Der Bankdatenskandal, der vielleicht gar nicht so neu ist

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Bankdaten sind in Umlauf, werden auf CDs verhökert. Beträge werden unberechtigt von Konten abgebucht. Eine gar nicht so neue und überraschende Praxis, wie aus eigener Erfahrung zu berichten.

Es ist längere Jahre her, als mein Konto grundlos um einen dreistelligen Betrag erleichtert wurde. Von einer dieser staatlich legalisierten Klassenlotterien. Es könnte die Süddeutsche Klassenlotterie (SKL) gewesen sein, um die es auch in der aktuellen Datenaffäre geht. Dabei hatte ich noch nie im Leben Lotto, Toto oder Klassenlotterie gespielt. Also nichts wie zur Bank und wahrheitsgemäß beteuert, dass ich noch nie was mit Glücksspielen am Hut hatte. Die Banklady sah ungläubig drein, buchte den Betrag aber umgehend zurück.

Aufgrund der Umstände drängte sich mir damals die Annahme auf, dass die Commerzbank meine Daten an diese Lotteriefirma weitergereicht hatte. Vielleicht nur zu Werbezwecken, aber dort waren sie offenbar auf wundersame Weise in eine Stapelverarbeitung von Abbuchungen geraten. Zu beweisen war das nicht, und die Datenschützer waren damals noch weniger aktiv als heute. Und sollte ich wirklich der einzige gewesen sein, dem so etwas passierte?

Mich überrascht der Alarm daher nicht im geringsten, den die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein jetzt schlägt. Nach Anrufen von Callcentern erfolgen Abbuchungen durch die Süddeutsche Klassenlotterie (SKL), obwohl die Angerufenen gar nichts von Glücksspielen wissen wollen. Möglich ist das offenbar dadurch, dass den Callcentern Listen vorliegen, auf denen die Kontoverbindungen der Angerufenen stehen. Thomas Hagen, Sprecher der Verbraucherzentrale:

“Diese Tatsache ist erschreckend! Uns sind die ersten Fälle bekannt, in denen von Konten der betroffenen Verbraucher abgebucht wurde, obwohl diese unmissverständlich jegliche Teilnahme an einem Glückspiel ablehnten.”

Der Verbraucherzentrale ging anonym eine CD mit mehr als 17.000 Datensätzen zu. Sie enthielten neben dem Namen, der vollständigen Adresse, der Telefonnummer und dem Geburtsdatum auch die kompletten Bankdaten. Eine erste Spur zur dunklen Herkunft der Daten gibt es bereits: Die Bezeichnungen der Exceldateien weisen auf die Süddeutsche Klassenlotterie (SKL).

Es ist überfällig, diese Lotterien und ihr Umfeld näher zu beleuchten. Auch und gerade, weil sie für hohe staatliche Einnahmen sorgen. Kenner der Szene vermuten schon lange, dass die Kontrolle über diese Firmen eben deshalb so lasch ist.

Keine Zeit mehr, ich frag mal besser gleich meinen Kontostand ab …

(bk)

Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein