Android kommt, Nokia zittert

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Apples Iphone konnte Marktführer Nokia noch weglachen angesichts der eigenen, astronomisch überlegenen Verkaufszahlen. Mit dem Android-OS steht den Finnen aber nicht nur Google, sondern auch ein Konsortium von 30 Herstellern und Mobilfunkbetreibern gegenüber.

“Das Iphone macht uns keine Kopfschmerzen”, hatte ein Nokia-Manager getönt und ein paar vielstellige Zahlen erwähnt. Solche finnischen Sprüche werden kaum zu hören sein, wenn am Dienstag in New York das erste Mobiltelefon mit dem neuen Betriebssystem enthüllt wird. Es wird HTC Dream heißen, vielleicht auch G1. Weil es ein (relativ) offenes und anpassbares Handy-Betriebssystem ist, wird es den Markt stärker durcheinanderwirbeln als das Iphone. Dem Iphone steht es vermutlich auch in der Touchscreen-Bedienung kaum nach, bietet aber in jedem Fall eine Ladung weiterer Features, die der eigensinnige Steve Jobs seinen Kunden einfach nicht gönnen wollte.

Eine besonders spannende Frage ist, inwieweit Android über den zunächst klar anvisierten Verbrauchermarkt hinaus auch in die Unternehmen kommt. Genau darum geht es, meint Analyst Rob Enderle: “Die Android-Plattform gehört zu Googles Strategie, um sich im Unternehmensbereich gegen Microsoft stellen zu können. Google mischt beim Mobiltelefon mit, weil es eine Plattform ist, die Microsoft derzeit nicht kontrolliert, und noch kein Anbieter in diesem Bereich bislang ein Monopol erreicht hat.”

Das Smartphone sei in der Tendenz das nächste Notebook und wesentlicher Bestandteil der Unternehmenskommunikation. So wie Microsoft den Wechsel vom Mainframe zum PC in den Unternehmen nutzte, wolle Google es mit dem Smartphone versuchen.

Und was wird aus dem bislang weltweit dominierenden Handy-Anbieter Nokia, dessen Smartphone-Plattform Symbian sichtbar stagniert? Es ist vielleicht kein Zufall, dass Nokia offenbar kurz davor ist, zwei neue Smartphones der E-Series vorzustellen, E72 und E75. Beide verfügen wie das erste Android-Phone über eine volle Buchstabentastatur. E75 ist sogar Nokias erster Slider, der sich auch im Querformat mit ausgezogener Buchstabentastatur nutzen lässt – so ein Zufall, ganz wie HTC Dream.

Offiziell angekündigt hat Nokia die beiden Modelle noch nicht, plant mit ihnen aber vielleicht ein kleines Störmanöver, um ein wenig vom Android-Start abzulenken. Ein Werbevideo für die beiden Geräte war bereits bei YouTube zu bestaunen. Nokia zeigte allerdings Nerven und ließ es umgehend aus “urheberrechtlichen Gründen” entfernen, bestätigte damit indirekt dessen Echtheit. Diese Aktion hätte sich Nokia ohnehin ersparen können, denn wie wir alle wissen, das Netz vergisst nichts.

(rrr)

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