Belauschte die Deutsche Telekom auch ihre Kunden?

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Nach Erkenntnissen der Wirtschaftswoche und des ZDF soll der Bonner Konzern nicht nur Aufsichtsräte, eigene Mitarbeiter und Journalisten bespitzelt, sondern zumindest 1996 wohl auch Telefonate von Kunden aufgezeichnet haben.

Neu aufgetauchte Unterlagen belegen angeblich, dass die Deutsche Telekom bereits 1996 einen Lauschangriff auf Kunden gestartet habe. Würde dies stimmen, dürfte der Konzern eindeutig das Fernmeldegeheimnis verletzt haben. Eine erste Stellungnahme der Telekom gegenüber dem ZDF klingt fast wie ein Schuldeingeständnis: “…nach damaliger Einschätzung … hielt man wegen der besonderen Eilbedürftigkeit eigene Maßnahmen zur Gefahrenabwehr für unerlässlich.”

Die Gefahrenabwehr, von der die Telekom spricht, bezieht sich auf einen abgeblichen “schweren Hacker-Angriff auf das Netz der Deutschen Telekom.” Genehmigt habe den Abhör-Vorgang laut Wirtschaftswoche der damalige Technik-Vorstand Hagen Hultzsch – aber eben kein Richter. Später soll der Telekom-Personalvorstand Heinz Klinkhammer auch noch versucht haben, die Bespitzelung zu vertuschen.

Die Abhöraktion betraf vier Telefonnummern von drei angeblich verdächtigen Personen. Rund 120 Anrufe seien erfasst und zum Teil aufgezeichnet worden. Erst im Juni 1997 habe die Telekom das Bundesministerium für Post und Telekommunikation über den Vorfall informiert. Gegenüber der Wirtschaftswoche kündigte nun Bundesdatenschützer Peter Schaar an, er werde die Vorgänge genauer untersuchen. (Ralf Müller)