Deckname “Bunny”: Telekom hörte angebliche Hacker ab

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Wie aus Dokumenten hervorgeht, die ZDF und Wirtschaftswoche vorliegen. Die Stasikom dementierte – aber nicht so richtig.

Die Schnüffel-Historie des Exmonopolisten reicht offenbar noch weiter zurück als bisher angenommen. Schon Mitte der 90er Jahre wurden als Hacker verdächtigte Kunden abgehört. Die Selbstjustizaktion fand ohne Mitwirkung von Staatsanwälten und schon gar nicht mit richterlicher Anordnung statt. Sie wurde abgesegnet und vertuscht durch Manager aus den höchsten Etagen. Ein Ministerium, das sich damals noch Bundespostministerium nannte, bekam dennoch Wind davon und rügte das illegale Vorgehen intern ein wenig, ohne den mutmaßlichen Gesetzesbruch und Verfassungsbruch öffentlich zu machen.

Das alles geht aus umfangreichen Dokumenten hervor, die in typischer Telekom-Amtssprache verfasst sind. Die Anrufe wurden erfasst und “technisch verfügbar gemacht”. Dabei wurden offenbar wie im jüngsten Datenskandal externe Schnüffel-Dienstleister für den schmutzigeren Teil des Jobs beschäftigt. In einem als “streng vertraulich” eingestuften Vermerk der Telekom heißt es, die Leitungen seien einer externen Dienstleistungsfirma im hessischen Haiger “zugeführt” worden. Telekom-Vorstand Hultzsch hatte den internen Papieren zufolge abgesegnet, die “Telefon-Anschlüsse auf Überwachung” zu legen.

Die Beteiligten von damals leiden inzwischen unter den für solche Fälle typischen Erinnerungslücken. Telekom-Sprecher gaben dementierende Statements ab. Laut Spiegel Online weist die Telekom “die Vorwürfe zurück”. Heise News bekam von einem Sprecher verklickert: “Es gibt keinen Beleg dafür, dass Kunden abgehört wurden.” Laut ZDF dementierte die Telekom “Mittschnitte”. Schon ganz anders liest sich das aber in einer von ZDF sowie Wirtschaftswoche zitierten Stellungnahme der Telekom:

“Angesichts eines nach damaliger Einschätzung unmittelbar drohenden schwersten Eingriffs in die Rechnersysteme der Telekom hielt man wegen der besonderen Eilbedürftigkeit eigene Maßnahmen zur Gefahrenabwehr für unerlässlich. So sollen mit Verweis auf den übergesetzlichen Notstand auch Telefonate von einer oder mehreren als Hacker dringend verdächtigen Personen mitgeschnitten worden sein.”

Derzeitige Verteidigungslinie des Schnüffelkonzerns scheint zu sein, man habe zwar abgehört, aber gar nicht richtig hingehört. Es sei, so lässt sich die Telekom beim ZDF vernehmen, nicht zum “Abhören” von Telefonaten gekommen. Vielmehr sei versucht worden, “aus dem Datenverkehr bestimmte Steuersignale (Hackercodes) zu ermitteln.” Und nein, zu Details wolle man sich nicht äußern.

Äußerst detailreich und überzeugend recherchiert ist hingegen der Bericht der Wirtschaftswoche. Die Telekom wird auch diesen neuen alten Schnüffelskandal nicht einfach aussitzen können.

(bk)

“Telekom: Wir haben mitgehört” (Wirtschaftswoche)

“Telekom hörte Kunden ab” (ZDF)

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