selbst. Das wiederum brachte ihm den Vorwurf des Vandalismus ein, und ihm wurde sogar die Löschung seines eigenen Accounts angedroht.

Er versuchte vergeblich zu erklären, warum er die Fotos entfernt hatte, und bekam nur zu hören: “Wie soll ich wissen, ob Sie die Wahrheit sagen? Wir können wir sicher sein, dass Sie nicht derjenige sind, der lügt?”

Nach längerem hin und her meldete sich Taxwoman von der Adresse “gaggedbound@gmail.com” und erklärte sich bereit, die Fotos zu entfernen. Es sollte noch deutlich länger dauern, bis Wikipedias Administratoren den Account von Taxwoman löschten. Noch später stellte sich heraus, dass der beamtete Statistiker neben Taxwoman weitere Persönlichkeiten geschaffen hatte wie “Poetlister” und “Rachel Brown”, teilweise ebenfalls geschmückt mit den Fotos ahnungsloser junger Frauen. Diese Alter Egos flogen schließlich auch raus, nur um Unterschlupf zu finden bei verschiedenen Schwesterprojekten wie Wikiquote, Wikisource und Wikinews, die sich ebenfalls unter dem weiten Mantel der Wikipedia-Stiftung befinden.

Eine der Figuren aus dem Alias-Puppentheater, Poetlister, konnte sogar in der Wikiquote-Hierarchie nach ganz oben aufsteigen. Das wiederum war das Sprungbrett, sich voll rehabilitieren zu lassen und wieder bei Wikipedia aufgenommen zu werden. Taxwoman lebte bei Wikipedia Review wieder auf sowie bei Wipipedia. Dort tauchten auch die Bilder von Chris Selwoods Freundin erneut auf und erweckten den Eindruck, als habe diese begeistert darüber geschrieben, wie sehr sie es möge, gefesselt und vergewaltigt und betäubt zu werden.

Chris Selwood fürchtete um die Sicherheit seiner Freundin. Er fand die Identität des Beamten heraus und wandte sich an dessen Vorgesetzte. Michael Baxter wurde vom Dienst suspendiert, die Behörde untersucht die Vorwürfe gegen ihn.

Eine ungewöhnliche Geschichte oder ganz alltäglich im Web 2.0? Das sieht ein Webmaster bei Wikipedia – der es vorzieht, anonym zu bleiben – ganz anders:

“Wikipedia zieht Narzissten an wie das Licht die Motten … Du bearbeitest etwas, und in nur wenigen Sekunden warst du daran beteiligt, den Inhalt einer der größten Websites des Planeten zu gestalten. Und sich als mehrere andere Personen auszugeben, das ist eine klassische Neigung von Narzissten.”

(rrr)

The Register