Geheimdokumente über al-Qaida im Zug vergessen

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Aus unserer beliebten Serie: Britische Behörden und ihre traditionelle Neigung zu Datenverlusten.

Der Rest der Welt durfte bereits über ein bei Ebay verhökertes Notebook mit vertraulichen Regierungsdaten lachen. Weniger erheiternd waren die von der britischen Polizei verschusselten DNA-Daten. Der bislang größte britische Datenskandal betraf die Daten von 25 Milllionen Briten, die das Finanzamt der Inselbewohner verlor. Und von den anderen Skandalen und Skandälchen mal gar nicht zu reden.

Aber selbst strengstens geheime Daten bleiben das nicht immer lange. Ein Regierungsbeamter hinterließ mit “Top Secret” gekennzeichnete Regierungsdokumente, betreffend die sagenumwobenen Terroristen von al-Qaida, einfach auf seinem Sitzplatz, als der den Zug verließ. Der ehrliche Finder übergab sie dem Sender BBC, der den Vorfall öffentlich machte. Und dann brach auch schon der Sturm der Entrüstung los. Die Sicherheits-Sprecherin der Konservativen, Baronin Neville-Jones, beschrieb den jüngsten Verlust als eine weitere in “einer langen Reihe von Sicherheitspannen”.

Bei den verlorenen Dokumenten handelte es sich um zwei Reports mit Lageeinschätzungen des Joint Intelligence Committee der britischen Regierung. Das eine Dokument war eine Auswertung geheimdienstlicher Erkenntnisse und betraf “Schwachstellen der al-Qaida”. Es sollte ausdrücklich niemandem außerhalb der Behörden in UK, USA, Kanada und Australien unter die Augen kommen. Der zweite Bericht wurde vom Verteidigungsministerium in Auftrag gegeben und enthielt eine streng geheime und teilweise “vernichtende” Einschätzung über die Sicherheitskräfte im Irak.

Ist das nicht beruhigend? Durch einen schläfrigen Beamten wissen wir wenigstens, dass die britische Regierung nicht alle Augen verschließt. Sondern mit weit geöffneten Augen sieht, was sie im Irak bereits mit angerichtet hat.

(bk)

BBC

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