Die üblichen Verdächtigen dürfen das Iphone zuerst bejubeln

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Steve Jobs’ PR-Maschine lässt die gleiche Schau ablaufen wie im letzten Jahr. Während für alle anderen das Iphone 3G noch als Betriebsgeheimnis gilt, dürfen Apples Lieblingsschreiber schon verkünden, wie toll sie es finden.

Als besonders bereitwilliger Speichellecker profiliert sich der einst renommierte Walter Mossberg vom Wall Street Journal mit der Werbetexter-Überschrift: “Neueres, schnelleres, billigeres Iphone 3G”. Wären wir nicht von selber drauf gekommen, dass ein neues Gerät ein neueres ist. Und schneller sollte ein UMTS-Iphone von Haus aus sein, warum sollte man sonst auch das alte entsorgen. Und billiger ist erst recht Quatsch, weil es einfach nur stärker subventioniert ist und Apples exklusiver US-Partner jeden Cent über zu diesem Zweck eigens erhöhte Tarife wieder reinholt. Das erwähnt Mossberg zwar im Text, aber Jobs war wohl nur die Überschrift wichtig.

Schmeichelschreiber Nummer zwei, Edward C. Baig von USA Today, ist ebenfalls dicht dran an Apples Erwartungen mit der ihm zugeteilten Überschrift: “Apples neues Iphone 3G: Noch immer nicht perfekt, aber ganz nah dran”. Seine Lobhudelei beginnt mit “billiger” (aha), “schneller” (aha), “viel freundlicher für Unternehmen” und “Apples Blockbuster-Smartphone”. Und endet schließlich mit “ich halte enthusiastisch meinen Daumen hoch”.

Nur David Pogue von der New York Times wagt Zwischentöne und verkündet mit relativer Zurückhaltung: “Das ‘Neu’ ist relativ beim Iphone”. Es ist also weder neu noch alt, sondern relativ. Alles ist relativ, alles fließt. Im weiteren Textfluss lobt er die “phantastischen Preise für ein Gerät mit einer solchen Raffinesse”, erwähnt dann aber auch, dass Apples Behauptung vom “halben Preis” nicht stimme. So relativ gesehen.

Immerhin sagt Pogue auch einige Schwächen des Geräts an. Die GPS-Antenne ist offenbar so schwach ausgelegt, dass sie nur für die Ortsbestimmung zwischendurch, nicht aber für wirkliche Navigation taugt. Das erklärt allerdings, warum Apple sich jegliche Navigationsanwendung durch Drittanbieter verbeten hat. Und auch sonst fehlt noch einiges:

“Leider fehlen noch immer einige Standardfeatures von Mobiltelefonen, die schon das erste Iphone vermissen ließ. Es gibt noch immer keine Sprachsteuerung, Videoaufnahmen, Kopieren / Einfügen, Speicherkartenslot, Stereoprofil für Bluetooth, MMS.”

Ein echter Knackpunkt dürfte aber der noch immer nicht austauschbare Akku sein, zumal schon dem begeisterten Mossberg nicht entging, dass der Akku sich dank UMTS wesentlich schneller erschöpfte als beim vorhergehenden Modell und damit deutlich unter Apples Versprechungen lag. Im täglichen Gebrauch zeigte die Batterieanzeige manchmal schon am frühen Nachmittag weniger als 20 Prozent an, und an einem Tag ging der Saft ganz aus. Damit habe sich das Iphone durchaus ähnlich wie einige konkurrierende Produkte verhalten – die aber im Gegensatz dazu über austauschbare Akkus verfügen.

Relativ wenig wussten Apples Lieblingsschreiber über die Iphone-Software 2.0 zu sagen, und auch den App Store und die zu erwartenden Anwendungen erwähnten sie eher nebenbei.Warum bediente sich Apple dieser Claqueure, statt technisch versiertere Autoren an das Iphone zu lassen? Nur weil die sich nicht so leicht zu Überschriften wie “Neueres, schnelleres, billigeres Iphone 3G” überreden lassen?

(bk)

Wall Street Journal

USA Today

New York Times