Der Backbone des Internets hat Kreuzschmerzen

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Ob TV-Streaming oder YouTube-Clips, ob HD-Downloads oder P2P-Verkehr, die Infrastruktur ächze ganz schön unter dem wachsenden (Video-) Traffic.

Desaster-Prognosen aus den Reihen der Internet-Experten, Breitband-Provider und ISPs ist natürlich nichts Neues. Aber der Warnton wird schriller, so dass man sich unwillkürlich fragt: Können Backbones brechen? Werden Performance, echtes Breitband und unlimitierte Flatrates bald wieder zum Luxusgut? Werden Video und Green IT die Grenzen des Wachstums aufzeigen? Gerade die bewegten Bilder sind ein Quell wuchernder Datenmengen: YouTube hebt die Längenbeschränkung für die Clips auf, während Firmen gerade das Medium Video für sich entdecken. Nicht zur Unterhaltung, sondern um Geld zu sparen: Statt teure Benzin- und Kerosin-Reisen zu veranstalten, werden die Mitarbeiter diverser Standorte verstärkt per Videokonferenz, Web-Training, Online-Teamworking und Online-Seminar miteinander verknüpft. Das ist gut für die Firmenkasse, für die CO2-Bilanz und schlecht fürs Backbone.
Würden nun noch Video-Qualität erhöht und das TV-Streaming via Web eine Massenveranstaltung, könnte uns der Internet-Himmel auf den Kopf fallen, befürchten die Pessimisten: “Die größten Probleme tauchen gerade auf und verlängern in naher Zukunft die Seitenladezeiten. Wichtige Internet-Applikationen werden ins Stocken kommen, vor allem Firmenkunden werden sauer sein, und zwar auf die Video-Community, welche die Online-Profis und -Businesses einbremst”, prophezeit Ken Godskind, Web-Evangelist bei AlertSite. Er empfiehlt den Unternehmen jetzt einmal inne zu halten und sich ein paar wichtige Fragen zu stellen: Ist die magere Netzwerk-Performance wirklich ein Netzwerk-Problem? Kann der ISP helfen, den Kundenverkehr besser zu regeln? Oder ist die Bandbreite schlicht und ergreifend ausgeschöpft?
Damit deutet er an, was die ISPs ohnehin und schon beinahe als Kampagne vor sich herbeten: Die bösen Kunden sind Schuld. Speziell jene mit unerschöpflichen Datenhunger, P2P-Faible und Breitband-Flatrate.
Andere sehen die Sache eher gemäßigt: “Jüngste Daten zeigen ein nicht mehr so extremes, eher managebares Wachstum des Internets. Ja, Video ist eine signifikante Kompenente im Datenverkehr, aber Backbone und System sind daran leicht in der Kapazität anpassbar”, glaubt James Crow, Technologie-Vizepräsident bei ON Networks. So, wie sich die Online-Gemeinde in bestimmte Richtungen entwickele, so würden auch die Technologien nicht stillstehen und sich enorm weiterentwickeln, ob flotteres Ethernet, bessere Glasfaser oder gar Plastik als Datenträger. “Video is daher keine Herausforderung fürs Internet. Noch nicht. Es ist bei weitem noch keine Massennutzung,” beruhigt auch Iain Molland, CEO des Videostreaming-Spezialisten Vividas. Vor allem sieht er weniger die Backbones in Gefahr, denn heute nutzen die meisten Video-Provider die Techniken des Content Distribution Networks (CDN), welches mehr die letzte Meile belastet. Und wenn Firmen tausende von CDN-Servern aufstellen, dann erweitere das ja zugleich die Infrastruktur des Netzes und entlaste die Web-Server, die somit nicht die Videodaten vorrätig halten müssen. (rm)

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