Wine 1.0
Windows-Tools für Linux

BetriebssystemOpen SourceSoftwareWorkspace

Wer mit Linux arbeitet, hat zwar aus allen Bereichen eine Menge Anwendungen zur Auswahl, wenn es aber Photoshop oder Microsoft Office sein müssen, dann braucht man eine Software wie Wine. Das kostenlose Programm bildet die Windows API nach und erlaubt es, Windows-Programme unter Linux zu nutzen.

Einfache Bedienung

Trotz einer sicheren Überzeugung und der Entscheidung für Linux gelingt der Komplettumstieg auf das freie Betriebssystem nur in den seltensten Fällen. Oft gibt es das Tool der Wahl oder ein interessantes Spiel ausschließlich für die Windows-Plattform. Oder die aktuellsten Programmversionen mit den besten Features sind als erstes für Windows im Angebot und erst Monate später für Linux. Damit Linux-User auf diese Programme nicht verzichten müssen, haben sich vor rund 15 Jahren Entwickler dazu entschlossen die Windows-API nachzubauen. Vor wenigen Tagen ist die Wine 1.0 fertig geworden.

Wichtig: Wer Wine 1.0 einsetzen möchte, muss vorher alle älteren Versionen entfernen. Für eine Reihe von Linux-Distributionen gibt es bereits fertige Binaries, die dann mit einem Paketmanager per Doppelklick installiert werden. Im Test ging das mit Ubuntu und openSuse problemlos. Aber auch der Quellcode zum Selbstübersetzen ist im Angebot. Windows-Programme unter Linux startet man “Linux-like” einfach über die Kommandozeile. Wer lieber eine Explorer-Ansicht mag, der sollte den Befehl Winefile ausprobieren, dann geht der Programmstart auch per Mausklick. Dieser Befehl ist neben Winecfg (ruft das Konfigurationsmenü auf) alles, was man für den Anfang braucht – die Bedienung ist also übersichtlich.

Meist gibt es von dem Windows-Tools der Wahl nur einen Installer, der dann mit Wine auch unter Linux ausgeführt wird. Überraschend viele Windows-Programme lassen sich im Test ohne große Probleme aufspielen. Doch Vorsicht, das heißt noch lange nicht, dass sie auch ohne Probleme laufen.

Die Kernfragen lauten: Laufen die wichtigsten Windows-Programme mit Wine auch unter Linux und wenn ja, spürt man Leistungsunterschiede?

Wine lässt sich entweder per Kommandozeile steuern oder über den Explorer-Ersatz Win File. ((Ins Bild klicken für größere Ansicht.))


Über 10 000 Windows-Tools

In einer Übersicht präsentiert die Wine-Community eine Liste mit über 10.000 Programmen und gibt dazu ihre Einschätzungen ab. So erfährt man etwa, dass Adobe Photoshop CS2 schon sehr gut läuft und die neuere Creative Suite 3 noch Probleme macht. Stichproben ergeben im Test ein gemischtes Bild: So funktionieren viele Tools, etwa Powerpoint-Viewer oder Miranda einwandfrei. Bei anderen Programmen scheitert schon die Installation oder der Betrieb wird immer wieder von Abstürzen begleitet (etwa Skype). Ärgerlich ist, dass zwar viele Programme laufen, Kernfeatures aber nicht unterstützt werden. Beispiel iTunes: Die Software gibt es nur für Windows und OS X, mit Wine kann man die aktuellste Version 7.6 auch problemlos installieren. Das Einkaufen im iTunes Music Store klappt aber nicht und der iPod-Support fehlt.

Die Wine-User sind eher bei Spielen aktiv, was die Rating-Listen der Programmdatenbank zeigen. Fakt ist: Wer bestmögliche Unterstützung für Microsoft Office unter Linux sucht, der sollte zum kostenpflichtigen Programm Codeweavers CrossOver Linux greifen.

Gut unterstützt: Die Viewer für Microsofts Office-Formate, hier für Powerpoint, laufen unter Wine tadellos. ((Ins Bild klicken für größere Ansicht.))


Need more Speed

Enttäuscht waren wir von der Performance der meisten Windows-Programme. Egal wie gut der Test-PC mit Hardware ausgestattet ist, in den meisten Fällen gab es eine merkliche Verzögerung bei Programmstarts und bei der Darstellung von Fenstern und Menüs.

Wie cool eine Integration von Windows-Programmen und Wine in der Praxis funktionieren kann, zeigt Google mit der Linux-Version von Picasa. Wie dynamisch es nun mit Wine weitergeht ist fraglich, denn nötige Features für die Zukunft, etwa 64-Bit-Support erfordern viele Veränderungen unter der Haube.

Für die wichtigsten Distributionen gibt es bereits fertige Binaries von Wine 1.0. ((Ins Bild klicken für größere Ansicht.))


Fazit

Wine ist zwar in Version 1.0 auf dem Markt, abgeschlossen ist die Arbeit deshalb aber noch lange nicht. Zwar gebührt den Entwicklern viel Respekt für das mühsame Nachbauen der Windows-API, wer heute unbedingt Windows-Programme braucht, bekommt aber mit Virtualisierungssoftware wie VMware Workstation, Microsoft Virtual PC oder Virtualbox die bessere Lösung.

Wine 1.0
Hersteller: Wine Projekt
Internet: www.winehq.org
Preis: kostenlos

Note: befriedigend
Leistung (40%): ausreichend
Ausstattung (30%): befriedigend
Bedienung (30%): befriedigend

Das ist neu
– Bugfixes (u.a. für Skype, WinRAR)

Systemvoraussetzungen
Betriebssysteme: Unix, Linux
Prozessor: Pentium IV / 1 GHz
Arbeitsspeicher: 512 MByte

Auch iTunes läuft mit Wine unter Linux – der iTunes Store lässt sich jedoch nicht ansteuern, und auch der iPod wird nicht erkannt. ((Ins Bild klicken für größere Ansicht.))