Iphone: Chaos in Apples App-Store

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Bislang verschwanden drei Anwendungen ohne jede Erklärung wieder aus den Angeboten, die Apple für das Iphone zulässt. Apple schießt sich mit seiner bizarren Neigung zu Kontrolle und Geheimhaltung selbst ins Bein – Nokia & Co dürfen sich freuen.

Die Affäre um die kleine Modem-Anwendung Netshare, die Notebooks eine Internetverbindung über das Iphone erlaubt (hätte), geht in die Verlängerung. Und gibt interessante Einblicke in Apples Zulassungsprozeduren für Iphone-Apps.

Die praktische Anwendung für nur 10 $ konnte gerade mal 20 Minuten lang angeboten werden, dann war sie aus dem AppStore verschwunden. Sie kam noch einmal kurz wieder, verschwand erneut. Das ist über eine Woche her, und von Apple ist offiziell noch immer nichts zu hören.

Apples exklusiver US-Mobilfunkpartner AT&T bestätigte inzwischen jedoch, Tethering – die Anbindung von PCs oder Notebooks an das Iphone, für welchen Zweck auch immer -, sei nicht erlaubt. Fragt sich nur, warum diese Klausel für das Iphone gilt, während AT&T eine solche Nutzung bei anderen Handys ganz und gar nicht zu stören scheint.

Gleichfalls aus dem AppStore verschwand die Anwendung Box Office, mit der Anwender in Erfahrung bringen konnten, welche Filme wann und wo laufen, um die Eintrittskarten käuflich zu erwerben. Apples Aktion ließ einen verwirrten und enttäuschten Entwickler zurück, da ihm kein Grund für die App-Sperre genannt wurde. Gar nicht einverstanden ist auch Armin Heinrich, dessen 999-$-Anwendung “I am rich” ebenfalls ohne Angabe von Gründen entfernt wurde.

Netshare-Entwickler Nullriver hat im Lauf der Woche immerhin Hinweise bekommen, wenn auch widersprüchliche. Zunächst bekam er zu hören, die Entfernung von Netshare sei ein Fehler gewesen, der eine “technische Überprüfung” erfordere. Das erwies sich aber als Hinhalte-Erklärung, denn mittlerweile heißt es, Apple überprüfe die Verträge mit den Mobilfunkanbietern einschließlich AT&T. Ein dauerhaftes Verbot der Modem-Software scheint zumindest für die USA wahrscheinlich zu sein. Nullrivers CEO ist enttäuscht von Apples Zulassungspraxis für die exklusiv von Apple genehmigten Iphone-Anwendungen:

“Soweit ich das beurteilen kann, ist das Zulassungsverfahren nicht besonders streng. Es ist eher technisch und nicht auf den Inhalt bezogen, wie es scheint. Ich denke, sie lassen die Anwendungen laufen, und wenn sie nicht abstützen, dann genehmigen sie sie. Sie klicken sich offenbar gedankenlos durch, und wenn es Probleme gibt, entfernen sie die Apps wieder.

Sie schießen sich damit selbst in die Füße; vermutlich haben sie einfach zu wenig Leute. Wir werden sehen, wie das weiter läuft. Hoffentlich bekommen sie nicht zu viel schlechte Presse und es ruiniert das Iphone nicht, denn ich will dafür entwickeln.”

Die Presse von Forbes bis hin zur Washington Post sieht Apples rigide Kontrolle über die Iphone-Anwendungen inzwischen als eine Steilvorlage für Nokia. Gerne erfolgt auch der Hinweis auf eine Software von Jaikusuft, die aktuelle Symbian-Smartphones von Nokia in einen WLAN-Hotspot verwandeln – und damit sogar mehrere Computer mit einer mobilen Internetverbindung versorgen könne.

(bk)

Wired

Washington Post

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