Microsoft erklärt die eigene Werbung

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Um das angeschlagene Image zu polieren, setzt Microsoft auf einen Komiker. Und ausgerechnet Bill Gates. Die erste Werbeeinlage war alles andere als komisch.

Die öffentliche Reaktion war verheerend. Nicht über die müden Gags wurde gelacht, sondern über Microsofts unbeholfenen Versuch, den Mac-vs-PC-Werbeattacken Apples nach Jahren stiller Duldung endlich etwas entgegen zu setzen. Und das ging dann auch noch so daneben, dass Microsoft erklären musste, was es eigentlich sollte.

Das Video dauert eineinhalb Minuten und lässt Jerry Seinfeld und Bill Gates in einem Discount-Schuhladen zusammen treffen, und das scheint der Beginn einer seltsamen Freundschaft sein zu sollen. Ein nerviger Schuhverkäufer meint, die zu engen Schuhe würden sich an Gates’ Füßen schon noch weiten. Jerry Seinfeld holt die richtige Schuhgröße und verpasst sie Bill Gates. Und verrät ihm seine Schuhgröße. Die beiden Komiker entfernen sich und quatschen dummes Zeug über essbare Computer.

Was es bedeuten sollte? Kriegte niemand so richtig mit. Daher klingelten Microsofts Manager gestern bei Reportern durch und versuchten es ihnen zu verklickern. Ja, es sei wirklich der Start einer Kampagne für die Marke Windows. Es solle das Eis brechen, “den Beginn eines Gesprächs darstellen … und sicher die größte Werbekampagne, die wir jemals führten”.

Eric Hollreiser von Microsoft kündigte außerdem an, man wolle bis Ende dieses Jahres 155 “Gurus” anstellen. Die in Ladenketten wie Circuit City und Best Buy den Verbrauchern helfen sollten, einen PC für sich auszusuchen. Aha – deshalb also könnte Seinfeld dem Microsoft-Pensionär Gates geholfen haben, zu passenden Schuhen zu kommen? Und dürfen wir auch bei Media-Markt von Microsoft bezahlte Gurus erwarten, die immer dann einspringen, wenn Verkäufer mit null Ahnung sinnloses Blahblah von sich geben?

Außerdem arbeite Microsoft auch mit PC-Herstellern zusammen, um für “eine überwältigende Windows-Erfahrung” zu sorgen. Um Mobiltelefone und Microsofts Website soll es ebenfalls gehen, und Microsoft werde einen “grandiosen Job hinlegen, um den Verbrauchen Informationen zukommen zu lassen”.

Erklärungsbedürfnis bestand offenbar auch bei Microsofts Mitarbeitern. Bill Veghte, als Senior Vice President für Online-Dienste und das Windows-Business zuständig, wandte sich in einer Mail an die eigenen Mannen, um die Ziele der Kampagne begreifbar zu machen: “Wir müssen die Geschichte von Windows zu erzählen, und wie es Milliarden von Menschen rund um die Welt befähigt, heute mehr aus ihrem Leben zu machen”. In der ersten Phase gehe es darum, das Eis zu brechen, Microsoft bei den Verbrauchern wieder einzuführen. Der erste in einer Serie von TV-Spots solle die “Begeisterung der Verbraucher über den vielfältigen Nutzen von Windows erneut entfachen”.

Das war schon mal nix. Aber noch sind Microsofts Taschen ausgebeult von zu viel Kleingeld, 300 Millionen $ sollen in eine Kampagne fließen, in der noch viele weitere Folgen drohen, wie Veghte im Durchhalteton ansagt:

“Später in diesem Monat, wenn die Kampagne in die nächste Phase übergeht, werden wir weit tiefer gehen, indem wir die Geschichte von Windows erzählen und verkünden, was es für die Verbraucher bei der Arbeit, beim Spiel und unterwegs leisten kann. Zu dieser Zeit melde ich mich erneut mit weiteren Informationen über unsere Pläne, um die Verbindung zwischen den Verbrauchern und Windows weiter zu stärken – eines der erstaunlichsten Produkte, Unternehmen und Brands aller Zeiten. Und wenn wir mit der richtigen Zähigkeit, Leidenschaft und Beweglichkeit herangehen, dann ist es eine Geschichte, in der noch viele großartige Kapitel ausstehen.”

(bk)

San Francisco Chronicle

Techcrunch