PhotoAcute Studio Professional 2.82
Expander für Digitalfotos

WorkspaceZubehör

Der Größenwahn bei der Ausgabe von Digitalfotos wird nicht länger mit Qualitätsverlust durch Rauschen und Unschärfe bestraft, denn PhotoAcute errechnet aus mehreren Fotos ein qualitativ hochwertiges größeres Bild. Wer Bilderserien mit wechselnder Schärfentiefe und Belichtung schießt, erstellt mit dem Tool scharfe Bilder auf allen Ebenen und größerer Dynamik.

Größer, schärfer, weniger Rauschen

Von Detailtiefe und Schärfe können Digitalfotografen nie genug bekommen. Problem 1: Je nach Lichtsituation wählt der Freihandschütze hohe ISO- und Blendenwerte , um eine hohe Schärfentiefe und gleichzeitig eine geringe Verschlusszeit zu erzielen, die vor Verwackeln schützt. Erkauft wird dies aber durch ein höheres Bildrauschen aufgrund des höheren ISO-Wertes. Problem 2: Wer eine Digicam mit geringer Pixelzahl einsetzt oder in ein Digitalfoto hinein zoomen will, um Details ins rechte Licht zu rücken, steht schon bald vor der Auflösungsgrenze. Problem 3: Einige Fotos wirken erst so richtig, wenn sie auch in entsprechender Größe, aber in augenfreundlicher Schärfe ausgegeben werden. Im Kern laufen die Probleme auf eines hinaus: Qualitätsverluste. Aber das muss nicht mehr sein. Neue Algorithmen samt Stapelverarbeitung helfen Digitalfotografen, Bilder nicht nur zu vergrößern, sondern auch Details zu erhalten – oder im Idealfall sogar hinzuzugewinnen.

Bisher gab es eine Reihe von Versuchen, Digitalfotos möglichst schonend zu vergrößern. S-Spline war zum Beispiel ein Tool, das versprach durch an das Motiv angepasste Interpolationsmethoden Digitalbilder verlustarm aufzupeppen. Für die gleiche Qualität reichen jedoch die Einstellungen in Adobe Photoshop völlig aus. Aber es geht noch besser: PhotoAcute Studio verbessert die Qualität eines Digitalfotos und führt bei Bildvergrößerungen für signifikant mehr Schärfe und deutliche Rauschreduktion. Da aus einer Aufnahme nicht mehr Qualität herauszuholen ist, als bereits drin steckt, sind dafür Bilderserien notwendig. Anwender müssen also ein Motiv mit der Serienfunktion am besten drei bis sechs mal ablichten, damit PhotoAcute aus diesem Stapel die jeweils besten Bildinformationen extrahieren und daraus ein qualitativ hochwertiges größeres Bild berechnen kann. Man spricht hierbei von Super Resolution Processing (SRP). Standardmäßig verdoppelt PhotoAcute die Bildgröße.

Im Test haben wir drei Varianten verglichen: Eine Originaldatei und dieselbe Datei in der Größe verdoppelt – einmal mit Photoshop CS3 und einmal mit PhotoAcute Studio Pro. Betrachtet man die Varianten bei einer Anzeige von 600 Prozent beziehungsweise 300 Prozent, fällt deutlich auf, dass die Originaldatei stark aufpixelt und viele Details nicht sichtbar sind. Die in Photoshop vergrößerte Datei zeigt zwar weniger Aufpixelung, hat jedoch an Unschärfe deutlich zugenommen. Die mit PhotoAcute bearbeitete und in der Größe verdoppelte Datei (auf Basis eines 4,5 und 6 Fotos umfassenden Stapels) zeigt die beste Schärfe und Prägnanz des Motivs. Das Bildrauschen hat gegenüber dem Original deutlich abgenommen. An Helligkeit haben zwar einige Stellen im Bild verloren, aber das ist lediglich eine Frage der Einstellungen und kann auch im Nachhinein leicht angepasst werden.

PhotoAcute

Bilder im direkten Vergleich: Links das Originalbild, in der Mitte mit Photoshop und rechts mit PhotoAcute vergrößert. Das rechte Bild hat sichtbar weniger Rauschen und eine klarere Zeichnung. ((Ins Bild klicken für größere Ansicht.))


