Microsoft Office Live Workspace
Microsoft wagt sich weiter ins Web

Office-AnwendungenSoftware

Zusammen mit Kollegen an einem Office-Dokument zu arbeiten, war bisher nicht einfach – zumindest, wenn man auf Lösungen von Microsoft angewiesen war. Dateien mussten umständlich per Mail verschickt und verschiedenen Versionen von Hand zusammengefügt werden. Mit Office Live Workspace will Microsoft diese Probleme nun angehen.

Microsoft vs. Google

Vor wenigen Tagen wurde die deutsche Beta-Version von Office Live Workspace vorgestellt. Vereinfach dargestellt handelt es sich um eine Online-Festplatte, auf der Anwender ihre Dateien speichern und für andere freigeben. Schon die englische Beta-Version wurde zur Konkurrenz von Docs ernannt, dem Online-Office von Google. Allerdings sind beide Dienste nicht unbedingt vergleichbar. Während Google Docs eine reine Web-Applikation ist, die nur ein Konto bei Google voraussetzt, ist Office Live Workspace vielmehr eine Erweiterung für Microsoft Office. Denn zum Bearbeiten der Dateien muss die Büro-Suite auf dem Rechner installiert sein.

Nachteile gegenüber Google Docs: Die Office-Pakete von Microsoft kosten viel Geld, der Benutzer kann nicht jeden Rechner zum Bearbeiten seiner Dokumente nutzen und Linux-User werden ausgeschlossen. Der Vorteil liegt beim Funktionsumfang. Da die Dokumente nach wie vor mit MS Office bearbeitet werden, stehen auch alle Features wie etwa Pivot-Tabellen oder Makros zur Verfügung – damit kann Google Docs nicht dienen.

Mit Office Live Workspace lassen sich beliebige Dokumente im Web speichern und für andere Nutzer zum Bearbeiten oder auch nur zum Betrachten freigeben. ((Ins Bild klicken für größere Ansicht.))

Integration in den Desktop

Jedem Anwender von Office Live Workspace stehen 500 MByte Speicherplatz zur Verfügung. Darauf können nicht nur Word-, Excel- und Powerpoint-Dateien abgelegt werden, sondern auch Bilder, PDFs und andere Dateien. Nur einige ausführbare Formate sind zum Schutz der User verboten.

Im Web können User Dokumente nur hochladen und ansehen, zum Bearbeiten müssen sie erst heruntergeladen werden. Microsoft hat dafür aber eine komfortable Lösung parat: Dank eines Add-ins bieten Office XP, 2003 und 2007 direkten Zugriff auf den Online-Speicher. Anwender benutzen diesen also wie einen lokalen Datenträger – abgesehen von der Ladezeit gibt es keine Unterschiede. Im Test dauerte das Öffnen einer sechsseitigen Word-Datei mit einigen Grafiken etwa 15 Sekunden, das Speichern zog sich sogar über eine Minute hin. Je nach Dokumentengröße und Bandbreite muss der User sich also in Geduld üben.

Den vollen Funktionsumfang von Office Live Workspace können übrigens nur User des Internet Explorers nutzen. Mit alternativen Programmen ist es beispielsweise nicht möglich, mehrer Dateien gleichzeitig hochzuladen oder ein Dokument gleich vom Browser aus im entsprechenden Programm zu öffnen – Microsoft benutzt dafür nämlich ActiveX-Plug-ins.

Dank Add-in fügt sich Office Live Workspace in Office ein. Online gelagerte Dateien lassen sich direkt aus Office & Co. heraus öffnen.

Verbessertes Teamwork

Um mit Kollegen an einem Dokument zu arbeiten, setzt der Besitzer der Datei die E-Mail-Adressen auf die Liste der Editoren. Diese dürfen dann ganz nach eigenem Wunsch das Dokument verändern und wieder speichern. Alternativ laden User einen Kollegen nur zum Betrachten eines Dokumentes an.

Sobald ein User die Datei lokal bearbeitet, wird sie für andere gesperrt. Trotzdem kann sich jeder Kollege eine schreibgeschützte Kopie des Dokumentes ansehen, Änderungen aber erst speichern, wenn die Datei wieder freigegeben wurde. Office Live Workspace vergleicht dann beide Versionen miteinander und gibt dem letzten Anwender, der die Datei bearbeitet hat, die Möglichkeit, Änderungen zu übernehmen oder abzulehnen. Simultanes Arbeiten verschiedener User an einem Dokument – wie es etwa Google Docs bietet – ist nicht möglich.

Dafür bietet der Dienst ein weiteres Features, das bei Gruppenarbeiten zum Einsatz kommt: SharedView. Damit geben Benutzer den Desktop für andere User frei. Eine Arbeitsgruppe werkelt so gleichzeitig an einem Dokument, wenn auch nicht online, sondern auf dem Desktop eines Kollegen. SharedView ist ein eigenständiges Tool und auch ohne Office Live Workspace nutzbar, aber in die Benutzeroberfläche integriert.

Die Dokumente lassen sich online betrachten – zum Bearbeiten muss es in Microsoft Office geöffnet werden. ((Ins Bild klicken für größere Ansicht.))

Fazit

Mit Spannung wurde erwartet, wie Redmond auf Googles Offensive reagiert, Tools kostenlos im Internet bereitzustellen. Herausgekommen ist eine Mischform aus Online- und Offline-Applikation. So verkauft Microsoft weiterhin Desktop-Software, überlässt aber der Konkurrenz nicht wehrlos das Web. Für Anwender, die sowieso Microsoft Office nutzen und ihr Notebook immer dabei haben, ist Office Live Workspace eine gelungene Ergänzung, um mit Kollegen zusammenzuarbeiten. User, die eine komplett kostenlose sowie überall einsetzbare Lösung suchen und nur die wichtigsten Office-Funktionen benötigen, nutzen Google Docs.

Office Live Workspace (Beta)
Hersteller: Microsoft
Internet: workspace.office.live.com
Preis: kostenlos

Note: gut
Leistung (50%): gut
Ausstattung (30%): befriedigend
Bedienung (20%): gut

Das ist neu:
– Dokumente online speichern und freigeben
– erweiterte Funktionen zur Gruppenarbeit
– Add-in für Office XP, 2003 und 2007

Systemvoraussetzungen
Betriebssystem: Windows XP/Server 2003/Vista
Prozessor: Pentium 3 mit 700 MHz
Arbeitsspeicher: 256 MByte