DOSSIERS
Opera-Vizepräsident Tatsuki Tomita im Interview
»Wettbewerb auf dem Browser-Markt ist wichtig«
Opera und der Wettbewerb mit Firefox
PCpro: »Sie haben vorhin die Entwickler-Funktionen erwähnt. Schafft Opera 9.5 schon den Acid3-Test?«
Tomita: »Version 9.5 ist knapp unter 100 Prozent. Aber wir haben den Acid3-Test bereits zu 100 Prozent mit einer Pre-Release-Version bestanden. Das hängt mit der Art zusammen, wie wir unser Unternehmen untergliedert haben. Ein Team arbeitet nur am Browser-Kern, ein anderes entwirft die Grafikbibliothek und ein anderes arbeitet beispielsweise an CSS oder XML. So hat der Core-Build den Acid3-Test bestanden, Version 9.5 noch nicht ganz. Aber wir arbeiten daran. Irgendwann nehmen wir einfach die neueste Core-Version und bringen sie in eine neue Opera-Version. Jetzt jedenfalls kommt erst einmal Opera 9.5 auf den Markt.«
PCpro: »Damit liegen Sie zeitlich nur knapp vor Firefox 3.0, mit dem Mozilla einen neuen Download-Rekord aufstellen will. Über Firefox wird viel geredet und der Browser gewinnt stetig Marktanteile hinzu. Opera ist zwar ein guter Browser, kriegt aber nicht die gleiche Aufmerksamkeit. Woran liegt das?«
Tomita: »Firefox schlägt sich sehr gut, und das sehe ich positiv: vorher gab es keinen Wettbewerb – es gab nur den Internet-Explorer. Aber jetzt gibt es Firefox, Safari für Windows und Opera sowie einige kleinere lokale Browser-Entwickler hier und da. Es gibt Wettbewerb! Wir haben viele Nutzer in Deutschland. Wenn man sich allerdings Länder wie Russland ansieht – dort haben wir fast 20 Prozent Marktanteil.«
PCpro: »Haben Sie Zahlen, welchen Marktanteil Opera in Deutschland hat? Bei pc-professionell.de sind es zum Beispiel 5,25 Prozent. Firefox und Internet Explorer sind ungefähr auf dem gleichen Level mit etwa 45 Prozent.«
Tomito: »Firefox mit 45 Prozent, wirklich? Davon abgesehen entspricht das auch unseren Zahlen, nach denen Opera 4 bis 5 Prozent hat. Man muss aber dazu sagen, dass sich ältere Versionen als Internet Explorer ausgeben. Bei einem Update von einer älteren Version bleibt diese Kenzeichnung erhalten. Seit Version 9 gibt sich Opera aber als Opera zu erkennen.«
PCpro: »Also ist Operas Marktanteil in Wirklichkeit viel größer?«
Tomita: (lacht) »Es ist ein klein wenig mehr.«
PCpro: »Und wie wollen Sie nun neue Nutzer hinzugewinnen?«
Tomita: »Wir bringen Opera auf andere Betriebssysteme und Plattformen wie Handys und Konsolen. Dadurch können wir auch unseren Anteil am Desktop-Markt ausbauen. Man hat einfach Vorteile, Opera auf seinem PC zu nutzen, wenn man es bereits auf seinem Handy installiert hat. Das ist unsere Art Marktanteile zu gewinnen. Das heißt natürlich nicht, das wir aufhören den coolsten Browser auf dem Desktop-Markt zu entwickeln – was wir tun werden. Es ist einfach eine andere Art den Markt anzugreifen.«
»Neue Nutzer bringt uns auch unser Entwickler-Tool Dragonfly. Wir haben immer wieder gehört: ‘Opera ist cool, Opera ist klein und bietet von Haus aus alle Funktionen, die ich brauche. Aber es ist schwer für mich, den Browser zu benutzen, weil er mir nicht die Developer-Tools bietet, die ein Firefox mir bieten würde.’ Dragonfly bringt uns nun auch diese User. Im Moment haben wir auch noch ein paar Probleme mit bestimmten Webseiten, aber daran arbeiten wir. Wir bekommen sehr viel Feedback. In erster Linie sind wir einfach nicht so bekannt wie Firefox. Das ist es, was wir ändern wollen.«
PCPro: »Vielleicht sollte Ihr CEO, Jon S. von Tetzchner, mal wieder durch den Atlantik schwimmen?«
Tomito (lachend): »Ja, ich meine, er sollte. Vielleicht bis nach Thailand – da will er seinen Urlaub verbringen.«






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