Mehr Schärfe und Dynamik

Das Erhöhen der Bildauflösung ohne Schärfeverlust ist zwar die zentrale Funktion von PhotoAcute, doch das Tool kann noch mehr. Auf Wunsch nimmt es auch Korrekturen an der Bildgeometrie vor, um etwa stürzende Linien geradezurichten und die Perspektive zu retten. Haben sich bewegte Objekte in eine Bilderserie eingeschlichen, wie die klassische davonfliegenden Taube, können diese auf Wunsch ebenfalls aus dem Zielbild getilgt werden, indem aus den Bildern nur die Daten einfließen, die das Objekt nicht beinhalten. Zudem lassen sich chromatische Aberrationen beseitigen. Diese farbigen Lichtränder um Bildobjekte fallen vor allem bei Vergrößerungen sehr störend ins Auge. Liegen mehrere Bilder eines Motivs, aber mit unterschiedlichen Fokussierungen (Schärfeebenen) vor, kann PhotoAcute recht zuverlässig die Schärfeebenen in einem Bild kombinieren und dieses dann scharf durchzeichnen.

Ausgesprochen nützlich ist die Funktion Expanding Dynamic Range, die dem klassischen DRI (Dynamic Range Increase) entspricht und für HDR-Bilder (High Dynamic Range) sorgt. Hintergrund ist das alte Problem hoher Kontraste im Motiv: Wer etwa ein Teil des dunklen Wohnzimmers sowie den dahinter liegenden sonnenüberfluteten Balkon fotografieren will, beleuchtet entweder auf den Balkon, dann wird das Zimmer zu dunkel, oder auf den Innenraum, dann wird der Balkon zu hell. DRI nutzt die Daten mehrerer Fotos, um alle Ausleuchtungsebenen in einem Bild zusammenzuführen, so dass schließlich alle Elemente gut durchgezeichnet sind. PhotoAcute ist hier längst nicht so professionell angelegt wie Photomatix Pro, erzielt aber mit wenig Aufwand recht ordentliche Ergebnisse, indem es aus Schatten und Lichtern sichtbar mehr Informationen herausholt als mit den einzelnen Originaldateien möglich sind.

PhotoAcute

Besonders bei kleinen Digicams mit geringer Auflösung und hohem Rauschfaktor kann PhotoAcute rettend eingreifen. ((Ins Bild klicken für größere Ansicht.))


Einfache Bedienung

Am einfachsten erzielen Digitalfotografen Verbesserungen ihrer Bilder mit PhotoAcute, wenn sie eine hohe ISO-Zahl verwenden. Denn die dadurch kürzere Verschlusszeit verhindert Wackler und erlaubt eine kleinere Blendenöffnung (also eine höhere Blendenzahl), die für mehr Schärfentiefe sorgt. Die automatische Ausrichtung der Einzelbilder des verarbeiteten Stapels funktioniert gut. Das Tool beschneidet auch automatisch, wenn der Benutzer dies wünscht. So sorgt PhotoAcute auch bei handgemachten Fotos für gute Ergebnisse. Wer mit Stativ fotografiert, besitzt natürlich mehr Freiheiten und kann längere Verschlusszeiten, geringere ISO-Zahlen und größere Blendenwerte leichter verkraften. Um aus den Bildern dennoch mehr herauszuholen, nicht nur an Größe, sondern auch an Dynamik, empfiehlt sich das RAW-Format, für das es ein entsprechendes Preset im Programm gibt.

