Schweizer Piratenjäger: Was läuft bei eparken.com?

Allgemein

Offenbar aus dem Umfeld der umstrittenen Schweizer Logistep AG, die sich als Antipiracy Firma bezeichnet, wurde eine mysteriöse Website gestartet.

“Massenabmahnungen auf Knopfdruck?” fragen die Kollegen von Gulli, die sich Hintergrund und die personellen Verflechtungen zwischen Logistep und eparken.com genauer angesehen haben. Sie sind offenbar etwas vorsichtig geworden, seit die Logistep AG aufgrund einer Meldung nicht wie üblich eine Gegendarstellung sandte, sondern Strafanzeige gegen Unbekannt stellte – weil sie “bewusst in Misskredit” gebracht worden sei. Das ist eine im Umgang mit der Presse völlig unübliche Aktion und wirft ein bezeichnendes Licht auf dieses Unternehmen.

Dieser Firma scheint es wenig zu gefallen, wenn das Licht der Öffentlichkeit ihre Aktivitäten beleuchtet. Dafür könnte es gute Gründe geben, denn Logistep hat inzwischen auch international einen zweifelhaften Ruf. Mike Masnick schildert die Firma in Techdirt aus US-Sicht:

“Die britische Anwaltskanzlei Davenport Lyons hat sich einen Namen gemacht, indem sie unglaublich aggressiv jeden bedrohen und verklagen, von dem sie vermuten, dass er mit Filesharing zu tun hat, wie dünn die Indizien auch immer sind. Tatsächlich verlässt sich Davenport Lyons auf die zunehmend fragwürdigeren Beweise der Firma Logistep. Deren Beweise sind so wacklig, dass festzustellen war, dass die Firma sowohl in Italien als auch der Schweiz die Gesetze gebrochen hat. Und, ach ja, eine weitere Anwältin, die sich auf fragwürdige Beweismittel von Logistep verließ, erhielt in Frankreich sechs Monate Berufsverbot, nachdem die Anwaltskammer von Paris erkannte, dass diese fragwürdigen ‘Beweise’ für erpessungsähnliche Abmahnschreiben verwendetet wurden, die Geld dafür einfordern, nicht vor Gericht zitiert zu werden.”

Das Warsaw Business Journal berichtet in ähnlicher Weise über die Aktivitäten polnischer Firmen, die ebenfalls mit Logistep zusammen arbeiten. Es zitiert dazu den früheren Generalstaatsanwalt Kazimierz Olejnik: “Der ganze Ablauf der Aktivitäten bei diesen Firmen ist verdächtig.”

Das sind klare Aussagen. Ob es sich Logistep jetzt auch noch per Strafanzeigen mit der internationalen Presse verderben will?

Von der Strafanzeige vielleicht erst recht motiviert, haben es sich die Jungs von Gulli ein paar Tage und Nächte kosten lassen, mehr über die neuesten Aktivitäten im Logistep-Umfeld zu enthüllen. Sie bekamen die URL sowie weiterführende Materialien zugespielt und machten erstaunliche Entdeckungen. Die Datenbankverwaltung – von Bankmanagement über Messagemanagement bis zu Call Center – sieht aus, als eigne sie sich für neue Wellen von Massenabmahnungen. Unter Administration finden sich Vorlage, Mandat, Mitarbeiter, Provider, Fristen, Bank, Gericht, Mahnung und Täter.

Die Website eparken.com scheint noch im Entwicklungsstadium zu sein. Die Oberfläche des Logistep Data Management Tool ist derzeit öffentlich zugänglich und gibt interessante Einblicke in die Arbeitsweise der Firma und mögliche Erweiterungen ihres Geschäftsmodells. Der dazu befragte Rechtsanwalt Dr. Alexander Wachs:

“Es ist schwer möglich zu beurteilen, ob die Logistep AG nun tatsächlich ihr Geschäftsfeld erweitert. Abstrakt gesprochen wäre es interessant für Logg-Firmen mit entsprechendem Know-how eine Lösung ‘aus einer Hand’ den Rechteinhabern anzubieten. Es wäre betriebswirtschaftlich die logische Konsequenz aus den bevorstehenden Gesetzesänderungen, nach denen ‘nur noch’ 100 Euro Anwaltskosten zuzüglich Schadensersatz geltend gemacht werden dürfen, eine Lösung aus einem Haus anzubieten. Möglicherweise wird sogar auf Anwälte verzichtet. Ob sich eine solche Lösung aber in Deutschland durchsetzt, darf bezweifelt werden.”

(bk)

Gulli

eparken.com

Techdirt

Warsaw Business Journal

Numerama über die “Affäre Techland / Logistep”