Drucker mit Dosenpfand

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Wenn ich fertig habe, werde ich eine Dose: Epson stellt ein irgendwie merkwürdiges Druckerkonzept mit Pfand und ohne Patronenwechsel vor.

Ökologie ist neuerdings Trumpf in der IT. Gerade beim Thema Drucker liesse sich dazu ja einiges – allerdings vor allem Kritisches – sagen. Nun hat Epson einen Drucker mit angeschlossenem Recycling-Konzept, dem sogenannten Epson Eco-Back System vorgestellt. Bei dem neuen Modell EC-O1 gibt der Kunde gleich den ganzen Drucker zurück, wenn die Tinte verbraucht ist und erhält eine Vergütung in Höhe von 50 Euro. Anschließend recycelt Epson das Gerät.

 

Umweltbewusstsein a la Epson: Wer ist in diesem Fall der Lackierte? Der Drucker jedenfalls nicht, der ist “einfach, schmucklos, gerade mit dem Nötigsten ausgestattet”. Und träumt von einem neuen Leben – wenn schon nicht auf der Parkbank, dann vielleicht als Parkbank?

 

Was ist daran ökologisch? Der Hersteller argumentiert so: Der EC-O1 enthält fest installierte Tintenpatronen mit einer Reichweite von bis zu 8.000 Seiten. Je nach Verbrauch reiche das einige Jahre. Für den Anwender bedeute das: nie mehr Patronenwechsel, kein anfallender Müll. Jedenfalls bis zum Aushauchen des letzten Tintentropfens. Der im übertragenen Sinne grün angestrichene, in Wahrheit jedoch unlackierte Wegwerfdrucker im schlichten braunen Karton aus Umweltpapier ist “einfach, schmucklos, gerade mit dem Nötigsten ausgestattet” so Epson. Das Manual ist umweltfreundlich auf einer CD untergebracht – also nicht etwa bloß um Geld fürs Papier zu sparen, nun ja.

Damit will der sich prophetisch gerierende Printer-Produzent seine in der „Umweltvision 2050“ formulierten Ziele umsetzen, wie es heißt: ein Produkt von der Produktion bis zu seinem Lebensende so CO2-neutral wie möglich zu halten. Das Epson Pfandsystem mit dem EC-O1 als erstem Vertreter wird ab September bei ausgewählten Fachhändlern verfügbar sein. Der simpel gehaltene Printer kostet schlappe 349 Euro (UVP, inkl. MwSt.) – zuzüglich jenen 50 Euro Pfand, die bei Rückgabe des Geräts erstattet werden. Da schließt sich die Brieftasche fast schon von selber. Auch Kaufverzicht kann ja im übrigen sehr ökologisch sein.

Ob der ausgelutschte Drucker anschließend in ein neues Druckerleben inkarniert oder sein nächstes Dasein als Dose fristen muss, darüber sagt der Hersteller nichts. Unser Reim drauf: Nach ökologischen Pionierleistungen wie der Wegwerfkamera und dem Wegwerfrasierer wird nun also auch der Wegwerfdrucker in den Markt…, na was wohl? Wir gehen schon mal in Deckung und warten auf weitere ökologische Großtaten: Wozu noch tanken? Und nebenbei sehen wir schon den nächsten Werbespot unserer Bausparkasse im Fernsehen: “Das Haus ist schmutzig, Liebster, lass uns umziehen.” Ralph Beuth