Web 2.0: Wissen teilen statt horten
Kommunikation gehört zur Unternehmenskultur

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Bei der Einführung von Blogs, Wikis und Co. kommt es nicht nur auf das richtige Tool an, sondern vor allem auf die Beantwortung der Frage: Passt Web 2.0 zu meiner Unternehmenskultur?

Chance: Krisen schneller bemerken und klären

Derzeit nutzen bereits etwas mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen Blogs, Wikis oder soziale Netzwerke, und 60 Prozent der Firmen wollen diese Technologien künftig weiter ausbauen. Zu diesem Ergebnis kommen Branchenverband Bitkom und Oracle in einer noch nicht veröffentlichten Studie, für die sie über 400 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen befragt haben.

Ein Vorteil von Web 2.0: Unternehmen können besser auf neue Markttrends reagieren. Vor allem junge Mitarbeiter erwarten Kommunikationsformen wie Instant Messaging oder Blogs, die sie aus ihrem Umfeld kennen.

Als Risiko verbreiten sich kritische Meinungen schneller. Gleichzeitig besteht aber die Chance, Krisen schneller zu bemerken und gegebenenfalls zu klären. „Unternehmen können sich in einer Art Reality-Check permanent fragen, ob das, was sie tun, noch zur Welt passt oder geändert werden muss.“ So nennt es Frank Martin Hein, Director of Communications bei Bombardier Transportation gegenüber IT im Unternehmen.

Seiner Meinung sollte ein Unternehmen, das 2.0-Technologien einsetzen möchte, zu allererst die Hauptfrage stellen: Was sind die Ziele meines Unternehmens und wie kann Web 2.0 sie unterstützen? Die Antwort sei entscheidend für die Auswahl von Technologien. Denn das Problem liegt nicht in der Technik, sondern in der Fähigkeit der Mitarbeiter und Führungskräfte, sie richtig einzusetzen.

So nutzt es wenig, Blogs einzuführen, in denen jeder mitschreiben kann, wenn ein Unternehmen streng hierarchisch organisiert ist und dies auch bleiben will.

Web 2.0 heißt: Wissen teilen, nicht horten – ein zentraler Paradigmenwechsel. Wer das will, sollte sich um den Einsatz von Blogs und Wikis, um Tagging, Unternehmens-TV etc. kümmern. Wer nicht, sollte es lieber lassen. Aber letztlich sollten sich Unternehmen gut überlegen, wie sie sich folgenden Vorteil zu Eigen machen können: Elektronisch unterstützte Gruppen können bessere Ergebnisse erzielen als die jeweils beste Einzelperson für sich. Das schreibt Heim in seinem Buch „Elektronische Unternehmenskommunikation“


80 Prozent des Wissens ist in E-Mails versteckt

Mit kooperativen Werkzeugen, die das gegenseitige Zuhören in Diskussionen fördern, lassen sich vollkommen neue Ergebnisse erzielen. Hier gibt es die Zuhörlösung Synthetron die eine schriftliche Diskussion von bis zu 200 anonym vor ihren Rechnern sitzenden Menschen in Echtzeit erlaubt. Intuitiv filtern sie die besten Erkenntnisse der Gruppe heraus – ohne dass die Hierarchiestufe der Teilnehmer bekannt ist.

So kann ein Unternehmen über viele Menschen verteilte Erkenntnisse zu nutzen. Mit Kommunikationsformen wie der guten alten E-Mail ist dies nur bedingt möglich. Sagenhafte 80 Prozent des Wissens seien in E-Mails versteckt, sagt Hein. Das heißt: Wissen ist überwiegend proprietär.

Daher seine provokante These: Wie wär’s, E-Mails im Unternehmen abzuschaffen? Wenn stattdessen jeder bloggen würde und die Einträge mit Stichwörtern versieht, hat jeder die Chance, auf das Wissen zuzugreifen, unterstützt beispielsweise durch RSS-Feeds oder Suchmaschinen. Ungewohnt vielleicht für einen Teil des Managements, wenn es sieht, dass Mitarbeiter dank Wiki und Co. plötzlich mehr wissen als sie.

Ein Einsatz von kooperativen Kommunikationsformen hat aber auch Konsequenzen für das Unternehmen: Wenn Projektmitarbeiter ihr Wissen abteilungs- und unternehmensübergreifend austauschen, stellt sich schnell die Frage, welchen Stellenwert kompetente Fachleute im Unternehmen dann einnehmen – oder ob nicht doch letztlich die wichtigen Entscheidungen nach der klassischen Hierarchie per „Order de Mufti“ fallen. Und: Wo sind überhaupt die Unternehmensgrenzen?

„Eine Wahl mit und ohne Blogs gibt es ohnehin nicht. Also ist es besser, sich eine Strategie dazu zu überlegen und zu handeln – statt nur abzuwarten, denn verschwinden werden sie nicht mehr“, so Hein.