Was CEO Terry Semel bei Yahoo alles versemmelte

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Er galt als Hollywood-CEO und ließ sich die E-Mails von seiner Sekretärin ausdrucken. Der frühere Vize-Chef von Warner Brothers fuhr Yahoo in den Graben und gilt inzwischen als “schlechtester Internet-CEO aller Zeiten”.

Er brachte Yahoo in die spätere bemitleidenswerte Lage als Übernahmekandidat, das Management belagert durch aggressive Investoren. Dabei hatte es so schön angefangen. Nach der Dotcom-Blase hatte es Semel geschafft, die Firma bis zu einem siebenfachen Aktienkurs zu puschen. Die Aktionäre und Analysten lagen ihm zu Füßen.

Schwerer wiegen in der Rückschau seine falschen strategischen Weichenstellungen. Die entscheidende, die die Aktionäre bislang rund 150 Milliarden $ gekostet haben dürfte, lag in der versuchten Ausrichtung auf eine Medien- und Entertainment-Firma. Dafür gab Yahoo die eigenen Wurzeln auf, die in Suche und Navigation durchs Web bestanden. Und überließ freiwillig Google das Feld.

In Erinnerung bleiben wird der Ex-Yahoo-Boss aber vor allem für das, was er nicht getan hat. Für die Aufkäufe, die er durch kleinliche Erbsenzählerei scheitern ließ. Yahoo vergab die Chancen, die späteren Großen des Internet zu übernehmen. Für einen Appel und ein Ei.

Google, Facebook, Doubleclick, er hätte sie alle haben können. Für Google wollte er höchstens eine schlappe Milliarde $ ausgeben, während die Gründer Larry Page und Sergey Brin wenigstens 3 Milliarden $ dafür sehen wollten. Heute ist Google rund 180 Milliarden $ wert, Yahoo hingegen nur 35 Milliarden $.

Ähnlich lief es mit Facebook. Mark Zuckerberg und Semel hatten bereits eine Übernahme für eine Milliarde $ vereinbart. In letzter Minute reduzierte Semel das Angebot auf 800 Millionen $ und bekam Facebook nicht. Heute ist Microsoft mit viel größeren Summen hinter dem Social Network her. Ähnlich lief es bei Doubleclick, das später von Google für einen höheren Preis übernommen wurde.

Zum guten Schluss hätte er den Laden wenigstens noch gut abverkaufen können. Wie erst jetzt durch eine Aktionärsklage bekannt wurde, lag bereits im Januar 2007 ein Übernahmeangebot Microsofts auf seinem Tisch, das je Aktie 40 $ versprach. Was Branchenbeobachtern zufolge leicht zu einem Preis von 45 – 50 $ hätte führen können. Später scheiterte die mögliche Fusion Microsoft-Yahoo beim Gerangel um einen inzwischen weit niedrigeren Übernahmepreis.

(bk)

Silicon Alley Insider