US-Gericht: Regierung nicht an Copyright gebunden

Allgemein

Interessante Wendung in der Entwicklung des Verlagsrechts, Schlupflöcher für den Staat entdeckt.

Ein US-Berufungsgericht entschied, dass die Regierung und ihre Unterabteilungen (in unserem Fall die Luftwaffe) nicht an die sonst allgemein gültigen Regeln des Copyright gebunden seien. Der dafür zuständige Digital Millennium Copyright Act (DMCA) sei in einer Weise verfasst, so das Gericht, die sich nur gegen Einzelpersonen richte, nicht aber gegen die Regierung. So hatten wir das bisher nicht gesehen, wir dachten immer, Recht sei Recht, egal, von wem es gebrochen wird.

Die Vorgeschichte ist ebenfalls einigermassen bizarr. US-Luftwaffen-Sergeant Mark Davenport wurde der Personalabteilung der Air Force zugeteilt und empfand die Verwaltung als ausgesprochen ineffizient. Also stellte er einen Antrag auf Weiterbildung, er wollte Informatik lernen, was ihm aber verweigert wurde. Da Davenport wohl vom alten Schlag bzw. echten Schrot und Korn ist, erlernte er Datenprogrammierung autodidaktisch und schrieb eine funktionierende Personalverwaltungssoftware. Keiner wollte seine Arbeit sehen oder anerkennen, also verkaufte er sie an die Firma Blueport. Nachdem er zuletzt doch eine Gelegenheit erhielt, die Datenbank seinen Vorgesetzten vorstellte, wurde er befördert und erhielt die Aufforderung, den Code an die Luftwaffe zu übergeben. Zu diesem Zeitpunkt war das Programm aber schon verkauft, und man landete vor Gericht.

Warum allerdings dieses nicht einfach entschied, die Software wäre Besitz der Streitkräfte, da sie von einem Angehörigen derselben in seiner Dienstzeit entwickelt wurde, sondern statt dessen das gesamte Verlagsrecht in Schieflage brachte, bleibt mit ein Rätsel. [fe]

Ars Technica