So schnell wird Symbian nicht “frei”

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Rechtliche und technische Hürden behindern die Umsetzung von Nokias Plan, Symbian und die S60-Plattform in ein Open-Source-OS zu verwandeln. Vor Ende 2009 geht vermutlich nichts – die Konkurrenz gewinnt Zeit.

Nokias Schachzug hat selbst die eigenen Mitarbeiter wie der Blitz getroffen. So gut hatte es mit der Geheimhaltung geklappt – oder hatte Nokia so hastig auf Iphone sowie das kommende Android OS reagiert?

Noch nie habe es ein Projekt dieser Größenordnung gegeben, um proprietären Code in die quelloffene Freiheit zu entlassen. Meint jedenfalls John Forsyth, bei Symbian für die strategische Entwicklung zuständig.

Zunächst einmal müssen die zuständigen Regulierungsbehörden ihr Plazet zu Nokias Übernahme der Minderheitsbeteiligungen an Symbian geben. Ernsthafte Probleme sind kaum zu erwarten, aber es braucht seine Zeit.

Zum anderen ist es alles andere als einfach, ein proprietäres Betriebssystem – das viele Technologien enthält, die von Drittanbietern stammen -, in Open-Source-Code zu verwandeln. Unter dem Strich bedeutet das, die neue Plattform der Symbian Foundation kann es kaum vor dem dritten oder vierten Quartal 2009 geben. Da bleibt Google mit seiner Android-Plattform ja noch reichlich Zeit für die Entwicklung. Und auch Microsofts Windows Mobile ist noch nicht am Ende – aber wer wird noch Lizenzen dafür abdrücken wollen, wenn es dank Android und Symbian auch ohne geht?

Der INQ hat nachgeforscht, was die Handyhersteller sparen, wenn Symbian tatsächlich lizenzfrei wird. Nach dem gegenwärtigen Preismodell müssen sie 7,25 $ je Gerät abliefern für die ersten zwei Millionen Mobiltelefone, die sie verkaufen. Für jedes weitere ermäßigt sich das auf 5 $ mit der Aussicht auf eine Reduktion bis zu jeweils 2,5 $ bei wirklich astronomischen Umsatzzahlen.

Entfielen diese Kosten, wäre das sicher willkommen im zu erwartenden Wirtschaftsklima. Symbian scheint zu hoffen, das Mobilfunk-OS werde künftig in weit mehr als nur in den 200 Millionen Handys eingesetzt, die bislang unter Symbian liefen. Träumen sie bereits von Milliarden Symbian-Geräten?

Hinweise gibt es auch darauf, warum sich Symbian für die Eclipse Public Licence (EPL) entschieden hat. EPL mache die Unterscheidung leichter zwischen dem, was freigegeben wurde und dem, was andere danach hinzufügen.

(bk)

The Inquirer UK

INQ: Nokia greift sich Symbian