Die Bedienung von PhotoAcute ist erfreulich simpel, wenngleich die GUI nicht dem Windows-Standard entspricht. Einfach eine Bilderreihe fotografieren, die Dateien über den Open-Befehl in PhotoAcute einladen, vergleichen, in die Berechnung einzubeziehende Fotos auswählen und auf Start klicken. Jetzt aus den Optionen die gewünschten auswählen und die Maschine den Rest erledigen lassen. Die Tile-Ansicht erlaubt, die Einzelfotos mit dem neuen Bild in Detailausschnitten exakt zu vergleichen. Wer unzufrieden ist mit dem Ergebnis, ändert die Parameter und berechnet das Bild neu. Das Bearbeiten einer Serie von fünf JPGs im 8-Megapixel-Format (100 ISO, wenig Rauschen) dauert im Test rund fünf Minuten. Die Kombination von sechs Bildern, die mit 400 ISO geschossen wurden und mehr Rauschen enthalten, dauert knapp 8 Minuten im Test. Da die Ergebnisse jedoch gut ausfallen und die Dateien immerhin doppelt so groß sind wie vorher, fällt die Wartezeit nicht stark ins Gewicht. Zum Vergleich: Aus einem rund 2,6 MByte großen JPEG wird binnen fünf Minuten ein 175 MByte großes TIF, das die doppelten Ausmaße und sichtbar mehr Schärfe, aber weniger Rauschen aufweist. Guter Posterdruck mit Digicams auch kleinerer Auflösungen wird damit kein Problem mehr sein. Zudem holt PhotoAcute selbst aus ISO-25-Bildern noch etwas mehr Zeichnung heraus.

Bevor Anwender PhotoAcute lizenzieren, sollten sie es testen. Auf der Website www.photoacute.com ist eine zeitlich und funktional unbeschränkte Testversio
n abrufbar. Einzige Einschränkung ist ein in gespeicherte Dateien integriertes Wasserzeichen. Ein individueller Test ist deshalb sinnvoll, weil sich die besten Ergebnisse mit PhotoAcute erzielen lassen, wenn Kameras und Objektive eingesetzt werden, für die ein entsprechendes Profil verfügbar ist. Für DSLR-Kameras sind etwa Profile der wichtigsten Modelle von Canon, Fuji, Konica Minolta, Leica, Nikon, Olympus, Pentax, Sigma und Sony verfügbar. Die komplette Liste findet sich auf der Anbieter-Website. PhotoAcute lässt sich zwar auch mit anderen Modellen einsetzen, dann müssen Anwender aber prüfen, welches der Profile am besten zur eigenen Ausstattung passt und die besten Ergebnisse bringt – das kann recht mühselig werden.

PhotoAcute

Gelungene Bedienung: Alle Einstellungen von PhotoAcute sind per Checkbox und Pull-down-Menü schnell erreichbar. ((Ins Bild klicken für größere Ansicht.))


Testergebnis

PhotoAcute Studio Professional ist für das verlustfreie Vergrößern von Digitalfotos auf Basis vorhandener Serienschüsse hervorragend geeignet und erfreulich einfach zu bedienen. Bislang gibt es das Tool zwar nur auf englisch, doch Ende des Jahres soll Version 3.0 mit deutscher Programmoberfläche erscheinen. Die ist dann auch offiziell kompatibel zu Windows Vista – im Test ergaben sich jedoch auch mit PhotoAcute 2.82 keine Probleme.

Die Unterstützung von RAW-Dateien ist Usern der Professional-Version vorbehalten, die sich Adobes kostenlosen DNG-Converter in das Stammverzeichnis von PhotoAcute kopiert haben. Wer darauf verzichten kann und nur eine Digicam mit eingebautem Objektiv einsetzt, dem reicht die Standard Edition. Für Besitzer von DSLRs mit Wechselobjektiven empfiehlt sich jedoch unbedingt die Pro-Version, da diese auch die entsprechenden Berechnungsprofile beinhaltet.

PhotoAcute Studio Professional 2.82
Hersteller: Almalence
Internet: www.photoacute.com
Preis: 119 US-Dollar (Studio Pro), 49 US-Dollar (Studio Standard)

Note: gut
Leistung (50 %): gut
Bedienung (20 %): sehr gut
Ausstattung (30 %): gut

Das ist neu
– Rauschreduktion für HDR
– Verbesserung der automatischen Entfernung bewegter Objekte in Bildserien
– neue Kamera- und Objektivprofile
– Kompatibilität mit Adobe Camera RAW ab 4.2
– diverse Bugfixes

Systemvoraussetzungen
Betriebssystem : ab Windows 9x, Vista (inoffiziell), MacOS X 10.4.8, Linux (mit Wine ab 0.9.32)
Prozessor: ab Pentium 3, Athlon XP, PowerPC G4
Arbeitsspeicher: ab 512 MByte, min. 1 GByte empfohlen
Festplatte: 50 MByte freier Speicherplatz, zzgl. Platz für Projektdaten