Burda geht auf Kaffeefahrt im Internet

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Burda will im Printbereich 10 Prozent einsparen und schiebt gleichzeitig Geld ins Internet. Dort zahle zwar niemand für Inhalte – aber der Verkauf von Taschen und Bratpfannen soll es bringen.

Medienmogul Burda aus dem Badischen starrt schon lange gebannt auf diese seltsamen Onlinewelten. Größere Webportale wie Flickr waren ihm zu teuer, und er erkannte selbst, seine eigenen Leute könnten so etwas in Burdas Unternehmenskultur nicht entwickeln. Er beschied sich schließlich damit, ein paar Gaming-Portale zu kaufen, um daraus ein europäisches Videospieler-Netzwerk sprießen zu lassen.

Jetzt will Burda ernst machen und bis 2011 ein ganzes Drittel der eigenen Umsätze mit dem digitalen Geschäft machen. Und holte sich dafür ausgerechnet Chistiane zu Salm in den Vorstand, die sich als Chefin so legendärer Erfolgssender wie dem deutschen MTV und 9 Live für diese Aufgabe bewährt hatte.

Nach dem gnadenlosen Geschäft mit dem Anrufsender 9 Live macht ihr keiner mehr so leicht etwas vor. Nein, für Inhalte erwartet sie keinen Cent: “Da sollten wir uns keine Illusionen machen. Journalistisch gestaltete Inhalte allein sind sehr schwer zu refinanzieren.”

Die Medienprinzessin hat aber schon die Idee für eine richtige Online-Goldgrube. Man müsse nur “Commerce, Inhalt und Monetarisierung zusammenbringen. Wir bündeln so Zielgruppen, verknüpfen Print, Online-Auftritt und E-Commerce. Wer dann auf die Homepage von ‘Elle’ klickt, kann vielleicht eine Designertasche kaufen. Oder bei ‘Meine Familie & ich’ Tischdekoration und Küchengeräte bis hin zur Bratpfanne.”

Und auf die Frage, ob das etwas mit Journalismus zu tun habe, hat zu Salm eine entschiedene Antwort parat: “Von alten Denkhaltungen müssen wir uns verabschieden.”

(bk)

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung